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Boeing 737 Max

FAA-Chef schimpft mit Boeing wegen falscher Versprechen

Schon öfter wurde kritisiert, dass Boeing zu viel Druck auf die Luftfahrtbehörde der USA ausübt. Nun hatte der Chef der Federal Aviation Administration offenbar genug.

Peter Schneider/Twitter: @SwissSchneider

Geparkte Boeing 737 Max: Sie stehen noch ein paar Wochen da.

Eines ist inzwischen klar: 2019 lässt die Federal Aviation Administration FAA die Boeing 737 Max definitiv nicht mehr abheben. Und wann genau das Grounding im kommenden Jahr aufgehoben wird, das steht auch noch in den Sternen. Die Luftfahrtbehörde der USA will sich die Zeit nehmen, die sie für die Prüfung des Kurz- und Mittelstreckenflugzeuges braucht und auf keine externen Wünsche Rücksicht nehmen.

Die Chance besteht also, dass die 737 Max am Ende auf rund ein Jahr Grounding zurückblicken wird. Dabei hatte Boeing in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass man kurz vor der Wiederzulassung stehe. So erklärte der Konzern Mitte November, man erwarte ab Mitte Dezember wieder Maschinen ausliefern zu können. Schon im Januar könne dann das Flugverbot wieder aufgehoben werden. Im September hatte Boeing noch den Oktober als Termin für die Rückkehr genannt.

Böse E-Mail, liebes Statement

Der Federal Aviation Administration passen diese wiederholten Versprechen gar nicht. Denn so wird auch Druck auf die Behörde ausgeübt, möglichst schnell wieder ihr Gütesiegel zu vergeben. Und deshalb bat FAA-Chef Steve Dickson Boeings Vorstandsvorsitzenden Dennis Muilenburg nun zum Gespräch. «Die Behörde ist besorgt, dass Boeing einen unrealistischen Zeitplan verfolgt», heißt es in einer E- Mail an Boeing, die der Zeitung Seattle Times vorliegt.

Und die Behörde geht noch weiter. Man wolle auch darauf hinweisen, «dass einige von Boeings Aussagen darauf abzielten, die FAA dazu zu bringen, sich zu beeilen», heißt es weiter. Man wolle sich treffen, um «sicherzustellen, dass Boeing die richtige Erwartungshaltung an den Tag legt.»

Böse E-Mail, liebe Stellungnahme

Dafür, dass die E-Mail ziemlich böse klang, gab sich Boeing im Nachgang des Treffens sehr positiv und zufrieden. In einer Mitteilung hieß es, dass das Treffen produktiv gewesen sei. Mehr ließ sich das Unternehmen nicht entlocken.

Dass Dickson das Vorgehen von Boeing nicht so passt, wurde schon vorher klar. In einem Video an seine Angestellten sprach der FAA-Chef ihnen vor wenigen Wochen Mut zu, sich so viel Zeit wie nötig zu nehmen. «Sicherheit ist eine Reise, kein Ziel», sagt er. Er werde seine Unterschrift nicht unter die Wiederzulassung setzen, wenn er nicht selbst mit dem Flugzeug geflogen sei und ohne ein komisches Gefühl seine Familie in eine 737 Max setzen würde. Und das sei noch nicht der Fall.



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