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75. Geburtstag

Zhu Ni Shengri Kuaile, Cathay Pacific!

Hongkongs Heimairline feiert 75. Geburtstag. Cathay Pacific wurde im September 1946 von waghalsigen Piloten gegründet und wuchs seither trotz vieler Rückschläge stetig.

Als the Hump – den Buckel – bezeichnete man die Luftbrücke zwischen Indien und China. Sie führte über den Himalaya und war die einzige Verbindung von den USA nach China, die im Zweiten Weltkrieg nicht von Japan kontrollierbar war. Für die Armee der Vereinigten Staaten war sie ab 1942 von zentraler Bedeutung. Tollkühne und wagemutige Piloten flogen die Routen über die hohen Berge.

Zwei von ihnen waren der Australier Sydney «Syd» de Kantzow und der Amerikaner Roy Clinton Farrel. Zurück vom Einsatz bei der U.S. Air Force wollten sie ihre fliegerische Erfahrung in Asien auch nach dem Krieg nutzen. Sie kamen deshalb auf die Idee, eine eigene Import-Export-Firma zu gründen. Ihr Zweck: Gesuchte Waren mit dem Flugzeug von Australien nach China transportieren.

Wegzug aus China

Am 24. September 1946 setzten sie ihren Plan um und ließen ihr Unternehmen Roy Farrell Import-Export Company in Shanghai eintragen. Vier Monate später starteten sie den Flugbetrieb mit einer Douglas DC-3. Sie hatten schnell Erfolg. Sie erweiterten die Flotte rasch. Das aber brachte die chinesischen Behörden auf den Plan. Mehrmals wurden Flugzeuge festgehalten.

Farrel und de Kantzow entschieden sich, Shanghai zu verlassen und ins damals britische Hongkong überzusiedeln. Dabei tauften sie auch ihr Unternehmen um – in Cathay Pacific Airways. Cathay war eine frühere Bezeichnung der Europäer für China. Der Erfolgsgeschichte ging weiter. Schon 1947 umfasste die Flotte neun Flugzeuge. Sie flogen Bangkok, Manila, Saigon (das heutige Ho Chi Minh City), Shanghai, Singapur und Sydney an.

Marktaufteilung in Hongkong

Doch wiederum bekam die Fluggesellschaft Probleme mit den Behörden. Die britische Kolonialregierung verlangte, dass die Mehrheit der Aktionäre Briten sind. Und so übernahm das Konglomerate Swire Group die Kontrolle. Das Geschäft florierte, auch weil die Regierung den Luftverkehrsmarkt in der Kronkolonie auf zwei Fluggesellschaften aufgeteilt hatte: Cathay Pacific bekam die Routen nach Süden, Hong Kong Airways die nach Norden. Konkurrenz gab es so kaum mehr.

Das änderte sich 1959 nochmals, als Cathay Hong Kong Airways übernahm. in den Folgejahren glänzte das Unternehmen mit zweistelligen jährlichen Wachstumsraten. 1964 stieg sie mit der Einflottung einer Convair CV-880 ins Jet-Zeitalter ein und fünf Jahre später bestand die Flotte nur noch aus Düsenflugzeugen. Die Expansion ging weiter und in den Achtzigerjahren steuerte Cathay Ziele in der ganzen Welt an. Die Airline punktete dabei mit einem Serviceniveau, das es bei westlichen Anbietern damals noch nicht gab.

Zurück in China

Es gab auch dunkle Stunden. Am 15. Juni 1972 stürzte eine Convair 880 von Cathay auf dem Weg von Bangkok nach Hongkong über Vietnam ab, nachdem eine Bombe in einem Koffer explodiert war. Alle 81 Menschen an Bord kamen damals ums Leben. Es blieb bis heute der letzte Totalverlust der Fluggesellschaft. 1979 schaffte sich Cathay die Königin der Lüfte an. Mit Boeing 747 vergrößerte sie ihre Kapazitäten auf der Langstrecke massiv.

Eine Zeitenwende kam 1997, als das Vereinigte Königreich die Kronkolonie am 1. Juli wie vereinbart an China zurückgab. Cathay musste ihre Flugzeuge neu registrieren und auch die Flagge auf den Leitwerken ändern. Zuvor hatten chinesische Staatsfirmen Anteile erworben. Gemeinhin schaute man das damals als Zeichen dafür an, dass Peking an einem Erhalt des Status Quo interessiert sei. Ein Jahr später wurde der legendäre Flughafen Kai Tak geschlossen, der die Heimat der Fluglinie gewesen war, und der Umzug zum neuen Hong Kong International Airport auf der Insel Chek Lap Kok vollzogen.

Einführung einer Weltneuheit

Langwierige Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften, die Asienkrise und vor allem auch die erstarkte Konkurrenz aus Festland-China setzten Cathay in dieser Zeit zu. Erstmals seit 35 Jahren schrieb die Airline im Jahr 1998 einen Verlust. Sie rappelte sich nach einer Neuausrichtung aber schnell wieder auf.

Schon bald kamen jedoch neuerliche Rückschläge: Die Anschläge vom 11. September 2001 sowie der Golfkrieg und die Sars-Pandemie stürzten sie erneut in eine Krise. Auch als Reaktion darauf lancierte Cathay Innovationen, die Kosten sparen halfen und den Reisenden mehr Komfort brachten. Als weltweit erste Airline führte sie beispielsweise 2001 das Online Check-in ein.

Harte Rückschläge

Erneut erholte sich Cathay – sie gehört zu den zwölf größten Fluglinien in Asien – und holte sich für ihren Service auch immer wieder internationale Preise. 2019 kam jedoch erneut ein schwerer Rückschlag. Als Reaktion auf eine steigende Einmischung Pekings in die Angelegenheiten Hongkongs kam es zu Massenprotesten. Länder sprachen Reisewarnungen aus, die Passagierzahlen brachen ein. Die Folge waren auch Managementwechsel.

Noch während der Demokratiebewegung in der Sonderverwaltungszone brach Covid-19 aus und setzte Cathay Pacific wie vielen Fluggesellschaften zu. Die Airline kürzte als Antwort auf die zurückgegangene Nachfrage ihre Flugkapazitäten seit März 2020 stark. Einen Großteil der Strecken wurden vorübergehend komplett eingestellt. Der Staat musste stützend eingreifen. Die Tochter Cathay Dragon wurde geschlossen.

Auf dem Weg zurück

Seit Juni 2021 bietet Cathay wieder einen Flug pro Woche zwischen Frankfurt und Hongkong an. Das Netzwerk soll in den kommenden Monaten wieder Schritt für Schritt ausgebaut werden. Aktuell bietet Cathay Pacific in Europa Verbindungen von Hongkong nach Frankfurt, Amsterdam, Paris und London an.

Den 75. Geburtstag muss Cathay also in schwierigen Zeiten feiern. Doch wenn die Geschichte der Fluglinie eines gezeigt hat: Sie hat Krisen immer überstanden, um gestärkt daraus zurückzukehren. Darum: Zhu Ni Shengri Kuaile  (herzlichen Glückwunsch), Cathay Pacific!

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen aus der Geschichte von Cathay Pacific.



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