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Sinn der Übernahme

Was hat Boeing eigentlich von Embraer?

Die Amerikaner schnappen sich die zivile Sparte des brasilianischen Flugzeugbauers. Der Deal hat für Boeing mehrere Vorteile.

Nach monatelangen Verhandlungen ist es soweit. Die Absichtserklärung wurde am Donnerstag (5. Juli) unterzeichnet. Boeing und Embraer gehen ein Joint Venture ein, in das die Brasilianer ihre gesamte Zivilflugzeugsparte einbringen. Die Amerikaner werden die neue Firma kontrollieren. Faktisch ist es also eine Übernahme.

Doch was bringt Embraer Boeing überhaupt? Da ist zum einen der Fakt, dass der brasilianische Flugzeugbauer rentabel ist. 2017 erzielte die Zivilflugzeugsparte von Embraer einem Umsatz von 11,4 Milliarden Real (umgerechnet 2,5 Milliarden Euro). Unter dem Strich resultierte ein Betriebsgewinn von 1,8 Milliarden Real oder 390 Millionen Euro. Das entspricht einer Rendite von fast 16 Prozent.

Kaum Überlappung

Da ist zum anderen eine Produktepallette, die das bestehende Angebot der Amerikaner gut ergänzt. Boeings kleinstes Produkt ist die 737-700 mit 126 Plätzen in zwei Klassen. Embraer hat Flieger mit einer Kapazität zwischen 37 und 146 Plätzen im Angebot. Überlappungen gibt es da quasi keine. Zudem werden in der Luftfahrt Direktverbindungen zunehmend wichtig. Zu den großen Drehkreuzen fliegen große Jets mit hoher Kapazität. Kleinere Flieger sorgen für die Feinverteilung zu regionalen Zentren.

Doch das ist noch längst nicht alles. Boeing ist offenbar beeindruckt, wie schnell und wie pünktlich Embraer die modernisierte E2-Jet-Familie auf den Markt gebracht hat. Der brasilianische Konzern ist besonders bei der die Entwicklung unterstützenden Software sehr stark. Zudem hat er eine offene Ingenieurskultur. Die Experten sind in allen Bereichen aktiv, bei Boeing herrscht eine Silo-Mentalität. Das behindert den Austausch von Wissen über Bereichsgrenzen hinweg, wie die Analysten des Beratungsunternehmens Air Insight betonen.

Zugriff auf neue Kunden

Und noch etwas gewinnt Boeing mit dem Deal. Die Amerikaner gelangen nun auch an Kunden, die bisher nur bei Embraer gekauft haben. Künftig kann man ihnen in einem Deal zwei Modelle anbieten. Das ist attraktiver als bei zwei verschiedenen Herstellern kleine Mengen ordern zu müssen.

Hier unterscheidet sich der Boeing/Embraer- auch vom Airbus/Bombardier-Deal. Die Europäer schnappten sich nur die C-Series, die in der kleineren Version CS100 bei einer Standard-Bestuhlung rund 120 Plätze bietet. Die CRJ-Series (78 bis 104 Plätze) blieb bei Bombardier ebenso wie die Turboprops der Q-Series (68 bis 90 Plätze). Airbus ist nur zu 50 Prozent am Turboprophersteller ATR beteiligt.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie die Produktepalette von Embraer. und stimmen Sie ab:

Macht der Embraer-Deal für Boeing Sinn?

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