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Sitzkonzepte

Warum es in der Economy kaum bequemer wird

Designer haben diverse Konzepte entwickelt, die Reisen in der tiefsten Klasse bequemer machen würden. Umgesetzt wurde bislang keines.

Lange Zeit waren Flugzeuge exklusive Clubs. Nur die oberen Zehntausend hatten Zutritt. Denn Tickets waren extrem teuer. Für einen Flug von London nach New York bezahlte man Mitte der Vierzigerjahre 550 Dollar. Das waren mehr als zwei Monatslöhne eines Durchschnittsbürgers oder quasi unerschwinglich.

Juan Trippe erkannte als erster das Potenzial in der Demokratisierung von Flugreisen. Der Chef von Pan American World Airways führte 1945 eine Tourist Class ein und halbierte für sie die Flugpreise. Das passte nicht allen. Schließlich brachte das damalige Quasi-Kartell der Iata verbunden mit nationalen Monopolen den Fluggesellschaften erkleckliche Gewinne. In Großbritannien beispielsweise durften Flieger von Pan Am mit einer Tourist Class nicht mehr landen.

Keine Innovationen, weniger Platz

Doch das Konzept setzte sich durch. Heute reist die Mehrheit der Passagiere zu billigen Preisen in der Economy Class. Um sie kümmern sich die Fluggesellschaften aber am wenigsten. Während der Komfort in der Business Class und der First Class in den letzten Jahren stetig zunahm (Stichworte Suiten und flache Betten), reist es sich in der Holzklasse noch immer fast so wie vor fünfzig Jahren.

So haben diverse Erhebungen gezeigt, dass sowohl der Sitzabstand als auch die Sitzbreite in den vergangenen zwanzig Jahren abgenommen haben. Ein amerikanischer Politiker fordert deshalb bereits einen gesetzlichen Mindest-Sitzabstand. Auch Innovationen gab es in der Economy Class mit Ausnahme des individualisierten und ausgebauten Unterhaltungssystems kaum.

30 Zentimeter versetzt nebeneinander

Dabei haben Designer durchaus Ideen in der Schublade, wie man den Komfort in der Economy Class verbessern könnte. Die britische Firma Acumen entwickelte für des Sitzhersteller Thompson Aero Seating das Konzept Cosy. Es setzt die Sitze in der Holzklasse 30 Zentimeter versetzt nebeneinander. Dadurch bekommt jeder Passagier mehr Privatsphäre, zwei Armstützen und eine Kopfstütze. Ein hochklappender Sitz wie im Kino erlaubt zudem schnelleren Gangzugang.

Ein weiteres Acumen-Konzept ist Freedom. Es wurde für den französischen Sitzhersteller Zodiac Aersospace entworfen. Die Designer drehten dabei den Mittelsitz um – er schaut in die Gegenrichtung. Dadurch gewinnen alle drei Passagiere in der Dreierreihe mehr Platz. Zudem könnten Fluggesellschaften so Neuner- in Zehnerreihen verwandeln ohne den Komfort abzubauen. In einer Viererreihe könnte man auch zwei Mittelsitze zusammen umdrehen.

Es fehlt der Anreiz

Beide Konzepte haben sich trotz offensichtlicher Vorteile nicht durchgesetzt. Keine einzige Fluggesellschaft hat sie gekauft. Schuld ist der enorme Wettbewerbsdruck. In der Economy Class verdienen Airlines derzeit einfach zuwenig um einen Anreiz zu haben, in ein deutlich besseres Produkt zu investieren. «Es fehlt das Commitment», sagt Acumen-Partner Anthony Harcup.

Auch die Sitzhersteller haben zuwenig Anreize. Economy-Sessel sind ein Massenprodukt. Die Umsetzung eines neuen Konzepts lohnt sich erst, wenn es auch mehrere Fluggesellschaften gibt, die es kaufen wollen. Darum wird es in der Economy Class vorerst eng bleiben. Aber immerhin gibt es 30 Filme und Wifi.



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