Flieger am Himmel: Die Emissionen werden weniger.

Daten der IcaoVon 50 auf weniger als fünf: Klimainitiativen bei Airlines brechen um 96 Prozent ein

Fluggesellschaften sprechen seltener über Klimaschutz und fahren ihre Projekte im Bereich nachhaltigkeit zurück. Die Branche ist trotzdem sauberer geworden.

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Die Gespräche ums Thema Klima sind leiser geworden. In Konferenzprogrammen, in Geschäftsberichten, in Investorengesprächen - vieles dreht sich heute um andere Schlagworte. Vor allem um Künstliche Intelligenz. Doch was bedeutet dieser Stimmungswandel für die Luftfahrt?

Noch vor wenigen Jahren war Klimaschutz eines der dominierenden Themen. Inzwischen ist die öffentliche Aufmerksamkeit deutlich zurückgegangen. Das zeigt sich nicht nur in der Wahrnehmung, sondern auch in Zahlen: Nachhaltigkeitsfonds verzeichneten zuletzt drei Jahre in Folge Mittelabflüsse.

Icao erfasst keine Nachhaltigkeitsinitiativen mehr

Parallel dazu sprechen auch Unternehmen seltener über Themen wie Dekarbonisierung oder ESG. In Auswertungen von mehr als 6000 Analystenkonferenzen gingen entsprechende Begriffe zuletzt um über 20 Prozent zurück, zeigt ein aktueller Bericht des Lufthansa Innovation Hub.

Ein ähnlicher Trend ist auch in der Luftfahrt zu beobachten. Laut der International Civil Aviation Organization Icao ist die Zahl konkreter Initiativen von Airlines zur Reduktion von CO₂-Emissionen massiv gesunken, um ganze 96 Prozent. Während 2021 noch rund 50 Projekte gezählt wurden, waren es 2024 weniger als fünf. 2025 stellte die Organisation die Erfassung solcher Initiativen ganz ein.

Emissionen sinken trotzdem

Parallel dazu passen mehrere Fluggesellschaften ihre eigenen Klimaziele an. Als Beispiel nehmen die Autoren Delta Air Lines. Die Fluggesellschaft hat ihr Netto-Null-Ziel für 2050 zuletzt neu eingeordnet. Es gilt jetzt nicht mehr als festes Versprechen, sondern als langfristige Perspektive. Auch ein Zwischenziel, bis 2030 einen Anteil von 10 Prozent nachhaltigem Treibstoff zu erreichen, verschwand aus der Kommunikation. Andere Airlines gehen ähnlich vor, schwächen Formulierungen ab oder verschieben Zeitpläne.

Doch der Eindruck, die Branche entferne sich vom Klimaschutz, greift zu kurz, finden die Autoren. Ein Blick auf die tatsächlichen Emissionen zeigt denn auch ein differenzierteres Bild. Zwischen 2019 und 2025 ist die weltweite Kapazität der Airlines um rund 14 Prozent gewachsen. Die CO₂-Emissionen stiegen im gleichen Zeitraum jedoch nur um etwa 2 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Fluggesellschaften deutlich sauberer geworden sind – vor allem durch modernere, sparsamere Flugzeuge.

Steigende Kerosinpreise verringern Preisunterschied zu SAF

Ein weiterer Faktor kommt hinzu: steigende Kerosinpreise. Durch die aktuellen geopolitischen Spannungen hat sich der Preisabstand zwischen herkömmlichem Treibstoff und nachhaltigen Alternativen verkleinert. Und Kerosin dürfte auch bei einer politischen Entspannung noch eine ganze Weile deutlich teurer bleiben. Aktuelle Prognosen der Energiewirtschaft gehen davon aus, dass der Ölpreis 2026 im Schnitt bei rund 86 Dollar pro Barrel liegen könnte – nach etwa 69 Dollar im Jahr zuvor.

Das könnte die Nutzung von Sustainable Aviation Fuel SAF wirtschaftlich attraktiver machen. Denn bisher galt der hohe Preis als größtes Hindernis, neben der sehr knappen Verfügbarkeit. Während das Thema öffentlich an Aufmerksamkeit verliert, entwickelt sich im Hintergrund aber inzwischen immerhin ein eigenes Ökosystem weiter. Spezialisierte Unternehmen arbeiten an Technologien rund um nachhaltige Treibstoffe und bauen ihre Kapazitäten aus.

Weniger laut, aber weiter effektiv

Die große Aufmerksamkeit mag nachgelassen haben. Auch viele Versprechen werden vorsichtiger formuliert. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Die Branche wird effizienter, Technologien entwickeln sich weiter, und wirtschaftliche Faktoren verschieben die Dynamik. Oder anders gesagt: Die Luftfahrt spricht weniger über Klimaschutz. Aber aufgehört hat sie damit nicht.

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