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Ultrafan

Rolls-Royce testet bei Berlin Supertriebwerk

Im deutschen Werk Dahlewitz tüfteln rund 100 Ingenieure am Triebwerk der Zukunft. Rolls-Royce verspricht mit dem Ultrafan weniger Lärm und Verbrauch.

Felix Stoffels

Die Unterdruckkabine in Dahlewitz: Sie dient zur Simulation von Reiseflughöhen bis 12.000 Meter.

Blankenfelde-Mahlow? Die 26.000 Einwohner zählende Gemeinde sechs Kilometer südlich der Stadtgrenze von Berlin  sagt den wenigsten etwas. Dabei tüfteln rund 100 Ingenieure dort an der Zukunft der Luftfahrt. Im Werk des Triebwerkherstellers Rolls-Royce im Ortsteil Dahlewitz wird nach neuen Möglichkeiten gesucht, um Flugzeugmotoren sparsamer und leiser zu machen.

Nun haben die Experten ein neues Werkezug, um ihren Plan umzusetzen: Am 8 November hat Rolls-Royce eine neue Testanlage in Dahlewitz eingeweiht. 1250 Tonnen Stahl, 6300 Kubikmeter Beton und knapp 100 Kilometer Kabel wurden dafür verbaut. Sie enthält den 400 Tonnen schweren, weltgrößten Leistungsprüfstand (Power Rig), mit dem Belastungen von mehr als 100.000 PS realisierbar sind und einen Lageprüfstand zur Simulation von Neigungen und einem verminderten Luftdruck, wie er auf 12.000 Meter Höhe herrscht.

Weniger Kerosin, weniger Lärm

Mit der 80 Millionen Euro teuren Anlange möchte der britische Konzern es schaffen, bis 2025 mit dem Ultrafan die eigene neue Motorengeneration auf den Markt zu bringen. Es soll der größten Entwicklungsschritt seit der breiten Einführung von Mantelstromtriebwerken Mitte der Achtzigerjahre sein.

Erstmals bei Triebwerken dieser Größe wird im Ultrafan ein Reduktionshauptgetriebe oder Planetengetriebe verwendet, «das es in dieser Leistungsklasse bisher noch nie gegeben hat», wie Rolls-Royce erklärt. Es entkoppelt den Fan (das, was man als Passagier im Innern des Triebwerks sieht) vom Kerntriebwerk. Dadurch können beide Komponenten in der optimalen Drehzahl laufen. Das spart Kerosin und reduziert den Lärm.

Rolls-Royce

Nochmals ein Zehntel sparsamer

Rolls-Royce plant für das Supertriebwerk weitere Verbesserungen. Dank dem Einsatz leichter Kohlefaser-Titan-Schaufeln, hitzebeständiger Keramikstoffe, die weniger Kühlluft verbrauchen, sowie einer leichteren Bauweise der Turbine erhofft sich der Hersteller einen gegenüber der ersten Serie der Trent-Triebwerke 25 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch. Selbst gegenüber den neuen Motoren des Airbus A350 sollen noch 10 Prozent drinliegen.

«Wir glauben, dass in diesem Konzept die Zukunft der Triebwerke liegt, der Ultrafran ist hierbei der erste wichtige Schritt», so Rolls-Royce. Konkurrent Pratt & Whitney hat bereits ein auf der neuen Technologie basierendes Produkt auf dem Markt, das PW1000G für den Airbus A320 Neo. Doch Rolls-Royce zielt auf künftige Großraumflugzeuge ab. Dementsprechend wurde die neue Anlage so ausgelegt dass auf das Testgetriebe Kräfte bis 100.000 PS wirken können. Diese Leistung könnte ein gesamtes Formel-Eins-Starterfeld antreiben.

Brandenburg ist stolz

Die Entscheidung, wesentliche Teile des Projekts in Dahlewitz zu realisieren, mache deutlich, welchen Stellenwert der Standort bei Rolls-Royce heute habe. «Das Unternehmen konzentriert hier viel Wissen und Kompetenz», erklärte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber bei der Eröffnung.  Was es in Dahlewitz aufgebaut habe, sei beeindruckend. «Mehr als 7.000 Triebwerke wurden hier in den vergangenen zwei Jahrzehnten hergestellt. Hier werden neue innovative Triebwerke und Triebwerkskomponenten entwickelt, hier werden die weltweit effizientesten Großtriebwerke produziert. Und nun werden auch die innovativsten Hochleistungsgetriebe in Brandenburg getestet», so Gerber..

Mitarbeit: Felix Stoffels.



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