Bruchlandung in MoskauSuperjet-Pilot muss sechs Jahre in die Strafkolonie

2019 verunglückte ein Superjet 100 in Moskau-Sheremetyevo und 41 Menschen starben. Jetzt wurde der Pilot von Aeroflot zu sechs Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt. Und das ist nicht alles.

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Vor vier Jahren spielte sich am Flughafen Moskau-Sheremetyevo eine Tragödie ab. Flug SU1492 von Aeroflot war am 5. Mai 2019 Richtung Murmansk gestartet. Schon kurz nach dem Abheben bekamen die Piloten des Superjet 100 aber Probleme. Nachdem ein Blitz den Flieger getroffen hatte, schaltete das Flugzeug automatisch den Autopiloten aus.

Die Piloten gingen Notfall-Checklisten durch, um eine Notlandung durchzuführen. Dabei machten sie jedoch Bedienungsfehler. Und sie ignorierten Warnungen vor Scherwinden, wie es im offiziellen Untersuchungsbericht der russischen Untersuchungsbehörde MAK heißt. Statt durchzustarten, landeten sie unsanft, dabei wirkten gigantische Kräfte von bis zu 5,85 G auf das Fahrwerk des Superjets.

Pilot kritisierte Untersuchungsbericht

Beim dritten Aufsetzen auf der Piste durchstieß das Fahrwerk den Rumpf. Der brach auseinander und es kam zu einem Brand.  Die Bilanz: 41 Fluggäste starben beim Unglück von Flug SU1492. Fluglotsen und die Rettungsdienste hätten den Vorfall nicht verhindern können, so die Ermittler weiter.

Flugkapitän D. E. äußerte sich schon früh kritisch zum Untersuchungsbericht. Das Fliegen im manuellen Modus, das nach dem Blitzeinschlag nötig wurde, sei zwar Teil seines Simulatortrainings gewesen. Allerdings habe sich die Flugsteuerung beim Unglück ganz anders verhalten als beim Training - genau umgekehrt. Beim Zurückziehen des Steuerknüppels habe sich die Nase des Fliegers nicht gehoben, sondern gesenkt.

Dreijähriges Berufsverbot und Entschädigungspflicht

Doch ein Gericht im Moskauer Bezirk Khimki glaubte E. nicht. Es verurteilte ihn zu sechs Jahre Strafkolonie, wie russische Medien berichten. Es folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die den Kapitän als Verantwortlichen für den schlimmen Unfall sieht.

E. hatte auf nicht schuldig plädiert. Seine Verteidigung bestand darauf, dass eine Fehlfunktion des Flugzeugs und das fehlerhafte Handeln eines Flugbegleiters schuld am Unglück waren. Doch das Gericht verurteilte E. wegen des Verstoßes gegen die Sicherheitsvorschriften im Luftverkehr. Neben der Haft bekam er auch ein dreijähriges Berufsverbot aufgebrummt und er muss Opfern wegen immateriellen Schaden eine Entschädigung von insgesamt 1,5 Millionen Rubel oder 16.000 Euro zahlen.

Harte Lebensbedingungen

Die rund 700 russischen Strafkolonien liegen in abgelegenen Gebieten im Norden und Osten des Landes. Sie sind berüchtigt für ihre harten Lebensbedingungen. Die Gefangenen leben nicht in Einzelzellen, sondern sind in Baracken untergebracht. Sie müssen Zwangsarbeit leisten.

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