Die Innenverkleidung des Fliegers wurde bei den Turbulenzen beschädigt.

Bilder aus der KabineSo heftig waren die Turbulenzen im Airbus A330 Neo von Condor

Nach schweren Turbulenzen muss ein Airbus A330 Neo von Condor vorerst auf Mauritius bleiben. Eine Ersatzmaschine ist bald unterwegs - mit einem Betreuungsteam an Bord. Denn die Szenen an Bord haben nicht alle problemlos weggesteckt.

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Wann immer man im Flugzeug sitzt, sollte der Gurt geschlossen sein – auch wenn die Anschnallzeichen ausgeschaltet sind. Wenn die Cockpitbesatzung sich entscheidet, die Anschnallzeichen einzuschalten, dann ist es auch nicht mehr nur empfohlen, sondern ziemlich klar. Dennoch halten sich oft nicht alle daran. Und das kann schwere Folgen haben.

Etwa, wenn ein Flugzeug in schwere Turbulenzen gerät, wie in der Nacht auf Donnerstag (2. März) gleich auf zwei Flügen geschehen: Auf einem Lufthansa-Flug, der von Austin nach Frankfurt unterwegs war und in Washington außerplanmäßig landen musste. Und auf einem Flug von Condor, der von Frankfurt nach Mauritius ging.

Haarbüschel in der Verkleidung

Der Airbus A330 Neo der Ferienairline sei auf Höhe der Komoren aus einem ruhigen Flug plötzlich abgesackt, berichtet ein Fluggast. Auch er als Vielflieger habe derartige Turbulenzen noch nie erlebt. Die Anschnallzeichen in der Maschine waren laut Condor bei dem Vorfall eingeschaltet. Und auch der Fluggast war angeschnallt, weshalb ihm nichts passiert sei, berichtet er.

«Einige Flugbegleiterinnen und Gäste» seien allerdings nicht angeschnallt gewesen. Und dann wird es bei heftigem Gewackele gefährlich. Das zeigen auch Bilder aus der Kabine, die aeroTELEGRAPH erhalten hat. Zu sehen sind Schäden an der Verkleidung, aber auch Haarbüschel, die in der Deckenverkleidung hängenblieben, nachdem jemand offenbar mit dem Kopf dagegen geschlagen war.

Reisende im Krankenhaus untersucht

«Es gab viele blutende Kopfverletzungen», berichtet ein Insasse. «Dadurch flogen Menschen und Gegenstände an die Kabinendecke. Die Bilder geben nur einen Bruchteil der Schäden wieder. «Beim Aufsetzen des Airbus in Port Louis fielen Lichtleisten aus der Decke und beim Ausrollen waren drei Passagiere damit beschäftigt, die Lichtleiste zu halten», erklärt er weiter.

Condor erklärt, dass mehr als 20 Reisende Verletzungen gemeldet hätten. Dazu zählen Prellungen, aber auch Platzwunden und Kratzer sowie andere Verletzungen. Ein sich an Bord befindender Arzt hatte den Verdacht auf einen Bruch gemeldet. In einem Krankenhaus wurden die Reisenden eingehend untersucht, die Ergebnisse sind aber nicht bekannt.

Ein Team betreut Passagiere und Crew nach dem Vorfall

Die verletzten Besatzungsmitglieder haben laut einer Sprecherin das Krankenhaus wieder verlassen und erholen sich in einem Hotel. Der Rückflug mit dem Airbus A330 Neo mit dem Kennzeichen D-ANRA findet nicht statt. Die Maschine muss vor Ort erst untersucht und dann für den Rückflug freigegeben werden. Wie lange das dauert, ist noch nicht klar.

Condor schickt aber einen Airbus A330-200 nach Mauritius, der am Freitag (3. März) wieder zurück nach Frankfurt fliegen wird. An Bord der Maschine wird sich auch ein sogenanntes «Special Assistance Team» befinden, welches sich um Menschen kümmert, die nach einem solchen Zwischenfall Fragen haben oder Betreuung brauchen.

Anschnallen schützt vor Verletzungen

Aus Sicht des Insassen ist das eine richtige Entscheidung der Airline. Er vermute, ein Teil der Passagiere brauche psychologische Betreuung, berichtet er. «Ich denke, ein Teil der Passagiere hätte dringend psychologische Betreuung gebraucht.» Die erhalten sie nun, um die Rückreise nach dem Urlaub wieder einigermaßen entspannt - und angeschnallt - antreten zu können.

Flugzeuge sind gebaut, um Turbulenzen auszuhalten, doch vor allem unangeschnallte Insassen können sich schwer verletzen. Das ist auch ein Grund, warum rund 80 Prozent der Verletzungen durch Turbulenzen Besatzungsmitglieder betreffen. Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter müssen durch ihren Job immer wieder unangeschnallt durch die Kabine laufen. Gerade, wenn es dann überraschend wackelt, kann es gefährlich werden.

Turbulenzen werden häufiger

Die Wahrscheinlichkeit, dass es künftig häufiger zu solchen Zwischenfällen kommen wird, ist hoch. Denn: Durch den Klimawandel verändern sich die Windverhältnisse, wie Forschende der britischen University of Reading herausgefunden haben. Der Jetstream, der Transatlantikflüge gelegentlich in Rekordzeit an ihr Ziel pustet, entsteht zum Beispiel durch Temperaturunterschiede zwischen den Polen und den Tropen.

Fluggesellschaften sind sich des Problems bewusst. Der Airline-Dachverband Iata etwa hat die Plattform Turbulence Aware gegründet. Airlines, die mitmachen, erhalten Echtzeitinformationen über Turbulenzen, die Crews während ihres Fluges erleben. Besatzungen auf denselben Routen können dann reagieren oder frühzeitig die Anschnallzeichen einstellen.

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