Nun ist auch ein Video aufgetaucht, das die Szene aus Passagiersicht zeigt. Dabei ist zu erkennen, dass die Boeing 787 von Vietnam Airlines die Schwellenmarkierung und die Schwelle am Ende von Startbahn 26L überfährt. Zu sehen ist auch, wie sie über die gelben Winkelmarkierungen rollt, die befestigte Flächen jenseits der nutzbaren Start- und Landebahn kennzeichnen. Danach beginnt es in der Kabine zu ruckeln und es ist ein Knall zu hören. Schließlich hebt der Dreamliner doch noch ab.
Bremsen der Boeing 787 von Vietnam Airlines aktiviert?
Das auf Zwischenfälle spezialisierte Portal Aviation Herald schreibt, die letzten Spuren des Fahrwerks des Dreamliners von Flug VN34 seien in etwa bei den ersten Leuchten der Anflugbefeuerung. Das würde ein Überrollen um rund 120 Meter bedeuten. Ein Abgleich mit dem Video ergibt, dass das ungefähr stimmen könnte. Die Boeing 787 mit dem Kennzeichen VN-A867 hat also die 4000 Meter lange Piste 26 L doch deutlich überrollt.
Wie der Aviation Herald weiter berichtet, zeigen nicht öffentliche Aufnahmen, dass die Bremsen des rechten Hauptfahrwerks rund 210 Meter vor dem Ende der Landebahn aktiviert wurden. Spätestens beim Überrollen des Pistenendes hätten die Räder blockiert und seien über den Untergrund gerutscht. «Die dabei entstandene Spur endet an jener Stelle, an der das Flugzeug wieder vom Boden abhob. Ob auch die Bremsen des linken Hauptfahrwerks aktiviert wurden beziehungsweise dessen Räder blockierten, lässt sich anhand des Videos nicht beurteilen, da die linke Seite der Landebahn nicht ausreichend zu erkennen ist».
Erheblich Schäden an Reifen des Hauptfahrwerks und Rumpf
Als Flug VN34 von Vietnam Airlines sollte die Boeing 787 von München nach Hanoi fliegen. Doch statt Kurs auf Vietnam zu nehmen, kreiste sie nach dem verpatzten Start zunächst über Oberbayern und dem Erdinger Moos. Mehr als anderthalb Stunden lang flog sie dort zahlreiche Schleifen, bevor sie nach München zurückkehrte. Vor der Landung überflog sie zwei Mal die Nordbahn 26R. Dabei wurde das Fahrwerk vom Boden aus kontrolliert.
Das Ende von Piste 26 L in München: Die Boeing 787 rollte wohl bis zur den ersten Leuchten der Anflugbefuerung. Google Maps/aeroTELEGRAPH
Bei der anschließenden Landung entwickelte sich nach Angaben von Beobachtern starker Rauch am Hauptfahrwerk. Die Boeing 787 konnte die Piste danach nicht mehr aus eigener Kraft verlassen. Auf Aufnahmen nach der Landung sind erhebliche Schäden an den Reifen des linken Hauptfahrwerks zu erkennen. Besonders stark betroffen sind die hinteren Reifen: Sie sind teilweise vollständig zerstört. Auch Löcher im Rumpf sind zu sehen.
Boeing 787 wurde am Flughafen München in Hangar geschleppt
Vietnam Airlines zufolge reagierte die Crew auf die technischen Probleme gemäß den vorgeschriebenen Verfahren und brachte die Boeing 787 sicher nach München. Verletzt wurde niemand. Nach der Landung verließen alle Passagiere und Besatzungsmitglieder das Flugzeug und wurden ins Terminal gebracht.
Noch in der Nacht wurde der beschädigte Dreamliner in einen Hangar geschleppt. Einsatzkräfte entfernten Reifenteile von der Piste und beseitigten Schäden an deren Oberfläche. Nach Abschluss der Arbeiten konnte auch die Nordbahn wieder für Starts und Landungen freigegeben werden.
. aeroTELEGRAPH