Eigentlich dachte Ho Khanh Thanh zunächst an eine Panikattacke. Eine junge Passagierin auf dem Flug von Kopenhagen nach Ho Chi Minh City wirkte aufgeregt und hatte Beschwerden. Der Arzt meldete sich, als die Crew von Vietnam Airlines über die Ansage um medizinische Hilfe bat. Doch als er die Mitreisende untersuchte, war schnell klar: Die Frau war in der 30. Schwangerschaftswoche. Und ihr Kind wollte nicht bis zur Landung warten.
Die Fruchtblase war bereits geplatzt, der Kopf des Babys zu ertasten. Viel Zeit blieb nicht. Zum Glück war Thanh nicht der einzige Mediziner an Bord von Flug VN38 von Vietnam Airlines vom 5. September, wie er gegenüber dem Portal Vietnam News berichtet. Vier Ärzte und eine Pflegekraft befanden sich zufällig in der Boeing 787-9. Keiner der Ärzte war spezialisiert auf Geburtshilfe, gemeinsam übernahmen sie dennoch die Versorgung der Frau.
Boeing 787 landete mit Frühgeborenem in Myanmar
Nur sechs bis sieben Minuten später war das Baby da. Es wog lediglich 1,3 Kilogramm, weil es so viel zu früh auf die Welt gekommen war. Weil an Bord naturgemäß nicht dieselbe medizinische Ausrüstung wie in einem Krankenhaus zur Verfügung stand, musste das Team improvisieren. Um das Frühgeborene warmzuhalten, schnitten die Helfer das Oberteil der Mutter auf und legten das Kind direkt auf ihre Brust. Zum Abbinden der Nabelschnur verwendeten sie Bänder von noch steril verpackten Masken.
Bis Ho Chi Minh City wären es zu diesem Zeitpunkt noch mehr als zwei Stunden Flugzeit gewesen. Bangkok lag ebenfalls noch rund eine Stunde und 20 Minuten entfernt, Yangon dagegen nur etwa 20 Minuten. Nachdem die Landeerlaubnis vorlag, entschied sich die Crew also für die Hauptstadt von Myanmar. Dort wurden Mutter und Kind in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben von Vietnam Airlines waren beide wohlauf. Die Boeing 787-9 wurde betankt und setzte mit den übrigen Reisenden ihren Flug nach Vietnam fort.