Airbus A380 von Etihad: Air France will mit der Golfairline zusammenarbeiten.

Mehr KooperationenPlötzlich sind Golfairlines nicht mehr der Feind

Noch vor einigen Jahren waren die Golfanbieter die erklärten Todfeinde der westlichen Airlines. Doch inzwischen hat der Wind sich gedreht.

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Noch vor ein paar Jahren wäre es undenkbar gewesen. Die Golfanbieter seien tödlich für die hiesigen Anbieter, befand Ex-Geschäftsführer Jean-Cyril Spinetta noch vor ein paar Jahren. Es sei unfair, dass sie größtenteils von ihren Regierungen unterstützt würden und dagegen müsse man etwas unternehmen. Doch sein Nachfolger an der Spitze von Air France, Alexandre de Juniac, sieht das offenbar anders.

Air France und Etihad denken darüber nach, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Das Ziel: Kosten und Einnahmen auf gewissen Strecken zu teilen. Schon 2012 hatte die französische Zeitung Le Figaro über die Pläne berichtet, jetzt bestätigte de Juniac entsprechende Überlegungen in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er will laut eigenen Aussagen so neue Flugziele erschließen.

Auch Air Berlin und Alitalia im Boot

Weitere Details über eine mögliche Kooperation gibt es offiziell nicht. Doch stimmen die früheren Informationen von Le Figaro, dann ist das Ziel des Joint Venture eine Art «Luftkorridor» zwischen Europa und dem Nahen Osten. Dieser soll hauptsächlich als Drehkreuz für Anschlüsse nach Asien gelten. Kommt er zustande, so setzt die neue Partnerschaft die Konkurrenz sowohl aus der Golfregion aber auch aus Europa massiv unter Druck. Helfen sollen dabei auch die Etihad-Beteiligungen Air Berlin und Alitalia. Eine solche Kooperation könnte zu einer Bedrohung für andere europäische Anbieter werden.

Kooperationen mit Golfanbietern sind inzwischen in Europa endgültig kein Tabu mehr. Zuletzt rückten etwa British Airways und Iberia näher an Qatar Airways, als die Fluggesellschaft sich still und heimlich rund 10 Prozent der Anteile am Mutterkonzern International Airlines Group (IAG) zusammenkaufte. «IAG stellt eine erstklassige Möglichkeit dar, um unsere Strategie gegen Westen weiter zu entwickeln», erklärte Vorstandsvorsitzender Akbar Al Baker im vergangenen Jahr. Inzwischen will Qatar den Anteil sogar aufstocken.

Qatar buhlt um KLM

Auch um KLM buhlt Qatar-Chef Akbar Al Baker. Er schlug kürzlich eine Kooperation mit KLM vor. Auf der Strecke zwischen Amsterdam und Doha habe es genug Nachfrage für zwei Anbieter. «Es hat Raum für uns beide», so Al Baker. Der Bedarf nach Umsteigeverbindungen in die USA und nach Indien sei groß genug. Überzeugen konnte er die Airline offenbar nicht. Das Rennen scheint nun Qatars Konkurrentin Etihad zu machen.

Die dritte und größte Golfairline im Bunde ist in Europa noch nicht so gut vernetzt – dafür anderswo. Für Lateinamerika-Ziele etwa spannt Emirates mit Copa zusammen. Die Fluggesellschaft aus Panama soll das neue Langstreckenziel Panama City zum Amerikadrehkreuz der Fluggesellschaft aus Dubai machen. Die Pläne liegen jedoch vorerst auf Eis, weil Bewilligungen fehlen.. In Asien arbeitet Emirates mit Malaysia Airlines zusammen. Malaysia hat ihr Europageschäft aufgegeben und bietet die Ziele nun nur noch im Codeshare mit Emirates an. Auch Qantas aus Australien arbeitet mit Emirates zusammen.

Lufthansa bleibt hart

All diese Bündnisse setzen diejenigen unter Druck, die sich noch gegen die Golf-Konkurrenten wehren, denn: Es wird immer schwieriger, mit einem eigenen Netz gegen die neuen Kooperationen zu bestehen. Die Prominenteste verbleibende Golffeindin in Europa ist wohl Lufthansa. Die deutsche Fluggesellschaft besitzt dafür eigene Töchter und unterhält mit anderen Fluggesellschaften Kooperationen – etwa mit Singapore-Airlines für Asien-Verbindungen.

Auch die großen US-Airlines bekennen sich weiterhin zum Golfairline-Hass. Zwischen Delta, United und American und den drei großen arabischen Anbietern herrscht seit Langem ein erbitterter Krieg, den die Chefs auch immer wieder in den Medien eskalieren lassen. Die US-Airlines bearbeiten die amerikanische Regierung seit Monaten, damit sie den Golfairlines keine weiteren Zugeständnisse in Form von Streckenrechten macht. Sie argumentieren mit staatlichen Beihilfen, welche Etihad, Emirates und Qatar erhielten.

Qatar drohte American

Die arabischen Fluglinien schlugen mehrfach zurück und lieferten ebenfalls Zahlen zu Subventionen amerikanischer Airlines. Eskalieren ließ es kürzlich der für seine scharfe Zunge bekannte Qatar-Chef Akbar Al Baker und drohte mit der Spaltung der Allianz Oneworld, zu der American Airlines gehört. Man könnte ohne weiteres eine eigene kleine Mini-Allianz gründen, so der Manager. Wenn es mit den Kooperationen weitergeht wie bisher, wird das allerdings gar nicht mehr nötig sein.

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