A320 von Go Air: Ein Sicherheitssystem sprang nach dem Pilotenfehler an.

Go-Air-FlugPiloten schalteten falsches Triebwerk aus

Schwerer Fehler von zwei Go-Air-Piloten in Indien: Nach einer Kollision ihres Airbus A320 mit einem Vogel schalteten sie das falsche Triebwerk ab.

Top-Jobs

Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung
Etihad Job

First Officer A320

Abu Dhabi
Feste Anstellung
Etihad Airways
United Arab Emirates
Vollzeit
Top jobs
ticker-dfs-deutsche-flugsicherung

Fluglotse (w/m/d)

Deutsche Flugsicherung DFS
Studium
Langen b. Frankfurt
Top jobs
Deutschland
.

Event Manager (m/f, 100%)

Vollzeit
IRF Reputation AG
Basel
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Luftfahrt

Den Ausfall eines Triebwerks während des Starts üben Piloten in ihrer Ausbildung unzählige Male. Auch nach dem Erhalt ihrer Fluglizenz müssen sie regelmäßig unter Beweis stellen, dass sie dabei stets alles unter Kontrolle haben und das Flugzeug wieder sicher zu Boden bringen können. In Indien wurde im vorletzten Jahr genau dieses Szenario für die Piloten eines Airbus A320 zur unangenehmen Realität. Nachdem beim Start ein Triebwerk beschädigt wurde, schalteten die Piloten in der Luft versehentlich das falsche Triebwerk ab. In geringer Höhe flog der Jet für kurze Zeit beinahe ohne Schub, bevor er unbeschadet wieder landete. Der Abschlussbericht der indischen Untersuchungsbehörde Direktorate General of Civil Aviation DGCA zeigt nun die gravierenden Fehler der Crew.

Go-Air-Flug 338 wurde bereits vor dem Abheben zum Problemfall. Der Airbus A320 des indischen Low-Cost-Carriers sollte am 21. Juni 2017 von Delhi zu einem Inlandsflug nach Mumbai aufbrechen. Als das Flugzeug mit 158 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern am frühen Morgen zum Start ansetzte und auf der Startbahn beschleunigte, geriet ein Vogel in das rechte Triebwerk des Airbus. Für die Piloten machte sich dies schnell bemerkbar. Der beschädigte Antrieb fing umgehend an zu vibrieren und ungewöhnliche Geräusche von sich zu geben, lieferte aber immer noch Schub.

Anzeigen verwechselt

Zu diesem Zeitpunkt war der Airbus bereits 213 Kilometer pro Stunde schnell, aber immer noch innerhalb des zuvor berechneten Geschwindigkeitslimits für einen Startabbruch. Aufzeichnungen des Stimmenrekorders geben wieder, dass der Erste Offizier noch das Einleiten des Bremsmanövers auf der ungefähr 2800 Meter langen Start- und Landebahn vorschlug. Da laut Handbuch das gefährliche Abbremsen bei hohen Geschwindigkeiten nur bei schwerwiegenden Gefahrenlagen wie Feuermeldungen oder plötzlichem Schubverlust eingeleitet werden soll, entschloss sich der Kapitän jedoch dafür, den Start fortzusetzen, um sich in der Luft um das abnormale Verhalten des Triebwerks zu kümmern.

Wenige Sekunden nach dem Abheben bemerkten die Piloten auch die Warnmeldungen des Bordsystems, welche starke Vibrationen im rechten Triebwerk anzeigten. Umgehend entschied sich der Kapitän, dieses abzustellen und für eine Sicherheitslandung zum Flughafen Delhi zurückzukehren. Daraufhin machten sie schwere Fehler. Der erste Offizier verwechselte auf den Anzeigen des Cockpits beide Antriebe. Versehentlich berichtete er seinem Kollegen, dass das Triebwerk auf der linken Seite für die Probleme verantwortlich sei. Der Kapitän übernahm diese Angabe ungeprüft und stellte das unbeschädigte Triebwerk ab.

Erste Landung läuft schief

Zwei Minuten lang blieb der Fehler unbemerkt. Mit der Startleistung des immer noch stark vibrierenden rechten Triebwerks ließen sie den Airbus auf ungefähr 1000 Meter Höhe steigen, ehe sie die Verwechslung bemerkten. Schnell begannen sie, den unversehrten Antrieb wieder hochzufahren und nahmen beim eigentlichen Problem-Triebwerk den Schub raus. Dabei verlor das Flugzeug dramatisch an Bewegungsenergie. Auswertungen des Flugschreibers belegen, dass der Jet bis zum Anspringen des funktionierenden Triebwerks ungefähr 200 Meter Höhe verlor. Um nicht noch langsamer zu werden und weiter an Höhe zu verlieren, aktivierte sich ein Sicherheitssystem des Airbus A320 und begann automatisch, mit dem beschädigten Triebwerk wieder mehr Schub zu geben.

Der erste Landeversuch lief dann schief. Da sich der Airbus zu hoch im Anflug befand, musste die Besatzung durchstarten, ehe der zweite Versuch schließlich nach 45 Minuten Flugzeit gelang. Während des Vorfalls herrschten im Luftraum um Delhi schwere Turbulenzen. Da sich der Autopilot aufgrund der schweren Bedingungen immer wieder abschaltete, musste der Kapitän während des Fluges zum Großteil per Hand fliegen.

Scharf Kritik von Behörde

Die indische Untersuchungsbehörde kritisiert das Verhalten der Piloten scharf und spricht in ihrem Abschlussbericht von einem schwachen Umgang der Crew mit den vorgeschriebenen Verhaltensweisen. Zwar befürwortet sie die Entscheidung, den Start fortzusetzen. Das weitere Handhaben der Situation bemängelt sie jedoch. So hätten beide Piloten zu keiner Zeit ausreichendes Situationsbewusstsein gehabt. Auch die Zusammenarbeit und die Nichteinhaltung wichtiger Checklisten sollen laut den Ermittlern Gründe für die schwerwiegende Verwechslung sein.

Mehr zum Thema

A320 von Go Air: Die Fluglinie bekommt noch mehr als 120 weitere Flieger von Airbus.

Neuer Chef von Go Air schießt gegen Airbus und Pratt

Flieger von Go Air: Bald Richtung Male und Co.?

Triebwerksprobleme bremsen Go Air

Zwei Piloten im Cockpit: Powernaps sind in Europa unter Auflagen erlaubt. In den USA nicht.

Pilotinnen und Piloten dürfen in Europa bis zu 30 Minuten schlafen – woher kommt die Zahl?

Thomas Forster: «Das Hauptargument für City Airlines ist die Perspektive».

«Wir werden von Anfang an erfahrene Pilotinnen und Piloten auf dem Airbus A220 haben»

Video

Flughafen Gander am 11. September 2001: 38 Großraumflugzeuge strandeten an dem kanadischen Airport.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sperrten die USA ihren Luftraum. Fast 240 Flugzeuge auf dem Weg ins Land konnten nicht mehr umkehren. Kanada nahm sie auf – und musste innerhalb weniger Stunden Zehntausende gestrandete Reisende unterbringen und versorgen.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
regent viceroy first flight
Der amerikanische Hersteller Regent will seine Seegleiter in Küstenregionen in aller Welt liefern. Jetzt hat das Bodeneffektfahrzeug Viceroy erstmals einen bemannten Flug absolviert. Und die Zulassung verläuft anders als bei einem Flugzeug.
Timo Nowack
Timo Nowack
eurowings training center dus
Eurowings und Lufthansa Aviation Training haben ein Ausbildungszentrum eröffnet: In Düsseldorf üben Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter künftig, wie sie eine verrauchte Kabine evakuieren, einen bewusstlosen Piloten retten und eine Axt benutzen. aeroTELEGRAPH erhielt einen ersten Einblick ins neue Crew Training Center und sprach mit den Trainerinnen und Trainern.
Timo Nowack
Timo Nowack