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Gemeinschaftsunternehmen

Lufthansa setzt in Frankfurt auf Münchner Modell

Lufthansa und der Flughafen München betreiben gemeinsam Terminal 2. Nun will die Fluglinie auch in Frankfurt ein Joint Venture gründen - und das in einer kritischen Phase.

Fraport

Lufthansa-Flieger in Frankfurt: Ein Joint Venture ist geplant.

Lufthansa und der Flughafen Frankfurt – das war in den vergangenen Jahren wahrlich keine Liebesbeziehung. Deutschlands größte Fluglinie warf Deutschlands größtem Flughafen wiederholt zu hohe Gebühren für zu wenig Qualität vor. So schwächte Lufthansa Frankfurt zugunsten von München. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass alle verbleibenden Airbus A380 nach der Corona-Krise in Bayerns Hauptstadt stationiert werden.

Doch nun nehmen Lufthansa und der Frankfurter Flughafenbetreiber einen neuen Anlauf für eine bessere Zusammenarbeit. So erklärte Fraport-Chef Stefan Schulte am Dienstag (26. Mai) bei der Hauptversammlung des Konzerns mit Blick auf die Airline: «Wir haben vereinbart, in Frankfurt noch stärker zusammenzuarbeiten.» In den kommenden Wochen werde man ein Gemeinschaftsunternehmen zur Weiterentwicklung des Flughafens gründen. Es gehe um die Stärkung des Drehkreuzes und die Entwicklung der Infrastruktur.

Erste Boeing 777-9 sollen nach Frankfurt

Mit einem Joint Venture setzt Lufthansa in Frankfurt nun auf das gleiche Modell wie bereits seit Jahren in München. Dort betreiben Lufthansa und Flughafen schon seit 2003 gemeinsam das Terminal 2. Auch den geplanten Ausbau des Terminals kündigten die Partner im Dezember 2019 gemeinsam an. Der Airport spricht von einem in «Europa einzigartigen Joint Venture», doch das wird sich durch den Plan in Frankfurt wohl ändern.

Tatsächlich hat Lufthansa trotz aller Differenzen in den vergangenen Jahren auch Entscheidungen zugunsten von Frankfurt getroffen. So verlegte sie ihre Ferienflüge mit der Tochter Eurowings im großen Stil von Düsseldorf nach Hessen, während sie auch die Schließung der Eurowings-Basis München ankündigte. Zudem will Lufthansa selber ihre ersten Exemplare des neuen Langstreckenmodells Boeing 777-9 nach Frankfurt stellen.

Fraport springt Lufthansa bei Slots bei

Die Ankündigung des Gemeinschaftsunternehmens kommt genau in dem Moment, in dem die EU-Kommission von Lufthansa aufgrund der gewährten Staatshilfe die Abgabe von Slots in Frankfurt und München verlangen könnte. Fraport-Chef Stefan Schulte erklärte bei der Hauptversammlung entsprechend: «Wir sind eindeutig dafür, dass die Lufthansa ihre Slots behalten kann.» Es sei wichtig, dass der Hauptkunde von Fraport seinen Marktanteil in Frankfurt halten und gerne auch ausbauen könne. Ein Eingreifen der EU wäre ein falsches Zeichen für den Flughafen, der trotz der aktuellen Krise an seinen Ausbauplänen festhalte.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Betreiber erklärt, den Bau von Terminals 3 in Frankfurt fortzusetzen. Dafür gebe es zwei Hauptgründe, sagte Fraport-Chef Schulte. Zum einen: «Wir sind davon überzeugt, dass der Flugverkehr langfristig wieder wachsen wird.» Zum anderen wäre es «aus technischer und wirtschaftlicher Sicht grob fahrlässig, ein solches Großprojekt vorübergehend auf Eis zu legen» und später bei enormen Mehrkosten und technischen und strukturellen Risiken wieder hochzufahren. Geplant ist die Eröffnung für 2022.



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