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Interview mit Oscar Schwenk, Pilatus

«Wesentliche Verbesserung des PC-12 im Oktober»

Pilatus-Präsident Oscar Schwenk spricht über neue Orders für den PC-24, macht eine Kampfansage an Textron und äußert sich zum Vertrauen in die Boeing 737 Max.

Pilatus Aircraft

Pilatus-Präsident Oscar Schwenk: Kündigt für Oktober eine Antwort auf die Textron Denali an.

Sie haben vor Kurzem das Orderbuch für den PC-24 wieder geöffnet. Beim letzten Mal hatten Sie es schon nach drei Tagen wieder geschlossen. Wann ist es dieses Mal soweit?
Oscar Schwenk*: Wenn wir genügend Bestellungen haben. Wir nehmen rund 80 an. Die sind zur Auslieferung zwischen 2020 und Mitte 2021 vorgesehen.

Wie weit sind Sie schon?
Etwa in der Mitte. Es läuft gut.

Und wie viele PC-24 haben Sie insgesamt bereits ausgeliefert?
Etwa 30.

Was haben Sie seit Erstauslieferung am PC-24 verbessert, und was muss noch besser werden?
Wir haben den Steep Approach nachgeholt. Das ist etwa am London City Airport ein Thema. Ohne die Fähigkeit steiler Anflüge geht es da nicht. Wir haben auch das Startgewicht erhöht. Und zurzeit arbeiten daran, immer mehr Optionen anzubieten, etwa eine Variante mit dem WC hinten in der Kabine.

Ein Spezialfrachtflugzeug, möglichst schnell.

Nach rund anderthalb Jahren: Wie gefällt es Ihnen, Düsenjets zu verkaufen? Ist das anders als mit Turboprops?
Es ist ein anderer Markt, es sind andere Leute. Aber trotzdem: Heute Morgen war unser Händler aus Westamerika hier. Er hat fürs übernächste Jahr bereits fünf PC-24 verkauft. Drei der fünf Kunden haben schon PC-12 und werden diese auch behalten.

Ist der PC-24 also nur das erste Jet-Modell aus dem Hause Pilatus? Gibt es schon Pläne für ein neues Flugzeug?
Sicher denken wir darüber nach, wie die Zukunft aussieht und was wir bauen werden. Aber was das genau sein wird, kann ich unmöglich sagen. Wir sind ein Nischen-Anbieter und werden wieder eine Nische besetzen, in der wir die Besten sein können. Aber die ist schwierig zu finden. Und einen Jet baut man nicht so schnell, wie man ein Hemd wechselt. Wir haben elfeinhalb Jahre an diesem Flugzeug gebaut.

Sie haben schon mal mit dem Gedanken an einen Spezialfrachtflieger gespielt.
Ja, das ist absolut eine Möglichkeit. Ein Spezialfrachtflugzeug, möglichst schnell, mit viel Volumen für spezielle Güter, etwa Impfstoffe oder Medikamente, die schnell an einem Ort sein müssen, oder auch für Organtransporte.

Wir schulden Textron eine Antwort.

Zuerst wollen sie aber noch den PC-12 verbessern, auch als Reaktion auf die Cessna Denali von Textron. Was ist genau geplant?
Wir haben den PC-12 laufend aktualisiert. Aber es stimmt: Wir schulden Textron, die eine Kopie des PC-12 bauen, eine Antwort. Wir werden diese Antwort haben.

Und wie wird sie aussehen?
Es wird eine wesentliche Verbesserung des Pilatus PC-12 sein. Details werden wir voraussichtlich bei der Messe NBAA im Oktober in Las Vegas vorstellen.

Glauben Sie, der Vertrauensverlust den wir zurzeit rund um die Boeing 737 Max erleben, schadet der Luftfahrtbranche als Ganzes?
Boeing ist ein unglaublich guter Flugzeughersteller. Aber es ist schwierig, Vertrauen aufzubauen nach einem Unglück. Wir hatten ja vor Jahren selber einen gravierenden Absturz mit einem Prototypen des PC-21. Das war schwierig. Aber das waren ganz andere Kunden. Bei einer Luftwaffe sind technische Leute, denen kann man das erklären, die können das analysieren und dann zu den Akten legen. Und wer einen Businessjet kauft, hat eine Crew oder einen eigenen Piloten, die sich um die technischen Details kümmern. Auch die Passagiere bei den Airlines wollen nach einem Unfall das Ganze einordnen können. Sie wollen das Gefühl haben: Aha, das ist wegen dem, das kann der Hersteller ändern oder reparieren. Aber wenn sie Ursache nicht bekannt ist, wird das schwierig. Und da in Flugzeugen immer mehr Software drin steckt ist, wird es umso schwieriger.

*Oscar J. Schwenk (75) ist Verwaltungsratspräsident von Pilatus Aircraft mit Sitz in Stans im Schweizer Kanton Nidwalden. Zuvor war der Ingenieur viele Jahre Vorsitzender der Geschäftsleitung des Flugzeugbauers. Schwenk ist außerdem Landwirt und Eigentümer einer Mineralwassermarke.



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