Sun-Express-Chef Jens Bischof: Hat Spaß an Schlümpfen.

Sun Express«Hätte gerne noch mehr Kapazität draufgelegt»

Sun Express ist mit dem Türkei-Geschäft zufrieden und will es gemäß Chef Jens Bischof weiter ausbauen. Während sie auf ihre Boeing 737 Max wartet, least die Fluglinie Airbus A320.

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Der deutsch-türkische Ferienflieger Sun Express hat trotz der angespannten politischen Lage zwischen den beiden Ländern im vergangenen Jahr gute Geschäfte gemacht. Die Fluglinie beförderte 8,8 Millionen Passagiere und damit rund 10 Prozent mehr als im «Krisenjahr 2016», wie Sun-Express-Chef Jens Bischof am Freitag (16. Januar) in Frankfurt sagte. Der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 1,15 Milliarden Euro. Bischof bestätigte auch, dass die Airline Gewinn gemacht hat, nannte aber keine Zahlen.

Zwar habe es bei Flügen aus dem deutschsprachigen Raum in die Türkei in der Branche eine «Nachfragedelle» gegeben, sagte der Airline-Chef. «Aber wir waren die Einzigen, die gegen den Markttrend gewettet haben, während alle anderen die Kapazitäten zurückgefahren haben», so Bischof. Sun Express erhöhte die Sitzplatzkapazitäten um 20 Prozent. Dabei hätten sich viele Reisende spontan entschieden und es habe Momente gegeben, in denen 80 Prozent der Passagiere erst in dem Monat gebucht hätten, in dem sie auch geflogen seien.

Air Berlin mit wenig Einfluss

Im Gespräch mit aeroTELEGRAPH sagte Bischof, dass er in dieser Zeit gerne noch flexibler gewesen wäre. «Hätte ich 2017 während der Saison gerne noch mehr Kapazität draufgelegt? Ja, hätte ich gerne gemacht», so der Sun-Express-Boss. Manchmal dauerten ihm solche Entscheidungsprozesse noch eine oder zwei Wochen zu lang.

Wenig Einfluss auf das Geschäft des Joint Ventures von Lufthansa und Turkish Airlines hatte laut Bischof das Ende von Air Berlin, «da die geografische Aufteilung sehr unterschiedlich war». So habe man lediglich einen Shuttleservice von Berlin nach Abu Dhabi für das Kreuzfahrtunternehmen Aida von Air Berlin übernommen.

Noch mehr Türkei 2018

Für 2018 plant die Airline, die Sitzplatzkapazitäten aus den deutschsprachigen Ländern in die Türkei erneut um 20 Prozent zu erhöhen. Auch nach Bulgarien will die Fluggesellschaft 16 Prozent mehr Sitze anbieten und nach Griechenland sogar 50 Prozent mehr. Auf den Kanaren ist dagegen ein Rückgang geplant. «Dort konzentrieren wir uns künftig auf Fuerteventura», sagte Bischof. Auch Ägypten soll weniger bedient werden.

Für den Sommer 2018 sind 29 neue Routen angekündigt, darunter drei Mal pro Woche von Berlin-Schönefeld nach Antalya. Im sogenannten «Visit Friends and Family»-Verkehr, der bei Sun Express rund 50 Prozent des Umsatzes ausmacht, kommen neue Verbindungen hinzu wie die von Hamburg und Münster/Osnabrück nach Kayseri, von München nach Samsun-Çarşamba, von Hannover nach Elazığ und von Düsseldorf nach Konya. Strecken zwischen der Türkei und Moskau, Teheran sowie Beirut will die Airline ebenfalls mit weiteren Kapazitäten stärken. Die Hauptstadt Ankara soll mit London, Paris, Amsterdam, Zürich und Köln verbunden werden. London wird zudem weitere Türkei-Routen erhalten.

Boeing 737 Max ab 2019

Um den Ausbau zu stemmen, erhält Sun Express für den Sommer von der litauischen Charterfluggesellschaft Avion Express fünf Airbus A320. Bei einem der Flugzeuge stellt der Leasinggeber die gesamte Besatzung, bei den anderen vier nur die Cockpit Crew.

Eigene neue Jets soll die Fluggesellschaft wieder ab 2019 bekommen. Im Jahr 2014 hatte sie 25 Boeing 737-800 und 25 Boeing 737 Max 8 geordert. 18 der 737-800 sind angekommen, die verbliebenen sieben wurden umgewandelt in 737-Max-Bestellungen. Die noch ausstehenden 32 Maschinen sollen nun zwischen 2019 und 2024 eintreffen. Zu den zehn Optionen gibt es noch keine Entscheidung. Ob die neuen Flieger alte ersetzen oder die Flotte ergänzen werden, hängt laut Bischof von der Marktentwicklung ab.

Keine Angst vor Brussels Airlines

22 Flugzeuge betreibt Sun Express im Wet Lease für Anadolujet, eines für Atlas Global. Für Eurowings fliegt die deutsch-türkische Airline ebenfalls über eine Wet-Lease-Vereinbarung sieben Airbus A330. Dass Lufthansas Billigtochter neuerdings bei der Steuerung des Langstreckenbetriebs auf Brussels Airlines setzt, beunruhigt Bischof laut eigenen Worten nicht. Er können das gut nachvollziehen und es bedeute nicht, «dass wir aufhören für Eurowings zu fliegen», so der Sun-Express-Chef. Die Zusammenarbeit sei extrem stabil und zuverlässig, beide Parteien seien sehr zufrieden und es gäbe langfristige Verträge.

Die Airline, die ein Luftverkehrsbetreiberzeugnis in Deutschland und eines in der Türkei hat, fliegt hierzulande nur noch 17 Flughäfen an.  Karlsruhe / Baden-Baden, Bremen, Memmingen, Dortmund, Erfurt, Dresden und Friedrichshafen fielen aus dem Streckennetz.

Zuwachs für die Schlümpfe

Nachdem Sun Express durch großflächige Aufkleber schon Flugzeuge mit den Zeichentrickfiguren der Schlümpfe und der Minions verziert hat, will die Fluggesellschaft 2018 auch in diese Richtung nachlegen.  «Wir sind ein Familienflieger und Kinder sind begeistert von so etwas, und sie begeistern wiederum ihre Eltern», sagte Bischof. Daher gebe es über neue Designs schon Gespräche. «Mein Marketingsteam arbeitet daran, aber einen Hinweis kann ich leider noch nicht geben», so der Airlinechef.

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