Computersystem: Es «gibt Hacker, die gerne auf Lücken hinweisen.»

Angriffe auf Lot und United«Hackerangriffe sind nicht beunruhigend»

Hackerangriffe wie der auf die polnische Lot erregen Aufsehen. Doch so gefährlich wie sie klingen, seien sie nicht, sagt Luftfahrt-Experte Christoph Regli.

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Vergangenen Sonntag attackierten Hacker Lot. Sie griffen das System an, das die Abflüge der polnischen Nationalairline am Warschauer Flughafen Fréderic Chopin koordiniert. Daher konnten diverse Flugzeuge nicht mehr starten. «Wir verwenden neueste Systeme», erklärte ein Sprecher. Das Vorkommnis könne daher eine potenziell Bedrohung für andere in der Branche sein.

Anfang Monat passierte etwas sehr ähnliches in den USA. Damals legte ein Computerproblem United Airlines lahm. Auch da wurden Hacker als Auslöser der Panne vermutet. Ist die Luftfahrt nun allgemein gefährdet? aeroTELEGRAPH sprach mit Christoph Regli, Leiter des Studiengangs Aviatik an der School of Engineering der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Winterthur.

Beunruhigen Sie die jüngsten Fälle von Hackerangriffen bei Lot und United?

Nein. Jedes Informatiksystem hat Schwächen, auch in der Luftfahrt. Dafür aber wurden Kontrollmechanismen eingeführt. Ein einzelnes Problem kann nie zu einem fatalen Fehler führen. Es gibt immer eine zweite Instanz, die auch noch einmal darüber schaut.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem Fall Lot und dem von United?

Das lässt sich von außen kaum sagen. Wichtig ist nun einfach, dass man beide Fälle genau analysiert und die Schwachstellen eruiert und ausmerzt.

Offenbar wurden beide Male die Flugpläne verändert, welche die Piloten für ihren Flug auf den Weg mitbekommen.

Es sieht so aus. Aber auch das beunruhigt mich nicht. Jeder Pilot erhält den Flight Plan einmal direkt ausgedruckt ausgehändigt oder per E-Mail zugeschickt. Gleichzeitig wird dieser elektronisch direkt ins Cockpit geschickt. Beide Piloten müssen vor dem Start die beiden Flugpläne miteinander vergleichen. Da fällt schnell auf, wenn etwas nicht stimmt.

Aber immerhin schafften es Hacker offenbar, falsche Flugpläne in die Cockpits zu schicken. Offenbar soll dieses System zu wenig geschützt sein. Das ist doch beunruhigend.

Wie gesagt: Das fliegt schnell auf. Zudem können sie mit einem abgeänderten Flugplan nicht die Kontrolle über ein Flugzeug übernehmen. Sie können höchsten etwas Verwirrung stiften und Verspätung auslösen. Es ist nicht gut, aber auch kein Grund zur Sorge.

Wie anfällig ist denn die Luftfahrt auf Hackerangriffe?

Einerseits lassen sich in der Luftfahrt schnell medienwirksame Ereignisse provozieren. Sie ist ein fragiles System. Schon kleine Fehler können gravierende Folgen haben. Andererseits aber ist Fliegen in den letzten Jahren immer sicherer geworden. Das liegt daran, dass man genau im Bereich Systeme viel unternommen hat. Die Kontrollmechanismen wurden verstärkt. Auch das Bewusstsein, dass man aus Fehlern lernen kann und dadurch besser wird ist heute sehr hoch. Die Aviatik hat hier immense Fortschritte gemacht.

Was erhoffen sich den Hacker von solchen Angriffen?

Die Motive sind unterschiedlich. Da gibt es die, die es einfach schaffen wollen um so Status in der Szene zu gewinnen. Da gibt es die, die gerne auf Lücken hinweisen. Und da gibt es die, die böse Absichten haben. Was hier der Anlass war, wissen wir nicht. Es sieht aber nicht so aus als ob es irgendwelche Forderungen gegeben hat.

Was muss man jetzt tun?

Die Fälle analysieren, alles hinterfragen und Lehren daraus ziehen um die Systeme sicherer zu machen.

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