Luftaufnahme Flughafen Wyk: Der Flugplatz soll erhalten werden.

Streit um FöhrFlugplatzsterben in Deutschland: Wenn Wohnmobilparks oder Photovoltaikanlagen zur Gefahr werden

Solarparks, Gewerbegebiete, Wohnmobilstellplätze: Bundesweit weichen Verkehrs- und Sonderlandeplätze zunehmend anderen Nutzungen, oft auf Initiative der eigenen kommunalen Eigentümer. Ein Überblick über die Lage in betroffenen Regionen.

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Spätestens seit dem 20. August gibt es berechtigte Hoffnung für die Allgemeine Luftfahrt am Flugplatz Wyk auf Föhr: Der seit Jahren defizitäre Platz könnte doch eine Zukunft haben. Am vergangenen Donnerstag stellten im Kurgartensaal des Wyker Veranstaltungszentrums drei lokale Investoren, die bereits die Wyker Aviation GmbH gegründet haben, ihre Pläne für den 1926 gegründeten Flugplatz vor, schreibt die Zeitung SHZ.

Die Investoren wollen vier bis fünf Millionen Euro in die Ertüchtigung des Platzes stecken. Die beiden Graspisten sollen befestigt werden, um ihn wieder für größere, gewerbliche Flugzeuge nutzbar zu machen. Auch die Gebäude sollen saniert werden. In den kommenden drei Jahren wollen die Investoren die Initiative umsetzen.

Hangars alt, Tankstelle weg

Die Gegenwart ist eher trist. Die beiden Hangars und der Tower sind in schlechtem Zustand. Die Tankstelle ist seit Jahren geschlossen, auch die Gastronomie gibt es nicht mehr. Vor fünf Jahren hat die Gesellschaft Westküstenflug ihre Rund- und Taxiflüge eingestellt. Aktuell betreibt den Platz die Wyker Flugplatz-Betreibergesellschaft mbH, an der die Stadt Wyk mit 50,4 Prozent und die Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH mit 49,6 Prozent beteiligt sind.

Visualisierung des ertüchtigen Flugplatzes Wyk.

Diese planen seit langem, statt den Flugplatz weiter mit jährlich rund 50.000 Euro zu bezuschussen, neue Einnahmequellen zu erschließen. Dazu sollte der Platz bereits mehrfach zum Sonderlandeplatz herabgestuft werden, was ihn von der Betriebspflicht befreit hätte und so Personal- sowie Vorhaltekosten sparen würde. Im nächsten Schritt will mann dann Tower und Hangars abreißen, um Platz für 75 bis 100 Wohnmobilstellplätze, Tiny Houses und eine Photovoltaikanlage zu schaffen.

Größter Solarpark auf ehemaligem Flugplatz

Die Pläne der Wyker Flugplatz-Betreibergesellschaft mbH sind kein Einzelfall, sondern ein Paradebeispiel für das, was die Allgemeine Luftfahrt in Deutschland seit Jahren unter Druck setzt. Kommunale oder gemischtwirtschaftliche Eigentümer sehen im eigenen Flugplatz vor allem Kosten. Sobald sich eine wirtschaftlich attraktivere Nutzung anbietet, wird der Flugbetrieb zumindest infrage gestellt. Während es früher vielfach um Lärmschutz und Wohnbebauung ging, ist heute vor allem die Photovoltaik zum größten Konkurrenten für Kleinflugzeuge geworden, wie gerade Beispiele aus Brandenburg zeigen.

Der Flugplatz Fürstenwalde wurde 2010 endgültig geschlossen, nachdem die Luftfahrtbehörde des Landes Brandenburg den Betrieb bereits 2009 untersagt hatte, weil ein ordentlicher Betrieb nicht mehr gewährleistet werden konnte. Der dänische Eigentümer Airport Development A/S überbaute das Gelände 2011 größtenteils mit einem Solarpark. Mit 74 Hektar Fläche und 40 Megawatt Leistung zählt er bis heute zu den größten Solarparks Deutschlands.

Gewerbegebiet für Elektromobilität statt Luftsport

Der Flugplatz Cottbus-Drewitz musste 2020 nach Jahren der Insolvenz und einer gesperrten, maroden Piste endgültig schließen. Der letzte Flug fand am 31. Januar 2020 statt. Die extra gegründete Euromovement Industriepark GmbH wandelt das 209 Hektar große Gelände seither in ein Gewerbegebiet für Elektromobilität um, unter anderem für die Umrüstung von Linienbussen auf Elektroantrieb.

Um den Flugplatz Schwarzheide-Schipkau (EDBZ) ist ein regelrechter Kampf entbrannt. Die Eigentümer, die Stadt Schwarzheide und die Gemeinde Schipkau, streben eine industrielle Nutzung des Geländes an, unter anderem soll eine Batteriefabrik entstehen. Im Frühjahr 2024 kündigte die kommunale Flugplatzbetriebsgesellschaft den Pachtvertrag einseitig und vorzeitig.

Flugplatz per Notam geschlossen

Zudem erwirkten die Gemeinden den Widerruf der luftrechtlichen Genehmigung und ließen schließlich Windsack und Rollbahnmarkierungen abbauen sowie den Platz per Notam als geschlossen melden. Das ließ der Aero-Club Schwarzheide e. V. nicht auf sich sitzen und klagte dagegen. Am 8. Januar 2026 hat das Landgericht Cottbus dem Verein recht gegeben: Der Pachtvertrag läuft bis 2030 weiter.

Nicht nur in Brandenburg sind Flugplätze unter Druck. Auch der Sonderlandeplatz im baden-württembergischen Offenburg sollte nach Plänen der Stadt geschlossen und in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden. Beim Bürgerentscheid am 8. März 2026 hat sich jedoch eine klare Mehrheit von 57 Prozent der Wähler gegen die Umwidmung und damit für den Erhalt des Flugplatzes ausgesprochen.

Stadtvertretung muss den Plänen auf Föhr zustimmen

Wyk zeigt, dass sich dieser Trend zumindest im Einzelfall noch umkehren lassen könnte, wenn genügend privates Kapital und politischer Wille zusammenkommen. Bis Jahresende müssen nun ein Erbpachtvertrag ausgehandelt sowie die Zustimmung von Stadtvertretung und Gesellschaftern eingeholt werden. Einen Bürgerentscheid nach Offenburger Vorbild schloss Bürgermeister Hess aus. Gesichert ist die Zukunft erst danach.

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