Er gibt den Ablauf des Unglücks genau wieder. Der Flugplatz Carlisle wird nur von der allgemeinen Luftfahrt genutzt und verfügt über eine asphaltierte Bahn 10/28 mit rund 1200 Metern Länge. Der Hubschrauber der Pennsylvania State Police mit zwei Insassen führte gerade Ausbildungsübungen durch. Er war in Harrisburg gestartet und überquerte die Landebahnschwelle in Carlisle um 18:51 Uhr bei bestem Wetter: wolkenloser Himmel, kaum Wind.
Cessna-Pilot sollte Anflug verlängern
Statt normal zu landen, ging der Hubschrauber in einen sogenannten Hover-Taxi über und schwebte die Bahn entlang, bevor er sie seitlich ins angrenzende Gras verließ. Beim Hover-Taxi bewegt sich ein Hubschrauber schwebend am Boden fort, ohne dabei aufzusetzen. Dabei Bleibt er in geringer Höhe, etwa ein bis drei Meter, über dem Boden.
ADS-B-Flugverfolgungsdaten für den Hubschrauber (grün) und das Flugzeug (gelb) während ihrer Anflüge auf den Flugplatz. NTSB
Zur gleichen Zeit flog die private Cessna 150H mit der Kennung N23330 mit nur dem Piloten an Bord eine Platzrunde in Carlisle. Laut NTSB hörte ein Zeuge über Funk, wie einer der Hubschrauberpiloten den Cessna-Piloten bat, seinen Anflug zu verlängern. Der Fluglehrer bestätigte später im Interview, dass er das Flugzeug zunächst auf dem Kollisionswarnsystem des Hubschraubers und dann visuell erkannt hatte. Der Cessna-Pilot bestätigte die Anweisung.
Cessna-Pilot schaukelt und kippt plötzlich nach rechts
Kurz nachdem die Cessna in den Queranflug eingebogen war, brachen die ADS-B-Flugverfolgungsdaten ab, die Funkdaten zu Position, Höhe und Geschwindigkeit. Den Ermittelnden des NTSB standen für die Rekonstruktion nur die Aufnahmen von drei Überwachungskameras zur Verfügung. Diese zeigen, dass die Cessna die Bahn tief überflog, während der Hubschrauber sie gerade verließ. Laut Bericht schaukelten «die Tragflächen des Flugzeugs nach links und rechts, während es tief über die Landebahnoberfläche flog, die Landeklappen waren dabei ausgefahren».
Anschließend zog die Cessna die Nase hoch und stieg auf «etwa anderthalb Spannweiten über der Bahn». Dort sackte die rechte Tragfläche ab, das Flugzeug drehte nach rechts und sank Richtung Nordwesten. Die Hubschrauberbesatzung konnte die Cessna nicht sehen, da der Hubschrauber beim Verlassen der Bahn weiterhin in die ursprüngliche Richtung zeigte. Die Cessna war praktisch im toten Winkel, laut Bericht schlicht «hinter ihnen». Acht Sekunden nachdem der Hubschrauber die Bahn verlassen hatte, kollidierte die Cessna mit den Rotorblättern des Hubschraubers.
Landeklappen der Cessna waren eingefahren
Der Hubschrauber sackte ab, Hauptrotorblätter und Heckausleger lösten sich, der übrige Rumpf blieb aber relativ intakt und fiel auf die linke Seite. Die Cessna zerbrach beim Aufprall in vier Teile: Triebwerksbereich, Tragflächen, Leitwerk und unterer Rumpf. Die Wrackteile wurden über rund 76 Meter auf dem Flugplatzgelände verteilt.
Die Untersuchung ergab bislang keine Hinweise auf technische Defekte an einem der beiden Luftfahrzeuge vor dem Aufprall. Auffällig ist laut der NTSB, dass bei der Bergung die Landeklappen der Cessna eingefahren waren, obwohl sie beim Überflug der Bahn laut Video noch ausgefahren waren.
Textron, Bell Canada, Rolls-Royce werden Teil der weiteren Untersuchung
Warum der Cessna-Pilot das ungewöhnliche Manöver flog, ist noch ungeklärt und dürfte Gegenstand des Abschlussberichts sein. Die NTSB hat den Fall als Untersuchung der Klasse 3 eingestuft, an der auch Vertreter von Textron, Bell Canada, Rolls-Royce und der FAA beteiligt sind.
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