1934 feierte der australische Bundesstaat Victoria sein 100-jähriges Bestehen und die Hauptstadt Melbourne nahm dies zum Anlass, ein Luftrennen ins Leben zu rufen. Das MacRobertson Air Race wurde benannt nach seinem Sponsor, dem Süßigkeitenfabrikanten Macpherson Robertson, und führte von Mildenhall in England nach Melbourne.
Geoffrey de Havilland und sein gleichnamiges Flugzeugbauunternehmen entwickelten für das Rennen ein eigenes Flugzeug: die de Havilland DH.88 Comet. Zwei 4-Zylinder-Reihenmotoren vom Typ de Havilland Gipsy verschafften ihr eine Reichweite von bis zu 4700 Kilometern. Sie war aus Holz gebaut, die Außenhaut war Teil der tragenden Struktur. Das Flugzeug hatte Platz für zwei Besatzungsmitglieder und verfügte über ein Einziehfahrwerk.
In 71 Stunden von England nach Australien geflogen
Beim Rennen gingen drei der Flugzeuge an den Start, später wurden nur noch zwei weitere Exemplare gebaut. Und tatsächlich siegte eine DH.88 - und zwar die, die das Kennzeichen G-ACSS und den Namen Grosvenor House trug. Sie brauchte 70 Stunden, 54 Minuten und 18 Sekunden für die mehr als 18.000 Kilometer lange Strecke, zu der mit Bagdad, Allahabad, Singapur, Darwin und Charleville fünf obligatorische Zwischenstopps gehörten.
Das Flugzeug hatte anschließend Einsätze für die Royal Air Force und nahm noch an weiteren Rennen und Rekordversuchen teil. So unternehmen die Piloten A. E. Clouston und Victor Ricketts 1938 eine Hin- und Rückreise nach Neuseeland und legten dabei 42.570 Kilometer in 10 Tagen, 21 Stunden und 22 Minuten zurück. Laut Cloustons Biografie soll er nach dieser Reise von einem Millionär ein Angebot bekommen haben, mit einer DH.88 (womöglich der G-ACSS) ein Attentat auf Adolf Hitler zu verüben, wozu es aber nicht kam.
Legendäre G-ACSS am Wochenende verunglückt
Inwieweit das stimmt, lässt sich kaum überprüfen. Die Shuttleworth Collection, eine britische Sammlung historischer Flugzeuge auf dem Flugplatz Old Warden in Bedfordshire, der die G-ACSS seit 1965 gehört, hat einen Beitrag dazu auf ihrer Webseite wieder gelöscht. Doch auch ohne diese Anekdote ist klar: Die G-ACSS ist ein einzigartiges Flugzeug.
Doch nun at dieses einzigartige Flugzeug einen Unfall erlitten und ist dabei schwer beschädigt worden. Bei der Flugschau «Flying Proms» am Samstag (15. August 2026) landete die 92 Jahre alte DH.88 zwar, begann dann aber, über die Gras-und-Erd-Piste zu hüpfen, stabilisierte sich kurz, kippte schließlich jedoch nach vorne und überschlug sich - wobei das Heck direkt hinter dem Cockpit abbrach. Die Shuttleworth Collection teilte am Sonntag mit, «dass das betroffene Besatzungsmitglied aus dem Krankenhaus entlassen wurde». Dazu, ob der Schaden am Flugzeug reparabel ist, äußerte sie sich noch nicht.
Die weltweit einzige flugfähige de Havilland DH.88 Comet
Neben der nun verunfallten G-ACSS ist nur noch eine andere der einst fünf DH.88 erhalten geblieben, die G-ACSP (Black Magic). Allerdings ist sie nicht flugfähig, auch wenn die Gruppe Comet Racer Project in Derbyshire daran arbeitet, sie entsprechend zu restaurieren.
Die G-ACSS war auch früher schon mehrmals beschädigt worden. 2002 hieß es nach einem Unfall, ebenfalls am Flugplatz Old Warden, im Bericht der britischen Unfallermittler: «Rechtes Fahrwerk schwer, beschädigt, leichte Schäden am, rechten Triebwerk, an der Triebwerksgondel und an der Flügelspitze». Bisher wurde das Flugzeug stets repariert.
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