So manchem hilft es, sich den Wecker auf mitten in der Nacht zu stellen.

Nachtspaziergang für die innere Uhr

«Wie kämpfen Piloten eigentlich gegen den Jetlag?», fragt aeroTELEGRAPH-Leserin Jana Carter. Ein Linienpilot beantwortet ihre Frage.

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Leider haben Piloten keine bessere biologische Uhr als ihre Mitmenschen. Alle Crew-Mitglieder kämpfen mit dieser Müdigkeit. Das Problem des Jetlag besteht zwar vor allem auf der Langstrecke. Auf der Kurzstrecke hat man aber mit verschiedenen und extrem langen Schichten zu kämpfen - einmal sehr früh, dann wieder sehr spät. Auf der Langstrecke wie auch auf der Kurzstrecke sind zudem die immer intensiveren Flugdienstzeiten und fehlenden Ruheperioden ein Problem.

Machen wir uns nichts vor: Es passiert, dass Flug-Crews einen gestörten Schlaf-Rhythmus haben. Es kann dann sein, dass man vor einem Flug nur wenig und schlecht schläft. Auch damit müssen Piloten umgehen können. Wenn sie allerdings die Flüge erfolgreich durchgeführt haben und erschöpft zu Hause ankommen, ist es wichtig, eine realistische Ruhepause zu haben. Dies zählt für die Langstrecken- wie auch für die Kurzstreckenrotationen.

Nachts durch die Straßen spazieren

Ich habe mal bei den Piloten und Crews herumgefragt, wie sie spezifisch mit dem Jetlag umgehen. Jeder hat eine etwas andere Strategie. Es gibt zum Beispiel solche, die vor allem in den Westen fliegen wollen. Andere verdauen den Jetlag besser, wenn sie stets in den Osten fliegen. Weitere sagen, dass es ihnen egal ist wohin, Hauptsache immer in dieselbe Richtung.

Einige Piloten leben an den Destinationen nach der europäischen Uhr weiter und passen sich gar nicht an. Das bedeutet, dass man beispielsweise in den USA mitten in der Nacht erwacht und durch die leeren, nächtlichen Straßen spaziert. Dies kann ja manchmal auch sehr interessant sein. Am Nachmittag, bei hellstem Sonnenschein, schließt man dann die Vorhänge im Hotelzimmer und geht schlafen. Andere stellen ihre Uhr sofort auf Lokalzeit um. Sie nehmen oftmals einen Schnellschlaf nach der Ankunft, um etwas Energie zu tanken. Dies ist auch meine Variante. Danach geht das Freizeit-Programm sofort weiter, um am Abend müde zu sein.

Piloten kämpfen für mehr Ruhezeiten

Am wichtigsten bleiben aber vernünftige Einsatzzeiten und Ruhepausen. Nur dies bringt wirklich Erholung. Und da ist die Gesetzgebung gefordert. Ein ruhender Pilot bringt der Fluggesellschaft nämlich kein Geld. Deshalb besteht ein Interessenkonflikt zwischen Piloten, welche möglichst angemessene Ruhetage verlangen und Fluggesellschaften, welche diese Pausen auf ein absolutes Minimum reduzieren wollen. Bei 20 Prozent der Unfälle in der Fliegerei spielt die Ermüdung eine Rolle. Anstatt die Ruheizeiten zu verbessern und für mehr Sicherheit zu sorgen, ist momentan auf europäischer Ebene ein Prozess im Gange, diese Ruhezeiten noch mehr zu reduzieren. Aber das wäre auch gefährlich. Die Piloten kämpfen deshalb dafür, dass dies nicht eintrifft.

[image2]Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an pilot@aerotelegraph.com. Jede Woche wird eine der eingesandten Fragen beantwortet. Dabei wird der Name des Einsenders veröffentlicht. Ein Recht auf Beantwortung besteht nicht.

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