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Von nicht fliegenden Piloten

«Wer steuert eigentlich das Flugzeug, wenn der Kapitän auf die Toilette muss?», fragt Leser Jörg Fassler. Ein Linienpilot antwortet.

Reinhard Grieger/pixelio.de

Cockpit von oben: Der erste Offizier sitzt von hier aus gesehen links.

Im Cockpit eines modernen Flugzeugs sitzen immer zwei Piloten. Wenn einer der beiden auf die Toilette muss, übernimmt der andere normalerweise kurz die Kontrolle. Danach gilt wieder die normale Aufgabenteilung: Die Pilotencrew besteht aus einem Kapitän und einem ersten Offizier. Beim ersten Offizier wird auch oft vom Kopilot gesprochen. Der Kapitän ist meistens älter und hat mehr Erfahrung als der erste Offizier. Deshalb trägt er auch die letzte Verantwortung bei Entscheidungen.

Während eines Fluges sind die Aufgaben zwischen den beiden Piloten ganz klar verteilt. Ein Pilot ist der «pilot flying» (der fliegende Pilot) während der andere «pilot non flying» (nicht fliegender Pilot) ist. Meistens wechselt man sich nach einem Flug wieder ab. Besonders auf der Kurzstrecke, wo mehrere Flüge pro Tag durchgeführt werden, geschieht diese Abwechslung häufig. Ein Beispiel: Der erste Offizier ist «pilot flying» nach London. Bereits beim Briefing muss er nun die Planung durchführen. Der Kapitän als «pilot non flying» schaut dabei aufmerksam zu und interveniert bei Unklarheiten.

Einigkeit ist wichtig

Der erste Offizier muss dann zum Beispiel eine Treibstoffberechnung erstellen. Es gibt relativ viel Freiheit, wie viel Treibstoff man mitnimmt – je nach Wetter und anderen Umständen. Es gibt Piloten, welche lieber etwas mehr mitnehmen und andere, welche eher am unteren Limit sind. Wichtig ist hier, dass sich erster Offizier und Kapitän einig werden und allenfalls einen Kompromiss finden.

Auf dem Rollfeld ist die Aufgabenverteilung immer dieselbe. Der Kapitän muss am Boden das Flugzeug von Hand steuern. Der erste Offizier ist verantwortlich für den Funk. Wenn nun der Kapitän eine Durchsage macht, übernimmt der erste Offizier neben dem Funk auch noch die Steuerung am Boden.

Gegenseitige Kontrolle

Sobald wir fliegen, erfolgt die Aufgabenverteilung wieder nach dem Schema «pilot flying» und «pilot non flying». Der erste Offizier als fliegender Pilot steuert in meinem Beispiel das Flugzeug manuell. Irgendwann wird der Autopilot eingeschaltet. Ab da ist der «pilot flying» für dessen Bedienung verantwortlich. Der Kapitän als «pilot non flying» übernimmt in der Luft den Funk. Zudem führt er die Treibstoff-Checks durch, um zu verifizieren, dass kein Leck vorhanden ist. Er hilft dem «pilot flying», indem er Wetterinformationen und betriebliche Informationen beschafft. Vor allem ist der «pilot non flying» auch für die Überwachung des «pilot flying» zuständig.

Und die ist wichtig: Jedem Pilot geschehen pro Flug mehrere Fehler. Zu zweit werden diese erkannt. Alleine hätte es oftmals verheerende Auswirkungen.

[image2]Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an pilot@aerotelegraph.com. Jede Woche wird eine der eingesandten Fragen beantwortet. Dabei wird der Name des Einsenders veröffentlicht. Ein Recht auf Beantwortung besteht nicht.



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