Eigentlich bin ich nicht die perfekte Wahl, um das neue Angebot von Lufthansa zu testen. Denn ich genieße jeden Flug auch deshalb, weil ich nicht ständig erreichbar bin. Aber um Wolf Biermann zu persiflieren, muss ich dann doch ergänzen: «Ich brauche kein Internet über den Wolken – pardon, will sagen: nur ganz kurz für die Mails.» Denn wenn ich mich einfach einloggen kann und es nichts kostet, tue ich es dann eben doch.
Genau das will Lufthansa künftig bieten. Der Konzern hat beschlossen, bis 2029 die ganze Flotte - also 850 Flugzeuge von Lufthansa und Lufthansa City Airlines sowie auch Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Discover Airlines, Edelweiss, Eurowings, ITA Airways und Swiss - mit Highspeed-Wlan von Starlink auszurüsten. Erkennbar sind Flieger durch zwei deutlich flachere Antennen hinten und vorn auf dem Dach statt einem großen Buckel hinten.
Neues Lufthansa-Group-Wifi bringt starke Geschwindigkeiten
Und dabei stand am Mittwoch (19. August) der erste richtige Praxistest an. Der Airbus A320 Neo mit dem Kennzeichen D-AINM ist der erste mit Starlink-Verbindung ausgerüstete Flieger. Er flog reguläre Passagiere als Flug LH234 von Frankfurt nach Rom. Lufthansa verspricht nichts weniger als Verbindungen, die oftmals besser sind als Zuhause oder im Büro. Und das von Gate zu Gate. Der Zugang ist kostenlos - sofern man eine Travel ID von Lufthansa Group besitzt.
Ich habe an Bord des ersten Fluges getestet, was denn das neue Angebot wirklich kann - und was nicht. Gleich vorweg: Auf dem anderthalb Stunden langen Flug in die italienische Hauptstadt standen generell eindrückliche Geschwindigkeiten zur Verfügung. Das Netz an Bord bot zwischen 210 zu 430 Mbps Download und 32 Mbps Upload. Generell kann man sagen: Alles über 250 Mbps Download und 50 Mbps Upload ist sehr gut.
Ein kleiner Schönheitsfehler
Aber es gab auch einen Schönheitsfehler. Wenn der Akku schlappt macht, hat man in der D-AINM derzeit noch das Nachsehen. Stromsteckdosen und USB-Anschlüsse gibt es in diesem A320 Neo von Lufthansa noch nicht, weil dessen Kabine noch nicht erneuert wurde. Das wird sich jedoch ändern, weil Lufthansa das nachholen wird - neu gelieferte Jets bekommen alle die neue Kabine, zudem rüstet Lufthansa auch 38 ältere A320 um.
Doch was kann man nun als Fluggast mit dem Starlink-Internet bei Lufthansa wirklich tun, was nicht? Und wie gut klappt das?
Einloggen und verbinden
Wer seine Travel ID oder sein Miles-&-More-Login auf dem Gerät gespeichert hat oder seine Zugangsdaten kennt, ist im Handumdrehen im Wlan von Lufthansa. Das ist beeindruckend, da der Loginprozess da und dort immer noch sehr aufwändig sein kann.
Etwas Probleme hatte ich mit dem Einloggen von Smartphone und Laptop gleichzeitig, was gemäß Lufthansa eigentlich problemlos möglich sein sollte. Der Fehler lag vermutlich an gewissen automatischen VPN-Einstellungen bei meinen Geräten, welche die IP-Adresse während des Fluges verändern und dadurch als unseriöse Aktivitäten eingestuft werden. Lufthansa will die Nutzer künftig darauf hinweisen, wie sie dieses Problem an Bord selbstständig lösen können.
Mails abrufe, verfassen und verschicken
Ein Kinderspiel. Meine neuen Mails erscheinen im Nu in der Inbox und sie sind ebenso schnell versendet. Und das selbst mit großen Anhängen wie dem PDF des Geschäftsberichts von Lufthansa Group 2025, der 10,6 MB groß ist. Zack angehängt, zack losgeschickt (und zack auf der anderen E-Mail-Adresse wieder empfangen).
Webseiten und Apps nutzen oder herunterladen
Newsseiten wie aeroTELEGRAPH oder Bild laden schnell. Auch Apps wie die BBC oder Süddeutsche sind rasant aktualisiert. Das ist kein Vergleich mit dem Vorgängerangebot Flynet, wo man mitunter sehr lange warten musste, bis etwas geladen war. Auch Bilder und Videos erscheinen sofort. Sogar eine App ließ sich problemlos innerhalb weniger Sekunden herunterladen.
Nachrichten empfangen und versenden
Bisher war es meistens kaum möglich, Bilder mit Nachrichten zu versenden, geschweige denn Videos. Selbst wenn man jeweils ein teureres Surf-Paket kaufte, war es oft unmöglich, den Anhang zu versenden. Ich habe auf dem Flug nach Rom ein 52 MG großes Video verschickt - und es kam so schnell an, wie wenn ich zu Hause gewesen wäre oder in einem starken 5G-Netz. Wow!
Streaming von Musik und Video
Gleich vorweg: Erlaubt ist das zum Schutz der anderen Fluggäste nur mit Kopfhörer. Gut so. Ich habe die Funktionen einerseits mit dem Mittagsjournal der ARD getestet. Die Sendung konnte ich live ohne jegliches Ruckeln betrachten. Nicht möglich ist es, geogeblockte Sendungen aus anderen Ländern zu schauen - also etwa ein Fußballspiel einer Liga aus dem Ausland, das in Deutschland gezeigt wird. Denn das Starlink-Wifi läuft über eine deutsche IP-Adresse. Danach schaute ich eine Folge von «Tatortreiniger» auf Netflix - auch hier absolut keine Verzögerungen - auch nach Vor- oder Zurückspulen gab es keine Probleme. Songs auf Spotify zu hören, war ebenso normal wie Doomscrollen bei Tiktok. Den eigenen Flug bei Airnav Radar mit aktueller Position jederzeit live verfolgen, auch das geht problemlos
Videokonferenz, Telefonanruf und Liveübertragung
Videokonferenzen, Telefongespräche und Liveübertragungen sind an Bord verboten. Dabei geht es vor allem darum, andere Fluggäste nicht zu stören. Aber es geht auch um den Persönlichkeitsschutz, weil Personen ungewollt auf gestreamten Bildern zu sehen sein könnten. Das ist absolut vernünftig.
Fazit
Lufthansa ist bei weitem nicht die erste Fluggesellschaft, die wirkliches Highspeed-Internet an Bord ihrer Flugzeuge bringt. Und auch nicht die erste, die auf Starlink setzt. Air Baltic war vor drei Jahren die Vorreiterin in Europa. Inzwischen gehört das fast schon zum Grundangebot. Das Resultat aber überzeugt. Endlich kann man Internet an Bord auch wirklich richtig nutzen und das tun, was man auch am Boden tut.
Und so bewertet Christopher Scheffelmeier, Moderator des aeroTELEGRAPH-Podcasts Luftraum, das Angebot: