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Air Asia QZ8501

Welche Rolle spielte das Wetter?

Nach dem Crash eines Airbus A320 von Air Asia stellen sich viele die Frage, wie es dazu kommen konnte. Das Wetter steht im Zentrum der Spekulationen.

Badan Meteorologi, Klimatologi, dan Geofisika

Wetterradarbild der Region im Zeitpunkt des Verschwindens von QZ8501: Starke Wolkenbildung.

So kurz nach einem Unglück ist eigentlich noch wenig wirklich klar. Denn noch immer haben die Suchtrupps keine Spur des Airbus A320 von Air Asia gefunden, der seit gestern verschollen ist. «Die Hypothese ist, dass das Flugzeug auf dem Meeresgrund liegt», sagte Chefkoordinator Bambang Soelistyo von der National Search and Rescue Agency Indonesiens am Montag bei einer Medienkonferenz. Denn die letzte bekannte Position von Flug QZ8501 liege über der Javasee.

Eines steht im Fall von Flug QZ8501 aber fest: Das Wetter spielte eine zentrale Rolle. Denn als der A320 von Air Asia vom Radar verschwand, herrschten schwere Regenstürme im Gebiet, durch das der Flug führte. Die Piloten hatten kurz vor dem letzten Kontakt um Erlaubnis gebeten, zu steigen und die Route anzupassen – womöglich, um ein Gewitter zu umfliegen. Doch die Erlaubnis wurde ihnen nicht erteilt, berichten lokale Medien in Indonesien. Wenige Minuten – und früher als Air Asia zuerst meldete – nämlich schon um 6:16 Uhr, also rund vierzig Minuten nach dem Start.

Cumulonimbus-Wolken gelten als gefährlich

Das Wetter in Indonesien gilt als besonders heikel. Am Ort des Verschwindens von Flug QZ8501 gab es dicke Cumulonimbus-Wolken. Sie stehen für schere Gewitter und starken Niederschlag. «Andernorts reichen sie von 30.000 bis 40.000 Fuß. Bei uns reichen sie bis auf 50.000 Fuß», so ein Sprecher des indonesischen Meteorologischen Dienstes zur Zeitung Jakarta Post. In solchen Wolken könne ein Jet beschädigt werden.

«In der Regel fliegt man nicht einfach über einen Sturm drüber, sondern versucht, ihn weitläufig zu umfliegen», meinte denn auch ein ehemaliger Pilot zum Nachrichtensender CNN. Turbulente Luft könne zudem auch weit über einer Sturmwolke noch gefährlich werden. «Viel größere Flieger werden da massiv durchgeschüttelt. Das will man vermeiden», so ein anderer Pilot zur Zeitung Guardian. In größerer Höhe und bei niedrigeren Temperaturen könnten auch kleine Fehler gefährlich enden.

Sicherheitsanweisung für A320

Warum also wollten die Piloten den Kurs nach links ändern und aufsteigen? Kritik an so einem Verhalten wurde bereits nach der Tragödie um Flug AF447 laut. Auch beim Absturz der Air-France-Maschine waren die Piloten zuvor bewusst in einen Sturm hinein geflogen. Die Pitot-Sonden, die für die Geschwindigkeitsmessung zuständig sind, waren bei den Bedingungen vereist und hatten falsche Anzeigen verursacht. Die überforderten Piloten im Cockpit wussten sich nicht zu helfen und reagierten falsch.

Auch für den Airbus A320 wurde erst kürzlich eine Sicherheitsanweisung der europäischen Luftfahrtsicherheitsbehörde Easa herausgegeben. Bei einem Vorfall mit einem A321 hatten zuvor die Instrumente fälschlicherweise die Meldung eines Strömungsabrisses herausgegeben und dann korrigiert – obwohl das nicht nötig war. Im Zweifel kann so etwas gefährlich werden.

Vielleicht hatten die Piloten zuwenig Zeit

Mary Schiavo, ehemalige Chefermittlerin der US-Behörde NTSB, mahnt aber, dass man die Piloten nicht zu schnell anprangern sollte. Die Sturmwolken am Sonntagmorgen reichten bis in eine Höhe von über 13 Kilometern – deutlich höher als die Reiseflughöhe also. «In solchen Bedingungen kann sich alles so rasant ändern, da muss es schnell gehen. Vielleicht hatten sie gar keine Zeit», mutmaßt sie. Immerhin hatte der Flugkapitän mehr als 20.000 Flugstunden Erfahrung.

Zudem wird auch ein technischer Defekt nicht ganz ausgeschlossen. Denn die Notfunkbake (Emergency Locator Transmitter) des A320 von Air Asia sandte keine Signale aus.



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