Boeing 737 Max 8: Bei Lion Air und Ethiopian Airlines fehlten zwei Warnmelder.

Lion Air und Ethiopian AirlinesBoeing 737 Max fehlten kostenpflichtige Sicherheitsfunktionen

Lion Air und Ethiopian Airlines ließen zwei Sicherheitsfunktionen nicht in ihre 737 Max einbauen. Ein Grund: Boeing verrechnet die Installation als Extras.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Mechaniker Flugzeugkomponenten (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Systems Engineer - Electrical Focus

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Bis vor Kurzem war die Abkürzung MCAS selbst in der Luftfahrtbranche wenig geläufig. Inzwischen ist sie in aller Munde. Denn das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System steht im Verdacht, zum Absturz der Boeing 737 Max von Lion Air beigetragen zu haben. Auch beim Unglück von Ethiopian Airlines wird das inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

Bei Lion Air wird vermutet, dass sich das MCAS irrtümlicherweise einschaltete und die Piloten verwirrte, weil die Anstellwinkel-Sensoren (Angle of Attack Sensor) falsche Daten lieferten. Dieses Risiko hätte verhindert werden können, wenn die Fluggesellschaft zwei Sicherheitsfunktionen eingebaut hätte, die Boeing optional anbietet, wie die Zeitung New York Times schreibt.

Warnlampe und Datenanzeige

Die eine Funktion ist eine Warnlampe, die im Cockpit angeht, wenn die beiden Anstellwinkel-Sensoren unterschiedliche Daten liefern. Bei der anderen Sicherheitsfunktion handelt es sich um eine Anzeige, welche die Angaben der beiden Sensoren optisch im Cockpit darstellt. Damit hätten die Piloten die abweichenden Angaben erkennen können. Beide Funktionen sind nicht Pflicht, sie werden von den Luftfahrtbehörden nicht vorgeschrieben.

Viele Fluggesellschaften bauen die zwei Features darum auch nicht in ihre 737 Max ein, weil Boeing die Installation zusätzlich verrechnet. Southwest Airlines hat beispielsweise erst nach dem Unglück von Lion-Air-Flug JT610 beschlossen, die Warnlampe nachträglich in ihren Boeing 737 Max installieren zu lassen. Auch Norwegian hat sie nicht installiert. American Airlines ließ sie dagegen einbauen.

Quelle von Zusatzeinnahmen

Extras sind für die Flugzeughersteller allgemein ein gutes Geschäft. Sie können Zusatzeinnahmen von bis zu 5 Prozent des Preises des Fliegers generieren. Oftmals geht es dabei um spezielle Einrichtungen wie automatischen Wasserhähne in den Toiletten, schickere Kabinenbeleuchtungen oder Außenkameras. Doch auch gewisse nicht zwingende Sicherheitsfeatures sind optional.

Wie die Zeitung Financial Times berichtet, hat sich Boeing inzwischen aber entschlossen, eine der beiden Funktionen künftig standardmäßig in die Boeing 737 Max einzubauen. Die Warnlampe werde künftig fix installiert, so das Blatt. Es zitiert einen ehemaligen Inspektor der britischen Unfalluntersuchungsbehörde Air Accidents Investigation Branch, der sich überrascht zeigt, dass diese Funktionen nicht Pflicht sind und das für nötig hält.

System wegen neuer Konstruktion nötig

Das MCAS wurde in die Boeing 737 Max eingebaut, weil sie größere Triebwerke hat, die etwas weiter vorne und höher angebracht sind als bei der bisherigen Boeing 737. Das verändert in gewissen Situationen das Flugverhalten. Um einen Strömungsabriss zu verhindern, drückt das MCAS unter bestimmten Umständen die Nase des Fliegers automatisch nach unten, indem es das Höhenruder entsprechend trimmt.

Mehr zum Thema

Blick aus einer Boeing 737 von Lion Air: Dicke Luft zwischen dem Hersteller und der Airline.

Dritter Pilot rettete 737 Max am Tag vor Lion-Air-Absturz

Boeing 737 Max von Southwest: Eine Änderung steht an.

Southwest Airlines rüstet Boeing 737 Max auf

Fünf Piloten warnten vor umstrittenem System

Fünf Piloten warnten vor umstrittenem System

Boeing 737 Max 9: Die Cockpittür öffnet sich bei Druckabfall automatisch.

Verschwiegene Funktion der Boeing 737 Max gerät ins Visier

Video

Flugzeuge am Wilson Airport: 41 Flugzeuge um den Flughafen sind zu hoch und sollen abgerissen werden.
Flughafen Nairobi-Wilson
Rund um Kenias wichtigsten Inlandsflughafen sind in den vergangenen Jahren Dutzende Gebäude entstanden, die den Luftraum verletzen. Der Senat fordert nun den Abriss, die Regierung will lieber die Flugrouten zum Flughafen Nairobi-Wilson ändern.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Der weltgrößte Papierflieger: Er flog über 59 Meter.
Papierflieger kennt jedes Kind. Doch dieses Exemplar sprengt alle Dimensionen: Mit mehr als 20 Metern Spannweite und einem Flug über 59 Meter hat ein Team aus Italien den Weltrekord für das größte flugfähige Papierflugzeug geholt - und Deutschland entthront.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Electra aero: So soll das Regionalflugzeug aussehen.
Der erfolgreiche Testflug des Kurzstartflugzeugs EL2 ist für Electra Aero nur der Anfang. Das Unternehmen entwickelt bereits ein deutlich größeres Verkehrsflugzeug für 100 Passagiere, das dank eines ungewöhnlichen Antriebskonzepts sehr effizient fliegen soll.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies