Germanwings-Flosse: Heiß begehrt in Berlin.

«Flughafen ohne Nachtflugverbot»

Berlin will Germanwings mit Beihilfen anlocken. Ein Kölner Vertreter sagt, wie seine Stadt sich gegen die Abwanderung wehren kann.

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/strong>Drei Standorte prüft die deutsche Lufthansa offenbar für die Ansiedlung ihrer neuen Tochter, zu der unter anderem die Billigtochter Germanwings gehören soll. Die neue Airline soll weite Teile des Europaverkehrs übernehmen. Offenbar erwägt man neben dem bisherigen Germanwings-Standort Köln auch noch die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf sowie die Bundeshauptstadt Berlin als Sitz. Und die lockt Germanwings nun mit besonderem Einsatz. Wie unter anderem der Kölner Stadtanzeiger berichtet, könnte Berlin staatliche Fördermittel nutzen, um den Billigflieger zu umgarnen. Bis zu 20 Prozent der Investitionskosten der Airline könnten laut der Zeitung betroffen sein.

Für die Kölner Wirtschaft würde ein Wegzug der Fluggesellschaft einen herben Rückschlag bedeuten. Die Wirtschaftsvertreter der Stadt sind jedoch überzeugt, dass man Berlin die Stirn bieten kann. Ulrich Soénius, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Köln erklärt im Interview mit aeroTELEGRAPH, warum.

Köln droht mit Germanwings einen attraktiven Arbeitgeber zu verlieren. Was würde das für die Region bedeuten?

Soénius: Man muss nicht jedem Gerücht neue Nahrung geben. Grundsätzlich aber kann man sagen: Jede Sitzverlegung eines Unternehmens aus der Region Köln ist ein Schritt, der bedauerlich ist und die Wirtschaftskraft schädigt. Fraglos sind Germanwings und der Standort Köln weit über die Grenzen der Region hinaus miteinander verbunden.

Berlin lockt offenbar mit Beihilfen. Warum kann Köln das nicht auch tun?

Soénius: Die Region Köln hat ihre Stärken, die weitaus über denen anderer Regionen liegen, die mit Euro winken müssen. Die Unternehmen wissen um die Vorteile, welche die Wirtschaftsregion Köln hat. Beispielhaft nenne ich nur einige: die geographische Lage, das Verkehrsnetz, starke Unternehmen, einen hohen Tourismusfaktor auch außerhalb des Kölner Domes und vor allem einen Einzugsbereich der für eine Airline von Brüssel bis Kassel, von Dortmund bis Koblenz reicht.

Beihilfen werden aber immer mehr zu einem Instrument der Ansiedlungspolitik – insbesondere auch bei Fluglinien.

Soénius: Subventionen als Anreizmittel sind ein fragwürdiges Mittel im Standort-Wettbewerb. Vor allem ist es der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung widersprechend, wenn zu Lasten anderer Abwerbungen vorgenommen werden. Köln hat nach dem Wegzug von Parlament und Regierung und den damit zusammenhängenden Verlagerungen von Verbänden, Behörden, Botschaften und anderen Institutionen im Gegensatz zu Bonn keinen einzigen Euro erhalten. Die Kölner Region hat aus eigener Kraft heraus ihre Stärke behalten und ausgebaut - es muss aber aufhören, dass wir ständig abgestraft werden und auch noch dafür bezahlen müssen. Denn die Subventionen, die in Berlin verteilt werden, sind dort ja nicht verdient worden. Das hat mit Gerechtigkeit, fairem Miteinander und wirtschaftlichem Verständnis sowie Können nichts zu tun.

Was sollte Köln also die Waagschale werfen, um Germanwings doch noch zu halten?

Soénius: Köln sollte sehr deutlich die Standortvorteile benennen, die neben dem Gesagten auch die hervorragende Ausbildung von Fachkräften, eine der Luftfahrt zugewandte Wirtschaft und Öffentlichkeit sowie einen Flughafen ohne Nachtflugverbot beinhaltet. Zudem ist das Kultur-, Freizeit- und Einkaufsangebot in dieser Region einmalig. Dies wissen die Fachkräfte zu schätzen, erst recht die kurzen Wege.

Wird der Flughafen Köln-Bonn nicht zunehmend abgewertet?

Soénius: Dies würde ja bedeuten, dass bereits ein Sinkflug eingesetzt hat. Dem ist aber mitnichten so. Der Flughafen Köln/Bonn Konrad Adenauer ist auf einem hervorragendem Weg und hat sich insbesondere in den vergangenen zehn Jahren proportional besser als andere Flughäfen entwickelt. Die Zahlen sprechen hier eine klare Sprache. Da mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft, sondern bin sicher, dass Geschäftsführung und Gesellschafter weiter die positive Entwicklung umsetzen.

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