Das Wrack der Dash 8 von US Bangla Airways: Der Pilot war nicht flugfähig.

Absturz von US Bangla in KathmanduPilot: «Scheiß auf deine Pflichten»

Angstschübe, Verwirrung, Müdigkeit: Der Pilot der in Kathmandu verunglückten Bombardier Dash 8 von US Bangla Airways war psychisch schwer angeschlagen. Das zeigt der offizielle Bericht.

Top-Jobs

k5 logo

Captain A320 (m/w/d)

K5-Aviation GmbH
München, Hamburg, Stuttgart
Feste Anstellung
Business Aviation
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
logo-gi-group

Teamleiter (gn) am Flughafen Hamburg

Hamburg
Feste Anstellung
Gi Group Recruiting
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair Logo

Kapitän C680A (all genders) mit Zusatzaufgaben

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair Logo

Deputy Continuing Airworthiness Manager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

51 Menschen starben, als vergangenen März eine Bombardier Dash 8 von US Bangla Airways am Tribhuvan International Airport von Kathmandu eine Bruchlandung hinlegte, einen Abhang hinunterrutschte und Feuer fing. Ein nun öffentlich gewordener Untersuchungsbericht der nepalesischen Behörden zeigt ein erschreckendes Bild von den Vorgängen im Cockpit von Unglücksflug BS211. Und er offenbart, dass Kapitän Abid S. an jenem Tag nicht flugfähig war.

Der Kapitän hatte am 12. März auf dem Flug von Dhaka nach Kathmandu fast nur ein Gesprächsthema: sein Verhältnis zu einer Arbeitskollegin. Das zeigt der Bericht der Behörden, den die Zeitung Kathmandu Post öffentlich machte. Ihr Verhalten habe ihn sehr verletzt, sagte Abid S. gemäß den Aufzeichnungen des Stimmenrekorders. Mehrmals beleidigte er die Frau, die als Kopilotin für US Bangla Airways arbeitete.

Mehrmals geweint, viel geraucht

Die Arbeitskollegin sei der einzige Grund, weshalb er kündige, so der Kapitän weiter. Am Vortag hatte er US Bangla Airways mündlich darüber informiert, dass er das Unternehmen verlassen werde. Er zeigte sich aber bereit, noch drei Monate weiterzuarbeiten, um junge Piloten fertig auszubilden. Immerhin hatte er schon mehr als 22 Jahre Erfahrung als Pilot und war früher für die Luftwaffe von Bangladesh geflogen. Der Pilot habe mehrmals geweint, so die Ermittler gemäß Kathmandu Post.

Offenbar hatte die Frau seine Fähigkeiten als Ausbilder angezweifelt. Während des ganzen Fluges habe der Kapitän im Cockpit auch nervös geraucht, dies obwohl er seinem Arbeitgeber angegeben hatte, Nichtraucher zu sein. «Als wir die Gespräche auf dem Stimmenrekorder anhörten, wurde uns klar, dass der Kapitän unter extremen mentalem Stress litt», so die nepalesischen Ermittler im Bericht. Abid S. habe zudem ermattet und übernächtigt gewirkt.

Irrtum bezüglich des Fahrwerks

Mehrmals hatte Abid S. auch richtige Ausbrüche. «Ein sicherer Flug kümmert mich einen Scheiß», sagte er einmal. Und: «Scheiß auf deine Pflichten.» An wen er die Worte richtete ist nicht klar, die mit ihm fliegende Kopilotin, die nicht das Objekt seines Zorns war, war jedoch die einzige andere Anwesende. Sie bleib den ganzen Flug über sehr ruhig und hörte einfach zu.

Klar ist, dass der Kapitän auch extrem verwirrt war, obwohl er schon mehr als hundert Mal nach Kathmandu geflogen war. So meldete er sechs Minuten vor der Landung: «Fahrwerk unten, drei mal grün», mit Bezug auf die Anzeige, die ein ausgefahrenes Fahrwerk anzeigt. Doch als die Kopilotin die letzten Kontrollen für die Landung machte, bemerkte er, dass das Fahrwerk noch immer eingefahren war.

Verwirrung um Pisten

Auch bezüglich der Anflugrichtung herrschte große Verwirrung, wie sich schon früher zeigte. Der Lotse im Kontrollturm des Tribhuvan International Airport hatte der Dash 8 die Erlaubnis erteilt, auf Piste 02 zu landen, also von Süden her. Doch die Maschine von US Bangla Airways drehte nach links ab und machte Anstalten, von Norden her zu landen. Rund vier Minuten vor dem Unglück warnte der Lotse den Piloten deshalb: «Ich sage es nochmals, fahren Sie nicht in Richtung Piste 20 fort.»

Er solle Warteschlaufen fliegen, da sich ein anderes Flugzeug im Anflug befinde, so der Lotse. «Landen Sie nicht!» Später meldete der Flugkapitän, er könne die Piste sehen und lande nun auf Piste 02, obwohl er zuvor noch von der 20 gesprochen hatte. Nun bekam er auch die Erlaubnis dazu.

Kopilotin half und verstarb

Wenige Sekunden später zerschellte die Dash 8 und ging in Flammen auf. Besonders tragisch: Die Kopilotin von Flug BS211 half noch, Opfer zu bergen, später verstarb sie im Krankenhaus aber selbst wegen ihrer Verletzungen.

Mehr zum Thema

Chaos im Cockpit der Dash 8

Chaos im Cockpit der Dash 8

ticker-nepal

Nepal erhöht Kerosinpreise um 78 Prozent

Flughafen Kathmandu: Nichts geht mehr.

Armee umstellt Flughafen Kathmandu - Betrieb eingestellt

ticker-spicejet

Spicejet fliegt nach zehn Jahren Pause wieder nach Kathmandu

Video

03cb5639-a63e-4644-b420-139634c38344
Die abgelegenste bewohnte Insel der Welt kämpft mit der Angst vor einem Hantavirus-Ausbruch. Nun warf ein britischer Airbus A400 M medizinisches Material über Tristan da Cunha ab – begleitet von Fallschirmjägern und Notfallmedizinern.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Der Airbus A321 Neo von Frontier: Die Passagiere verließen das Flugzeug über die Notrutschen.
Dramatische Szenen am Flughafen Denver: Ein Airbus A321 Neo von Frontier Airlines stoppte den Startlauf abrupt, nachdem das Flugzeug eine Person auf der Piste erfasst hatte.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Absturzstelle: Hier prallte der Jet ins Gebirge.
Der Absturz von Flug MU5735 beschäftigt Ermittlungsbehörden seit mehr als vier Jahren. Jetzt deuten neue Daten darauf hin, dass es im Cockpit der Boeing 737 von China Eastern Airlines vor dem Crash zu einem Kampf um die Kontrolle kam.
Laura Frommberg
Laura Frommberg