Letzte Aktualisierung: um 14:09 Uhr
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Räder drehen, Schlitze zukleben, Lüften

Auch geparkte Flieger brauchen viel Aufmerksamkeit

Mit der sachgerechten Lagerung ist es nicht getan. Auch in der Corona-Krise stillgelegte Flugzeuge können nicht einfach so herumstehen. Ein Besuch vor Ort bei den Technikexperten von Helvetic Airways.

Ein Mal pro Woche fährt Yanick Grubenmann zum Militärflugplatz Dübendorf. Dort, rund sieben Kilometer Luftlinie von Zürich entfernt, parken die drei großen Schweizer Fluglinien einen Teil der Flugzeuge, die sie wegen der Corona-Krise nicht brauchen können. Zwei Dutzend Jets stehen parallel aufgereiht auf der ehemaligen Piste 15/33.

Grubenmann parkt seinen Wagen auf dem Gelände des Flugplatzes und schreitet an den stillgelegten Airbus A320 von Swiss und Edelweiss entlang, bis er zum Grund seines Besuches kommt. Ganz am Ende der ehemaligen Startbahn stehen vier Embraer E190 von Helvetic Airways. Bei der Wet-Lease-und Regionalairline ist Grubenmann für die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit verantwortlich.

Räder werden gedreht

Die Jalousien der Flieger sind heruntergezogen, die Cockpitscheiben abgedeckt, die Triebwerke und Fahrwerke verkleidet, alle Öffnungen zugeklebt. So stellen Grubenmann und sein Team sicher, dass die E190 beim Neustart nach der Corona-Krise in tadellosem Zustand sind. Doch mit der sachgerechten Lagerung ist es nicht getan.

Die vier Jets müssen auch jede Woche ein Mal gewartet werden. Yanick Brunner und Tommy Speed sind bereits an der Arbeit, als Grubenmann zu ihnen stößt. Die beiden lizenzierten Flugzeugtechniker haben zuvor alle sechs Räder der Flieger um ein Drittel gedreht.

Gefahr von platten Stellen

«Dadurch verhindern wir Standschäden», sagt der Chef Lufttüchtigkeit. Das Gewicht des Fliegers könne platte Stellen an den Reifen verursachen. «Das Fahrwerk ist ja nicht dafür gemacht, diese Gewichtskraft permanent zu ertragen.»

Einige Fluggesellschaften nutzen für das Drehen der Räder ein Schleppfahrzeug. Bei Helvetic setzt man auf Muskelkraft. Die Flugzeugtechniker von Helvetic schieben einen blauen Wagenheber unter das Fahrwerk und setzen ihn bei der Noppe zwischen den Rädern an. Dann pumpen sie.

Jets werden mit Muskelkraft gehoben

Mehrere Tonnen heben sie so in die Höhe. Eine leere E190 wiegt rund 27 Tonnen. «Am Abend, nach vier Flugzeugen, merkt man schon, dass man etwas getan hat», sagt Brunner. Damit er und sein Kollege beim nächsten Mal noch wissen, wie fest ein Rad gedreht wurde, markieren sie die Stelle mit Klebeband und notieren das Datum darauf.

Gleichzeitig testen die Techniker von Helvetic Airways den Reifendruck. «Zehn Prozent höher als normal muss er sein», weiß Grubenmann. Auch das Überprüfen der Tanks auf Fremdkörper gehört zu ihrer wöchentlichen Aufgaben. «Das Wasser wird aus den Treibstofftanks abgelassen, um eine Kontaminierung zu verhindern», so Grubenmann.

Defekte Folie ersetzen

Die einzelnen Prüfschritte verlangt es das Handbuch von Embraer. Was genau bei längerem Herumstehen der Flugzeuge getan werden muss, schreibt der Flugzeughersteller akribisch vor. «Wir übernehmen die Checklisten und passen sie da und dort auf unsere Verhältnisse an», sagt Lufttüchtigkeitsverantwortlicher Grubenmann.

Techniker Speed kontrolliert derweil, ob alle Öffnungen noch gut verklebt sind. «Staub und Dreck können dem Flugzeug schaden», sagt er. Haftet die hellblaue Folie nicht mehr richtig, ersetzt er sie.

Und kräftig durchlüften

Die Experten von Helvetic Airways arbeiten nicht nur außerhalb, sondern auch im Flugzeug. «Wir öffnen die Türen der Kabine, um sie durchzulüften», sagt Grubenmann. Aber auch die Schränke und Öfen in der Bordküche öffnen sie. «So prüfen wir, ob sie noch einwandfrei funktionieren und lassen Feuchtigkeit entweichen».

Grubenmann und sein Team werfen aber auch das Hilfstriebwerk an, das man im Jargon abgekürzt APU nennt, was für auxiliary power unit steht. Es treibt auch die Klimaanlage an. Läuft sie einige Minuten, wird Feuchtigkeit beseitigt, die im Stehen schon mal entstehen kann.

Ein Mal im Monat zusätzliche Arbeiten

Alle vier Wochen gibt es für Grubenmann und sein Team noch mehr zu tun als bei den wöchentlichen Besuchen. Dann steht der große Check an. Die Experten prüfen die gesamte Flugsteuerung. «Dazu lassen wir auch die Triebwerke für rund 20 Minuten laufen», sagt er. So bringe man das Öl auf Temperatur und beseitige Wasser- oder Feuchtigkeitsrückstände.

Grubenmann und alle Mitarbeiter von Helvetic Airways hoffen, dass sie diesen Job nicht mehr lange machen müssen. Nicht weil er langweilig ist, sondern weil sie ihre Flugzeuge lieber woanders sehen als in Dübendorf: am Himmel.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen von den Arbeiten von Helvetic Airways an den geparkten Flugzeugen.

 



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