Vijay Mallya vor einem Jet seiner Airline: Eine schwierige Entscheidung steht an.

Vijay Mallyas Zwickmühle

Der indische Milliardär kann seine Fluggesellschaft Kingfisher Airlines noch retten. Doch dafür müsste er etwas anderes opfern.

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Eigentlich ist es ein Wunder, dass Kingfisher Airlines überhaupt noch fliegt. Seit Monaten hangelt sich die Fluggesellschaft mit ihren massiven Finanzproblemen von einem rettenden Strohhalm zum nächsten - nur um letztlich wieder enttäuscht zu werden. Erst in der vergangenen Woche verweigerten Banken der Fluggesellschaft erneut neue Kredite. Vijay Mallya schöpfte dennoch wieder Hoffnung, bald wieder aus den Schulden zu kommen. Denn die indische Regierung hatte zuvor erlaubt, dass ausländische Investoren bis zu 49 Prozent an Unternehmen des Landes halten können. Nun befinde man sich in Gesprächen mit Investoren hieß es.

Doch ein ernsthaftes Interesse scheint an Kingfisher niemand zu haben. Potentielle Investoren, über die man in der Branche munkelte, hatten der Airline immer wieder eine Absage erteilt. Kein Wunder: Gehälter kann die Airline schon länger nicht zahlen. Piloten streiten, Ingenieure streiken, Flugbegleiter streiken. Erst am heutigen Montag (1. Oktober) wurde wieder bekannt, dass zahlreiche Flüge wegen der Arbeitsverweigerung frustrierter Angestellter gestrichen wurden. Wie viele genau, erklärte man nicht. Wie viele Kingfisher-Flieger noch abheben, ist auch nicht bekannt. Die Airline selbst spricht von etwas zwischen 16 und 20 Jets.

Nur noch ein Bruchteil der Flotte aktiv

Doch laut indischen Medien sind es nur noch sieben von einst über 60 Stück. Sollte das stimmen, wäre Kingfisher noch mehr unter Druck als bisher angenommen. Wenn die Zahl unter fünf fällt, müsste sie den Betrieb laut indischem Luftfahrtgesetz ganz einstellen. Die Rate der Flugausfälle liegt bei 7,5 Prozent, die höchste in ganz Indien. Der Marktanteil von Kingfisher fiel von um die 15 auf inzwischen noch rund drei Prozent. Der Schuldenstand: 80 Milliarden Rupien (rund 1,2 Milliarden Euro).

Angesichts dieser Werte dürfte es für Vijay Mallya alles andere als einfach werden, seine Fluggesellschaft zu retten. Doch unmöglich ist es nicht, das nötige Geld aufzutreiben. Seine Milliarden scheffelte Mallya in der Getränkebranche. Die UB-Group, die er von seinem Vater erbte, ist der einer der größten Hersteller von alkoholischen Getränken der Welt. Sie stellt unter anderem das weltbekannte Kingfisher-Bier her. Wenn der Milliardär einen Teil seiner Anteile an dem Konzern verkauft, könnte er damit Kingfisher Airlines aus der Krise ziehen. Doch Mallyas Imperium und sein Vermögen würden sich durch einen solchen Schritt deutlich verkleinern. Ist ihm die Kingfisher-Airlines-Rettung das nicht wert, so könnte es gut sein, dass die Flugzeuge schon bald gar nicht mehr abheben.

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