Boeing 737-800 von Tuifly: Im deutschen Winter nach Kanada vermietet.

Kritik und VerteidigungTui kürzt bisher nur bei deutscher Fluglinie

Zum Tui-Konzern gehören mehrere Airlines. Doch nur für die deutsche sind bisher drastische Kürzungen bekannt. Das sorgt für Kritik.

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Tuifly baut in Deutschland kräftig ab. Die Airline-Tochter des Reisekonzerns schließt mehrere Standorte, halbiert die angepeilte Flottengröße und streicht Arbeitsplätze. Wie viele Jobs genau wegfallen, werden Gespräche zwischen dem Unternehmen und Arbeitnehmervertretern zeigen. Tui-Konzernchef Friedrich Joussen sagte am Montag (8. Juni) laut der Nachrichtenagentur Reuters aber: «Wir reden über 900 Vollzeitstellen.»

Die Vereinigung Cockpit kritisiert das scharf. «Der Tui-Konzern darf Corona-Staatshilfen nicht missbrauchen, um tarifgebundenes Personal in Deutschland abzubauen», so die Pilotengewerkschaft. Das Unternehmen hatte im April einen Kredit der staatlichen Förderbank KFW in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erhalten. Aktuell gibt es Berichte über weiteren Finanzbedarf.

Kürzungen bisher nur bei deutscher Tuifly

Die Gewerkschaft vermutet, dass die deutsche Konzernairline Tuifly bei einer guten Buchungslage im Winter 2020/21 und Sommer 2021 Kapazitäten hinzukaufen müsste, auch im Ausland. «Der Konzern darf die staatlichen Hilfen, die als kurzfristige Überbrückung für die derzeitigen Ausfälle gedacht sind, nicht missbrauchen, um langfristig Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.»

Tuifly- Angestellte kritisieren zudem, dass nur in Deutschland abgebaut wird: «Die anderen Tui-Airlines sehen sich nicht mit einem derart massiven Stellenabbau konfrontiert - obwohl zum Beispiel Großbritannien deutlich stärker unter den Auswirkungen von Corona zu leiden hat», sagt ein Betroffener zu aeroTELEGRAPH.

Tui verweist auf andere Marktgegebenheiten...

Tui hat auch Airline-Töchter in Belgien, den Niederlanden, Großbritannien und Schweden. Kürzungspläne für diese Fluggesellschaften sind bisher nicht bekannt. «In den anderen Ländern herrschen andere Marktgegebenheiten», sagt eine Tui-Aviation-Sprecher.

So gebe es etwa in Großbritannien nach den Pleiten von Monarch Airlines (2017) und Thomas Cook (2019) immer noch eine Unterversorgung. «Dort hatten wir vor der Corona-Krise für den Sommer eigentlich geplant, im zweistelligen Bereich Flugzeuge hinzu zu leasen.»

... und Flotten

Zudem seien die Flotten unterschiedlich aufgebaut, argumentiert Tui. «In den anderen Ländern hat Tuifly Winterflotten und im Sommer leasen sie Flieger hinzu», sagt der Sprecher. «In Deutschland ist es umgekehrt: Wir haben eine Sommerflotte und im Winter vermieten wir eigentlich immer rund zehn Flugzeuge nach Kanada.» Dort fliegen sie für die Tui-Beteiligung Sunwing Airlines.

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