Für Lufthansa Group und Air France-KLM wird es im Poker um Tap Air Portugal bald ernst. Nachdem sie bis zum 2. April ein Angebot einreichten, prüfte die staatliche Holding Parpública, die für den Verkauf zuständig ist, die beiden unverbindlichen Offerten. Sie erstellte eine Bewertung, die sie der Regierung übermittelte. Der Ministerrat lädt die beiden Konzerne aufgrund der Analyse und ihrer eigenen Einschätzung danach ein, verbindliche Angebote abzugeben. Das passiert bis zum Sommer.
Nun hat die portugiesische Regierung weitere Details zum Zeitplan für die Privatisierung der Nationalairline bekannt gegeben. Demnach soll bereits im September feststehen, wer der strategische Partner wird. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz erklärte laut der Zeitung O Journal Economico, der ausgewählte Investor könne bereits 2026 gemeinsam mit dem bestehenden Management bei der Führung von Tap mitwirken.
Nur noch zwei Kandidaten im Rennen um Tap
Bis die Beteiligung übertragen wird, dauert es aber noch. Frisches Kapital werde jedoch voraussichtlich erst im Sommer 2027 an Tap fließen, so Luz. Als Grund nannte der Minister die umfangreichen Prüfungen und Genehmigungsverfahren auf europäischer Ebene, die den Prozess erheblich verlängerten.
Im Rennen um Tap sind mit Lufthansa Group und Air France-KLM nur noch zwei Kandidaten. Die International Airlines Group IAG mit British Airways und Iberia hat sich gegen eine Offerte entschieden. Beide verbliebenen Konzerne haben nicht nur unverbindliche Angebote eingereicht und dabei auch strategische Konzepte für die Zukunft von Tap vorgelegt. Nun geht der Verkaufsprozess in die entscheidende Phase.
Air France-KLM und Lufthansa müssen Portugal stärken
Portugal plant, 44,9 Prozent der Anteile an einen strategischen Investor zu verkaufen. Weitere fünf Prozent sollen an die Mitarbeitenden gehen. Dabei spielt nicht nur der Kaufpreis eine Rolle. Die Regierung verlangt auch Zusagen zur künftigen Entwicklung der Fluggesellschaft. Ein Käufer muss unter anderem garantieren, das Drehkreuz Lissabon zu stärken, das Streckennetz auszubauen und die Bedeutung der weiteren portugiesischen Flughäfen zu sichern.
Für Lufthansa Group und Air France-KLM ist Tap vor allem wegen ihrer starken Stellung auf den Verbindungen nach Südamerika attraktiv. Die portugiesische Fluggesellschaft verfügt über ein dichtes Netz nach Brasilien und kommt auf einen Marktanteil von rund einem Viertel des Verkehrs zwischen Europa und dem größten Land Südamerikas. Genau dieser Zugang macht Tap zu einem der begehrtesten Übernahmeziele im europäischen Luftverkehr.
Gewerkschaft warnt vor Lufthansa Group als Käuferin
Der Verkaufsprozess wird allerdings nicht nur von wirtschaftlichen Interessen begleitet. Auch die Beschäftigten verfolgen ihn aufmerksam. Die portugiesische Pilotengewerkschaft hatte zuletzt vor einem Einstieg der Lufthansa Group gewarnt und auf frühere Arbeitskonflikte innerhalb des Konzerns verwiesen. Die Gewerkschaft betonte zwar, keinen Interessenten grundsätzlich ausschließen zu wollen. Sie forderte jedoch, dass die künftigen Eigentümer stabile Arbeitsbeziehungen und den Respekt vor Tarifverhandlungen nachweisen müssten.
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