Gäbe es einen Preis für den meistgefilmten Kampfhubschrauber der Welt, dann würde ihn der Boeing AH-64 Apache erhalten. Der dunkle Vogel mit seiner unverkennbaren Silhouette wird nicht nur auf Luftfahrtmessen und in TV-Reportagen gerne ins rechte Licht gerückt. Auch Hollywood kann von dem Zweisitzer kaum genug bekommen, etwa in Filmen wie «Courage Under Fire» (1996), «Broken Arrow» (1996) oder «The Incredible Hulk» (2008).
Der zweimotorige Apache (das Wort wird «A-PAT-schie» ausgesprochen und bezieht sich auf den berühmten indigenen Stamm im Südwesten der USA) wurde ab 1973 ursprünglich von Hughes Helicopters im Auftrag der US Army dafür konzipiert, sowjetische Panzerspitzen auf ihrem möglichen Marsch nach Westeuropa aufzuhalten. Später wurde er auch wichtig, um gegen Rebellen andernorts die Oberhand zu behalten. Dabei sollte er sich mit Tiefflugfähigkeiten sowohl im dicht besiedelten, gebirgigen und bewaldeten Europa als auch in den Dschungelweiten Asiens und über Gewässern bewähren.
Boeing AH-64 Apache für alle Gefechtsfelder gewappnet
Während des Kalten Krieges ging in der Nato die Angst um, die waffenmäßig überlegenen Warschauer-Pakt-Truppen unter der Führung Moskaus könnten in einem konventionellen (also nichtatomaren) Feldzug im Handstreich bis an den Rhein vordringen, um Ost- und Westdeutschland unter dem Banner des Kommunismus zu vereinen. Dabei spielten auch die Lehren aus dem Vietnamkrieg eine Rolle. Dort verloren die Amerikaner über 5500 Hubschrauber, oft vom recht verwundbaren Typ Bell UH-1 Iroquois in asymmetrischen Gefechten. Häufig erzielten die Nordvietnamesische Armee und der Vietcong bereits mit primitiven Handfeuerwaffen Treffer auf Chopper der US-Army und der Air Cavalry. Also musste eine Art «fliegender Panzer» her.
1984 übernahm McDonnell Douglas dann Hughes Helicopters und 1997 kaufte Boeing schließlich McDonnell Douglas. Seitdem heißt das Flaggschiff Boeing AH-64 Apache, zwei Versionen tragen die Namen AH-64D Apache Longbow und AH-64E Apache Guardian. Die 16 Raketen vom Typ AGM-114-Hellfire, mit denen der AH-64 bestückt werden kann, und eine 30-Millimeter-M230-Kettenkanone mit bis zu 1200 Schuss pro Minute lehren dem Feind auf dem Boden das Fürchten. Kein Infanterist und kaum ein gepanzertes Fahrzeug soll vor dem 17,8 Meter langen Apache sicher sein - egal ob im Mischwald, im Dschungel oder in der Wüste. Für den Dogfight in der Luft können FIM-92-Stinger-Lenkflugkörper eingesetzt werden, theoretisch auch die effektivere Sidewinder-Rakete.
Geschwindigkeit, Waffenstatus, Zieldaten direkt im Sichtfeld
Dabei wussten die Entwickler von Beginn an, dass der Prototyp und die Endversion «nur» 300 Kilometer pro Stunde schnell fliegen können, im Gegensatz zum russischen (damals sowjetischen) Mi-24 (Nato-Code: Hind, für Hirschkuh), der seit 1969 flog und 335 Kilometer pro Stunde erreichte. Der Apache (Rotordurchmesser: 14,6 Meter) kann der Hirschkuh (17,3 Meter) also nie wegfliegen. Der Clou des Apache liegt in seiner Wendigkeit: Der Amerikaner ist agiler, kann schneller hinter Hügeln und Baumwipfeln abtauchen und wie aus der Pistole geschossen wieder auftauchen - als eine Art «Jäger aus der Deckung» nach dem Prinzip der Gebirgsjäger oder der Scharfschützen. Die Sitze des Pilotentandems sind mit Kevlar verstärkt, Schleudersitze besitzt der Apache nicht.
Der russische Widersacher kann zudem bis zu acht Soldaten mit an Bord mitnehmen, der AH-64 dagegen keine. Dafür hat der Amerikaner IHADSS, eines der bekanntesten Systeme des AH-64 Apache. IHADSS steht für Integrated Helmet and Display Sighting System, zu Deutsch: Integriertes Helm- und Zielerfassungssystem. Der Pilot und der Waffensystemoffizier tragen einen speziellen Helm mit einem Monokel vor dem rechten Auge. Über das IHADSS werden Flugdaten wie Geschwindigkeit, Flughöhe, Kurs, Waffenstatus, Zieldaten sowie die Bilder der Wärmebildkamera direkt in das Sichtfeld eingeblendet. So können beide Insassen den Blick nahezu permanent nach außen richten, anstatt auf die Instrumentenanzeigen im Cockpit starren zu müssen.
AH-64 Apache: Maschine folgt Mensch
Die eigentliche Besonderheit des IHADSS besteht darin, dass der Rotorluftjäger gewissermaßen dorthin «schaut», wohin der Pilot oder Waffensystemoffizier blickt. Sensoren erfassen jede Kopfbewegung: Dreht der Pilot den Kopf nach links, rechts, oben oder nach unten, schwenkt die 30-mm-M230-Bordkanone automatisch in die jeweilige Blickrichtung. Dieses Folgesystem ist ein entscheidender Vorteil im Luftkampf und bei der Luftnahunterstützung.
Im ersten Golfkrieg eröffnete ein Geschwader aus AH-64 die Operation «Desert Storm», als es zusammen mit MH-53 Pave Low mit lasergelenkten Hellfire-Missiles frühe irakische Radarstellungen ausschaltete. Der Befehlshaber in Bagdad wurde quasi blind und taub. Das AN/APG-78 Longbow-Radar des Choppers zählt bis heute zu den leistungsfähigsten Feuerleitradaren eines Luftkavalleristen.
Diese Länder setzen auf den AH-64 Apache
Der AH-64 Apache ist einer der weltweit am weitesten verbreiteten Kampfhubschrauber. Die USA sind größter Betreiber mit mehreren hundert AH-64D und AH-64E. Das Vereinigte Königreich betreibt den AH-64E Apache als Standard-Kampfhubschrauber. Deutschland fliegt keinen Apache (maximales Startgewicht: 10,4 Tonnen), sondern den leichteren Eurocopter Tiger (6,6 Tonnen). Kunden des Ungetüms aus dem Hause Boeing sind neben den USA:
- Niederlande
- Griechenland
- Ägypten
- Saudi-Arabien
- Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
- Katar
- Kuwait
- Marokko (AH-64E)
- Israel
- Indien
- Indonesien
- Japan
- Südkorea
- Singapur
- Australien
- Taiwan
- Polen (bestellt)
- Marokko (bestellt)
Boeing selbst bezeichnet den AH-64 Apache auf seiner Webseite als «einen der modernsten und kampferprobtesten Kampfhubschrauber der Welt». Die US-Armee verpasst ihm das Etikett «schwerer Angriffshubschrauber». So gilt er neben der General Dynamics F-16 Fighting Falcon, der Fairchild Republic A-10 Thunderbolt II und dem Hauptkampfpanzer M1 Abrams als eines der bekanntesten US-amerikanischen Militärsymbole der letzten Dekaden.
Nachfolger für AH-64 Apache ist noch nicht in Sicht
Der Apache kam auch im Afghanistankrieg 2001 und im Irakkrieg 2003 sowie während der langjährigen US-geführten Militärpräsenz im Irak (2003–2011) und Afghanistan (2001–2021) zum Einsatz. Und in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 2026 ging ein US-Army-AH-64-Apache nahe der Küste Omans beziehungsweise in der Region der Straße von Hormus verloren. Die zwei Besatzungsmitglieder wurden nach etwa zwei Stunden von US-Kräften gerettet. Über die Absturzursache hüllt sich Centcom in Schweigen.
Einen Nachfolger für den Apache gibt es (noch) nicht. Stattdessen wird der unermüdliche Krieger der Lüfte kontinuierlich modernisiert. Die AGM-179 JAGM (Joint Air-to-Ground Missile) – die Nachfolgerin der Hellfire – beispielsweise kombiniert Laser- und Millimeterwellen-Radarsucher. Die von Lockheed Martin entwickelte Waffe wird seit 2022 schrittweise bei der US Army eingeführt.
Fundierte Recherchen, Einordnung und Unabhängigkeit: Unsere Fachredaktion kennt die Luftfahrt aus Interviews, Daten und Recherchen vor Ort. Für den Preis eines Kaffees im Monat unterstützen Sie diese Arbeit und lesen aeroTELEGRAPH ohne Werbung. Ihre Unterstützung macht den Unterschied. Jetzt hier klicken und abonnieren