Flugzeug von Air Europa: Die Fluglinie wurde nicht mehrheitlich von IAG übernommen.

KonsolidierungLufthansa Group, Air France-KLM und Co. wird es freuen: EU will Regeln für Übernahmen lockern

Während Europas große Airline-Gruppen immer weiter wachsen, geraten kleinere Fluggesellschaften zunehmend unter Druck. Beteiligungen und Übernahmen prägen den Markt, doch bislang setzen strenge Wettbewerbsregeln enge Grenzen. Das könnte sich bald ändern.

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Der Trend in der europäischen Luftfahrt geht schon lange in diese Richtung: Die großen Airline-Gruppen - namentlich Lufthansa Group, IAG und Air France-KLM - wachsen. Derweil haben es kleinere Fluggesellschaften, die keine Billigflieger sind, zunehmend schwer, alleine zu überleben. Zuletzt beteiligte sich die Lufthansa-Gruppe an ITA Airways und Air France-KLM an SAS. Beide planen, die Mehrheit an der jeweiligen Fluglinie zu übernehmen.

Ein anderes Vorhaben scheiterte: Die britisch-spanische IAG übernahm zwar 20 Prozent an Air Europa, verzichtete aufgrund der Auflagen der EU-Wettbewerbshüter allerdings nach langem Hin und Her auf eine Übernahme der spanischen Fluggesellschaft. Schließlich sicherte sich stattdessen Turkish Airlines einen Anteil von 26 Prozent an Air Europa.

Mehr «europäische Champions» durch lockerere Regeln?

In Zukunft könnte das womöglich anders laufen. Denn wie die Zeitung Financial Times berichtet, plant die EU die größte Lockerung ihrer Regeln für Unternehmensfusionen seit Jahrzehnten. Dabei geht es zwar nicht speziell um die Luftfahrt, oder konkret um eine andere Branche, aber es hätte eben auch Folgen für die Luftfahrt und für Airline-Übernahmen.

Laut einem Entwurf der Leitlinien, der der Financial Times vorliegt, möchte die Europäische Kommission bei der Entscheidung über die Genehmigung von Fusionen «Innovation, Investitionen und die Widerstandsfähigkeit des Binnenmarktes» stärker gewichten. Ziel sei es laut der Zeitung, mehr «europäische Champions» möglich zu machen, die sich im globalen Wettbewerb mit Unternehmen aus den USA und China behaupten können.

Das sind die Argumente für und gegen eine Lockerung

«Die Leitlinien stellen einen Bruch mit der Vergangenheit dar», sagte ein EU-Beamter und sprach von einem «ambitionierten Ansatz, der die Realität des zunehmend herausfordernden globalen Wettbewerbs widerspiegelt». Es handelt sich dabei noch um Vorschläge, noch nicht um eine beschlossene Sache. Die Kommission wollte keinen Kommentar abgeben.

Das Argument der Gegner: Eine Lockerung der Beschränkungen würde Innovationen und Investitionen bremsen sowie für Verbraucherinnen und Verbraucher höhere Preise bedeuten. Die neue Leitlinie hält dagegen, im veränderten geopolitischen Kontext habe sich die Wirtschaft «hin zu innovationsintensiveren Sektoren verlagert, in denen sowohl Größe als auch Innovation für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind». Verbraucherinnen und Verbraucher würden auch von Faktoren wie stärkeren Lieferketten profitieren.

Attestor sucht einen Investor für Condor

Die EU-Kartellwächter sollen daher künftig den Auswirkungen von Fusionen auf «Größe, Innovation, Investitionen und Resilienz als wettbewerbsfördernde Faktoren, die von einer gewissen Konsolidierung profitieren können», mehr Aufmerksamkeit schenken.

In der Luftfahrt laufen derweil die Verhandlungen über Beteiligungen und Übernahmen weiter. Eine Beteiligung: Condors Mehrheitseigentümer Attestor sucht einen Investor, der die 49 Prozent an er deutschen Fluglinie übernimmt, die aktuell noch beim Staat liegen. Dieser Investor soll am besten aus der Luftfahrt kommen und groß genug sein, damit er «uns auf Einkaufsseite Synergien bringt, oder auf der Verkaufsseite entsprechenden Marktdruck erzeugt», sagte Condor-Chef Peter Geber im Interview mit aeroTELEGRAPH.

Lufthansa und Air France-KLM bieten für Tap - Lob für EU-Pläne

Lufthansa Group und Air France-KLM wollen zudem bei Tap Air Portugal einsteigen und haben dafür Offerten beim portugiesischen Staat eingereicht. Air-France-KLM-Chef Ben Smith lobt die EU-Pläne zur Lockerung der Fusionsregeln. «Es ist positiv, dass die Europäische Union dies erkannt hat», sagte Smith laut der Zeitung La Tribune. Nun müssten Taten folgen. «Wir brauchen europäische Marktführer, die in der Lage sind, gegen Konkurrenten anzutreten, die allzu oft von günstigeren Bedingungen profitieren», so Smith.

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