Der Iran-Krieg macht Flüge in den Nahen Osten aktuell unmöglich und Flüge nach Asien zur Herausforderung. Daher schaut ITA Airways für ihre Expansion derzeit Richtung Westen.
So werde man einen neuen Airbus A330 Neo etwa hauptsächlich in Richtung USA einsetzen, sagt Airline-Chef Jörg Eberhart im Gespräch mit der Zeitung Corriere Della Sera. «Ab dem 1. Mai wird der A330 Neo nach Houston fliegen, wo die Nachfrage, insbesondere aus den USA, hoch ist», so Eberhart. ITA ist ebenfalls an Flügen von Rom nach Newark interessiert. Aber: «Das hängt von den Slots, dem Terminal und der Abfertigung ab, was in Newark nicht einfach ist», sagt der Manager. Denkbar wäre ein Start im Sommer, etwa im Juli oder August.
«Wir verhandeln mit Lufthansa über zusätzliche A350»
Gefragt nach Alternativen zu Newark sagt Eberhart: «Wir könnten die Frequenzen auf bestehenden Südamerika-Strecken erhöhen oder Washington stärken.» Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. «Persönlich bevorzuge ich Newark: United ist dort stark vertreten, und wir haben gute Verbindungen dorthin, ebenso wie nach Houston.»
Was die generelle Südamerika-Strategie angehe, habe man bereits die Routen nach Rio, São Paulo und Buenos Aires gestärkt. «Für eine weitere Expansion bräuchten wir A350. A330 Neos sind zwar eine Option, aber die A330-200 sind begrenzt verfügbar», sagt der Airline-Chef. «Wir verhandeln mit Lufthansa über zusätzliche A350 für die Jahre 2028 bis 2030.» Das sei ein sehr positives Signal und zeige Potenzial des italienischen Marktes.
Fliegt ITA Airways künftig nach Lima und Santiago de Chile?
Lufthansa Group hält aktuell 41 Prozent an ITA Airways, hat aber die Option, die Mehrheit an der Fluggesellschaft zu übernehmen. Die italienische Fluglinie betreibt derzeit sechs Airbus A350-900. Lufthansa Group hat bei Airbus noch offene Bestellungen für 21 weitere A350-900 sowie 15 Airbus A350-1000. In der Gruppe fliegen bisher Lufthansa, ITA Airways, Swiss und Edelweiss mit A350. Ab Mitte 2027 wird auch Discover Airlines vier A350-900 erhalten.
ITA-Chef Eberhart sagt im Interview, mehr A350 würden auch Flüge zu neuen Südamerika-Zielen möglich machen. «Zum Beispiel nach Lima oder Santiago. Das Problem bei diesen Strecken ist ihre Länge, und die Flugzeuge starten nur voll besetzt, wenn die Preise niedrig sind; ansonsten fliegen sie leer», so der Manager. «Sobald wir jedoch vollständig integriert sind, könnten die Passagierströme zu Zielen, die von anderen Fluggesellschaften der Gruppe nicht bedient werden, über Rom geleitet werden, wodurch diese Strecken rentabel würden.» Eine Aufstockung von Lufthansa Group auf 90 Prozent an ITA könnte schon im Juni erfolgen.
ITA erwägt, A321 Neo stillzulegen und Triebwerke abzunehmen
Derweil stellt die geopolitische Lage ITA beim Airbus A321 Neo vor Herausforderungen. «Er ist für bestimmte Märkte gedacht, von denen viele schwach oder schwer erreichbar sind», so Eberhart. «Einige afrikanische Strecken – Dakar und Accra – werden weiterhin bedient, allerdings mit mäßigen Ergebnissen.» Dort seien zwei Flugzeuge im Einsatz. «Andere Ziele sind gesperrt. Jeddah war schwach, Kuwait-Stadt ist vorübergehend ausgesetzt, Moskau und St. Petersburg wären interessant, aber nicht realisierbar.» Bei einem derart begrenzten Einsatz sei eine kleine Flotte nicht effizient, sagt Eberhart. «Wir werden möglicherweise einige Flugzeuge vorübergehend stilllegen und ihre Triebwerke für andere nutzen.»
Was den gestiegenen Treibstoffpreis angeht, ist ITA laut Eberhart vorerst abgesichert: «Etwa 80 Prozent in den nächsten neun Monaten. Wir haben uns direkt gegen Schwankungen beim Kerosin abgesichert, einschließlich des 'Crack Spread', also der Raffineriemargen.» Der Manager rechnet durch den Krieg in Nahost im schlimmsten Fall mit etwa 50 Millionen Euro Mehrkosten.
ITA Airways wird Ticketpreise 2026 um 5 bis 10 Prozent erhöhen
Die Lage werde «unvermeidlich» auch zu höheren Flugpreisen führen. «Für 2026 müssen wir sie möglicherweise um 5 bis 10 Prozent anpassen», so Eberhart. Eine Angabe für 2027 zu machen, sei schwierig. «Unsere Absicherung für Flugtreibstoff wird auf etwa 20 Prozent sinken, sodass das Risiko steigt, wenn der Konflikt andauert.» Treibstoff mache etwa 25 bis 30 Prozent der Betriebskosten aus. «Wenn sich die Preise verdoppeln, steigen die Kosten um etwa 25 Prozent, sodass die Ticketpreise entsprechend angepasst werden müssten.» Allerdings könnte schon eine Ticketpreis-Erhöhung um nur 5 Prozent die Nachfrage drücken.
Aktuell gelte noch: «Unsere Flüge nach Tokio, Bangkok und Delhi sind ausgebucht», so der ITA-Chef. «Im weltweiten Flugverkehr fehlen über 500 Flugzeuge – genau die, die von den Fluggesellschaften aus der Golfregion eingesetzt werden.» Das sei aber nur vorübergehend. «Sobald sie zurückkehren, wird sich die Kapazität schnell wieder normalisieren.»
Drei Szenarien zur Dauer der Krise im Nahen Osten
Die Fluggesellschaft hat aus wirtschaftlicher Sicht drei Szenarien dazu untersucht, wie lange die Nahost-Krise noch dauern könnte. «Das optimistische Szenario – das bereits hinter uns liegt – endete im März», erklärt Eberhart. «Das mittlere Szenario endet Ende April. Das Worst-Case-Szenario dauert bis September an.» Vieles werde davon abhängen, wie schnell die Fluggesellschaften aus der Golfregion ihre Kapazitäten wiederherstellen könnten.
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