Embraer E190 von Tap Express: Ein Käufer muss das Drehkreuz Lissabon erhalten und stärken.

Sozialer FriedenPortugals Pilotengewerkschaft warnt vor Lufthansa Group als Tap-Käufer

Im Bieterprozess um die portugiesische Nationalairline wächst der Widerstand: Die Cockpitcrewgewerkschaft stellt sich gegen Lufthansa Group und warnt vor Folgen für das Arbeitsklima und das Drehkreuz Lissabon.

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Am 2. April war Einsendeschluss. Bis dahin mussten die drei eingeladenen Airline-Konzerne ihre unverbindlichen Offerten einreichen. Während IAG mit British Airways und Iberia darauf verzichtete, haben Air France-KLM und Lufthansa Group Angebote mit detaillierten strategischen Plänen für Tap eingereicht. Der portugiesische Staat will 44,9 Prozent der Nationalairline verkaufen.

Tap Air Portugal ist interessant, weil sie mit einem Marktanteil von rund 24 Prozent bei Flügen zwischen Europa und Brasilien eine Macht ist. Ein Käufer muss garantieren, dass er das Streckennetz erhält und ausbaut, das Drehkreuz Lissabon stärkt und auch die anderen nationalen Flughäfen weiter fördert. Weil die Regierung auch plant, dass fünf Prozent der Aktien von Tap an die Mitarbeitenden gehen, haben auch diese ein Wörtchen mitzureden.

«Den sozialen Frieden [...] ernsthaft gefährden»

Und eine Gruppe hat sich nun gegen Lufthansa Group ausgesprochen. Die portugiesische Pilotengewerkschaft warnte in einem Brief an die Regierung vor der deutschen Gruppe. Diese pflege «unethische gewerkschaftsfeindliche Praktiken». Und würden diese bei Tap eingeführt, würde das «den sozialen Frieden am Arbeitsplatz und die Effizienz des Drehkreuz in Lissabon ernsthaft gefährden», warnt das Sindicato dos Pilotos da Aviação Civil Spac.

Man befürworte zwar die Privatisierung von Tap. Man tue das aber nur, wenn die potenziellen Käufer in technischer, finanzieller und arbeitsrechtlicher Hinsicht eine «solide Eignung» nachweisen könnten, so die Gewerkschaft der portugiesischen Pilotinnen und Piloten. Sie verweist auf anhaltende Arbeitskonflikte, die jüngsten Streiks sowie auf die Kündigung der Vereinbarung über die Freistellung von Gewerkschaftsmitgliedern. Die Schließung von Lufthansa Cityline erwähnt sie nicht, da diese erst nach dem Brief an die Regierung passiert ist. Die Schließung dürfte jedoch die Punkte der Gewerkschaft untermauern.

Keine Verteufelung von Lufthansa Group

Man fordere daher eine «strenge und objektive» Prüfung der Bewertungskriterien und der künftigen vertraglichen Garantien. Die Kultur der Arbeitsbeziehungen, die Achtung von Tarifverhandlungen und der Umgang mit den Arbeitnehmervertretern müsse einbezogen werden, so das Sindicato dos Pilotos da Aviação Civil. Man verteufle Lufthansa Group keineswegs und wolle nicht «einen potenziellen Käufer von vornherein ausschließen», betont es.

Man wolle jedoch klarstellen, dass ein Unternehmen, das sich um eine Beteiligung an Tap bewirbt, nachprüfbar nachweisen muss, dass es Tarifverhandlungen, Arbeitnehmervertreter und stabile Arbeitsbeziehungen respektierte, so die Cockpitcrewgewerkschaft.

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