Airbus A220-300 von Air Baltic in Sonderbemalung: Wie geht es mit der Airline weiter?

Lettische Fluglinie in FinanznotBei Air Baltic spitzt sich die Lage zu

Der Flugbetrieb läuft ganz normal. Doch hinter den Kulissen kämpft Air Baltic an mehreren Fronten gleichzeitig. Die lettische Fluggesellschaft braucht frisches Geld, arbeitet an einer neuen Strategie und verhandelt mit ihren Gläubigern.

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«Unsere Flüge finden statt, Buchungen laufen normal» - gleich zu Beginn eines aktuellen Linkedin-Beitrags versucht Air-Baltic-Chef Erno Hildén zu beruhigen. Die lettische Fluggesellschaft stehe inmitten der arbeitsreichsten Phase des Sommers, der Betrieb laufe wie gewohnt. Doch schon wenige Absätze später wird deutlich, warum sich der Chef der Airbus-A220-Fluglinie überhaupt zu einer solchen öffentlichen Botschaft veranlasst sieht.

Hildén spricht von einer «Stärkung der Kapitalstruktur» und verweist auf eine Versammlung der Anleihegläubiger am 3. August. Mehr könne Air Baltic derzeit wegen börsenrechtlicher Vorgaben nicht sagen. Gerade diese Formulierungen lassen jedoch erkennen, dass hinter den Kulissen an einer Lösung gearbeitet wird, die weit über das Tagesgeschäft hinausgeht.

Seit Monaten hat Air Baltic finanzielle Probleme

Dass sich die finanzielle Lage zuspitzt, zeichnet sich bereits seit Monaten ab. Zwar steigerte Air Baltic den Umsatz im Jahr 2025 auf 779 Millionen Euro und verringerte den Jahresverlust deutlich. Trotzdem schrieb die Fluggesellschaft erneut rote Zahlen. Gleichzeitig wuchsen die kurzfristigen Verbindlichkeiten deutlich.

Hinzu kamen neue Belastungen. Der kräftig gestiegene Kerosinpreis trifft Air Baltic besonders stark, weil nur ein kleiner Teil des Treibstoffbedarfs abgesichert ist. Parallel geriet auch die Anleihe der Fluggesellschaft unter Druck. An den Finanzmärkten wurde sie zeitweise nur noch deutlich unter ihrem Nennwert gehandelt. Das ist ein Zeichen dafür, dass Investoren das Ausfallrisiko inzwischen wesentlich höher einschätzen.

Seit Frühjahr ist Air Baltic auf der Suche nach Lösungen

Deshalb begann das Management schon im Frühjahr, nach Lösungen zu suchen. Zunächst bestätigte Finanzchef Vitolds Jakovlevs, dass neben einer Schuldenrestrukturierung auch eine Kapitalerhöhung geprüft werde. Kurz darauf holte Air Baltic mit Seabury Securities einen spezialisierten Finanz- und Strategieberater an Bord. Dessen Auftrag reicht von einer Überprüfung des Geschäftsmodells bis zur Vorbereitung einer neuen Finanzierung.

Inzwischen zeigt sich die Neuausrichtung auch im operativen Geschäft. Anfang Juli gab Air Baltic zwei geleaste Airbus A220-300 vorzeitig an den Leasinggeber zurück. Die Fluglinie begründete den Schritt mit einer Überprüfung des Kapazitätsbedarfs unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage, der Treibstoffpreise, geopolitischer Unsicherheiten und der Nachfrage. Doch es kann gut sein, dass es bei den zwei Jets nicht bleibt. Aus der Branche ist zu hören, dass noch einige weitere A220 folgen und Air Baltic sich weiter verkleinern könnte.

Wachstum bei Air Baltic gestoppt

Gleichzeitig verabschiedet sich das Unternehmen von seinen bisherigen Wachstumsplänen. Der neue Geschäftsplan, den Air Baltic dem lettischen Staat vorgelegt hat, setzt stattdessen auf eine vorsichtigere Entwicklung und die finanzielle Stabilisierung der Airline.

Der größte Druck entsteht derzeit jedoch durch den kurzfristigen Finanzierungsbedarf. Bereits im April erhielt Air Baltic vom lettischen Staat einen Überbrückungskredit über 30 Millionen Euro, der im August fällig wird. Parallel arbeitet das Unternehmen an einer zusätzlichen Zwischenfinanzierung. Darüber sollen die Inhaber der Anleihe am 3. August abstimmen. Wie viel Geld Air Baltic benötigt, hat sie bislang nicht bekanntgegeben.

Haupteigentümer von Air Baltic ist der lettische Staat

Der lettische Staat bleibt mit gut 88 Prozent der Anteile Haupteigentümer von Air Baltic, die Lufthansa-Gruppe hält 10 Prozent. Für beide dürfte entscheidend sein, wie die Gespräche mit den Gläubigern verlaufen. Denn Hildéns Beitrag macht deutlich, dass die Airline derzeit zwar den Flugbetrieb stabil hält, die eigentlichen Entscheidungen aber im Hintergrund vorbereitet werden. Wenn er schreibt, das Unternehmen werde «zum richtigen Zeitpunkt» mehr Informationen veröffentlichen können, klingt das nach einer Ankündigung größerer Schritte, sobald die laufenden Verhandlungen abgeschlossen sind.

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