Damit fällt ein wesentlicher Teil der noch vor Kurzem angekündigten Flottenmodernisierung vorerst weg. Aktuell betreibt Austrian Airlines vier Boeing 787-9. Den Anfang der Langstreckenmodernisierung machten 2024 die inzwischen sieben Jahre alten OE-LPM und OE-LPL, die zuvor bei Bamboo Airways in Vietnam im Einsatz standen.
Die ab 2027 geplanten fünf Boeing 787 kommen nicht
Im Laufe des Jahres 2026 kamen mit der OE-LPG und der OE-LPI zwei weitere Dreamliner aus den Beständen von Lufthansa hinzu. Beide Flugzeuge stammen ursprünglich von Hainan Airlines. Die OE-LPI, ehemals bei Lufthansa als D-ABPA registriert, wurde im September nach Wien ausgeliefert. Derzeit befindet sie sich für Wartungsarbeiten in Taiwan. Mitte Dezember soll sie erstmals im regulären Betrieb von Austrian Airlines eingesetzt werden. Drei weitere Boeing 787-9 aus dem Bestand von Lufthansa sollen 2027 zur Austrian-Flotte stoßen. Damit wird die Zahl der Dreamliner auf insgesamt sieben steigen.
Ursprünglich sollten ab Ende 2027 zusätzlich fünf fabrikneue Boeing 787-9 direkt vom Hersteller übernommen werden. Es wären die ersten neuen Langstreckenflugzeuge seit drei Jahrzehnten gewesen, die an Austrian Airlines ausgeliefert worden wären. Mit ihnen sollten auch die letzten Boeing 777 aus der Flotte verschwinden. Dieser Plan ist nun hinfällig.
Boeing 777 bleiben mindestens bis Ende 2029
Die Entscheidung der Lufthansa Group hat unmittelbare Folgen für die bestehende Langstreckenflotte. Austrian Airlines bestätigt: «Das bedeutet, dass die Boeing 777 in der Flotte jedenfalls bis Ende 2029/Anfang 2030 betrieben werden.» Ganz ausgeschlossen ist eine andere Lösung für den Ersatz der älteren Langstreckenjets allerdings nicht.
Die Sprecherin erklärt: «Für Austrian Airlines könnte sich eine andere Option realisieren, im Zuge derer die bestehende Boeing-777-Flotte ersetzt werden könnte.» Wie diese Alternative aussehen könnte, lässt die Fluggesellschaft vorerst offen.
Austrian Airlines: Geringe Margen und hohe Standortkosten
Hinter der überraschenden Entscheidung der Konzernmutter in Frankfurt dürften ein Mal mehr die Rahmenbedingungen bei Austrian Airlines stehen. Die österreichische Lufthansa-Tochter erwirtschaftet derzeit eine Marge von lediglich 3,2 Prozent. Damit liegt sie deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 6,8 Prozent. AUA-Chefin Annette Mann hatte vor Kurzem in einem Interview darauf hingewiesen, dass dies einem operativen Gewinn von gerade einmal rund fünf Euro pro verkauftem Flugticket entspreche.
Hinzu kommen die hohen Standortkosten am Flughafen Wien und die österreichische Ticketabgabe. Deren Abschaffung wird seit Langem von der Luftfahrtbranche gefordert. Inzwischen sprechen sich auch zahlreiche österreichische Landespolitiker vehement dafür aus. Wie angespannt die Situation aus Sicht der Airline ist, machte Mann erst kürzlich in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Trend deutlich. «Wien ist der zweitteuerste Standort Europas, daran muss sich etwas ändern. So können wir langfristig hier nicht überleben. Wir stehen an einem Scheideweg: AUA funktioniert zwar operativ sehr gut und die Kundenzufriedenheit ist groß, trotzdem verdienen wir kein Geld.»
Angespannte Situation auf Flugzeugmarkt
Auch die bislang schleppenden Gespräche über die langfristige Absicherung des Luftfahrtstandorts Österreich dürften bei der konzerninternen Entscheidung eine Rolle spielen. Austrian Airlines verweist ausdrücklich auf deren Bedeutung für die weitere Flottenmodernisierung: «Die aktuellen Gespräche zur Standortsicherung mit der österreichischen Politik sind hierbei ein entscheidender Baustein, um die notwendige Erneuerung der Austrian-Langstreckenflotte weiter voranzutreiben.»
Damit verknüpft die Fluggesellschaft die Zukunft ihrer Langstreckenflotte unmittelbar mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen am Standort Wien. Gleichzeitig verweist Austrian Airlines auf die angespannte Situation am weltweiten Flugzeugmarkt. Neue Langstreckenflugzeuge sind knapp, und sowohl Boeing als auch Airbus liegen bei den Auslieferungen teilweise um Jahre hinter ihren ursprünglichen Zeitplänen zurück.
Wann kommt nun die Erneuerung und wie?
Das verschärft auch den Wettbewerb innerhalb von Lufthansa Group um die verfügbaren Flugzeuge. «Entsprechend umkämpft sind Neuauslieferungen, auch innerhalb der Lufthansa Group. Ersatz- und Wachstumsinvestitionen erfolgen dort, wo sie wirtschaftlich langfristig die besten Perspektiven bieten», erklärt Austrian Airlines. Für die österreichische Tochter bedeutet das vorerst den Verzicht auf fünf fabrikneue Dreamliner und einen längeren Einsatz ihrer Boeing 777.
Das einst als größtes Flotteninvestment der Unternehmensgeschichte angekündigte Vorhaben ist damit zumindest in seiner ursprünglichen Form vom Tisch. Wie schnell Austrian Airlines ihre Langstreckenflotte weiter erneuern kann, hängt nun auch davon ab, ob sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen am Standort Wien verbessern.
aeroTELEGRAPH