«Bussi und Baba» ist in Österreich und besonders in Wien eine herzliche und zugleich lockere Abschiedsformel. Im Hochdeutschen würde man vielleicht «Küsschen und tschüss» sagen. In diesem Sinne verabschiedet Austrian Airlines am 1. Dezember die Boeing 767 mit einem «Bussi & Baba»-Rundflug. Und mit diesem Flug - der ausverkauft ist -, wird die 38-jährige Geschichte der Boeing 767 in Österreich enden. Lauda Air war 1988 die europäische Erstkundin, Austrian Airlines ist 2026 die letzte europäische Betreiberin der 767-300 ER.
Seit 23 Jahren fliegt auch Kapitän Michael Umgeher auf der Boeing 767, zuerst als junger Kopilot bei Lauda Air und inzwischen als verantwortlicher Langstrecken-Flottenchef bei Austrian Airlines. Der Pilot, der in seiner Karriere rund 14.000 Flugstunden im Cockpit der Boeing 767 verbracht hat, freut sich über das große Interesse von 767-Fans am Abschiedsflug, aber auch von Kolleginnen und Kollegen bei Austrian Airlines.
Großes Interesse am letzten Boeing-767-Flug
«Die Boeing 767 ist jenes Flugzeug, das am längsten in Österreich geflogen ist, das wird jedem jetzt erst bewusst», sagt Umgeher. «Das wird keine Boeing 787 oder 777 mehr schaffen.» Viele ehemalige Piloten und Techniker hätten ihn angerufen, und gefragt, wie sie einen Platz an Bord des Abschiedsfluges ergattern könnten, erzählt er 52-Jährige.
Umgeher war im März 1997 nach einem zweijährigen Aufenthalt in den USA, wo er seine Pilotenausbildung absolvierte und als Fluglehrer arbeitete, nach Österreich zurückgekehrt und begann eine Karriere als Kopilot auf einem Bombardier Canadair Regional Jet von Lauda Air. Nach zwei Jahren bewarb er sich für einen Platz im Cockpit der Boeing 767.
Schon beim ersten Boeing-767-Abschied feuchte Augen
«Zwischen 1999 und 2001 habe ich dann als Kopilot gearbeitet», erzählt er. «Das war wahrscheinlich auch die entspannteste Zeit in meinem jungen Pilotenleben mit mehrtägigen Zwischenstopps an Traumdestinationen wie Australien oder der Karibik.» Nach einem Zwischenspiel als Kapitän auf der Kurzstrecke wechselte Umgeher Ende 2003 auf den Kapitänssitz der Boeing 767. Doch damit endete seine Ausbildung auf dem Flugzeugtyp nicht: «Seit 2016 arbeite ich als Fluglehrer für die Boeing 767. Kurz vor Corona wurde ich dann 767 Fleet Captain, danach Cheffluglehrer, und seit dem vergangenen Jahr bin ich der verantwortliche Flottenchef der gesamten Austrian-Airlines-Langstrecke.»
Michael Umgeher, Langstrecken-Flottenchef von Austrian Airlines. Martin Dichler
Als er 2021 die erste der sechs Boeing 767 von Austrian in die Wüste zum Flugzeugverwerter brachte, wurde er emotional: «Das war noch weit entfernt von der endgültigen Ausflottung des Flugzeugtyps bei der AUA, und trotzdem hat keiner unserer Crew schon damals mit trockenen Augen das Cockpit verlassen», erinnert er sich. «Es tut halt ein wenig weh, wenn du ein Flugzeug, das technisch und auch in der Kabine in einem Topzustand ist, in die Wüste stellst.» Zum bevorstehenden endgültigen Abschied sagt er: «Es ist schon viel Wehmut in so einem Moment wie jetzt dabei, denn es sind 38 Jahre österreichische Luftfahrtgeschichte, die mit der Boeing 767 ein Ende finden. Da hängen sehr viele persönliche Erinnerungen dran.»
«Anflüge auf anspruchsvolle Flughäfen wie den in Kathmandu»
Im Rückblick freut sich Umgeher aber auch über ein abwechslungsreiches Pilotenleben auf der Boeing 767 mit vielen interessanten Destinationen. «Da waren bei Lauda Air Flüge nach Australien, Hongkong und Bangkok, mit oftmals mehrtägigen Stopps in der Karibik und auf den Seychellen, oder die Anflüge auf anspruchsvolle Flughäfen wie den in Kathmandu», erzählt er. «Wir sind fast alle Inseln der Karibik angeflogen, sind für ein Schweizer Reiseunternehmen über Zürich nach Brasilien geflogen oder waren auch im Kurzstrecken-Chartergeschäft ab Wien oder Innsbruck auf die Kanaren, nach Ägypten oder Griechenland unterwegs.» Diese Abwechslung sei großartig gewesen für einen jungen Piloten.
Und wie sieht es fliegerisch aus? «Wenn man sie mit anderen Flugzeugen, die wir heute betreiben, vergleicht, so war sie ein anspruchsvolles Flugzeug, weil es einfach viel weniger Unterstützung beim Fliegen durch die Computer gegeben hat», so Umgeher über die Boeing 767. «Man musste mehr manuell fliegen, was auch mehr Konzentration erforderte. Die 767 war einerseits leicht durchschaubar, gleichzeitig aber auch anspruchsvoll zu fliegen.»
Austrian Airlines setzte auf Boeing statt auf Airbus
Als Austrian Airlines nach der Übernahme von Lauda Air die nun zusammengewürfelte Langstreckenflotte (Airbus A340 und A330 von Austrian und Boeing 767 und 777 von Lauda) vereinheitlichen wollte, wurde der Boeing der Vorzug gegeben. «Die Boeing 767 war ein sehr zuverlässiges Flugzeug, nicht zu groß, um damit neue Strecken aufzubauen, und hinsichtlich der Reichweite sehr effizient», erklärt Umgeher. Derweil habe der A340 durch seinen vier Triebwerk einen höheren Verbrauch gehabt und sei daher kein Zukunftsmodell gewesen.
Doch bereits 2011 habe es dann erste Gerüchte gegeben, dass zwei Boeing 767 schon bald das Unternehmen verlassen würden, erzählt Umgeher. Aber: «Ein Jahr später hatten die Maschinen plötzlich die treibstoffsparenden Winglets auf den Flügeln.» Dadurch habe man eine fast fünfprozentige Treibstoffersparnis verzeichnet. Fünfzehn Jahre später sei die Boeing 767 nun aber am Ende der wirtschaftlichen Betriebszeit angekommen. «Die letzten drei Flugzeuge sind im Durchschnitt 25 Jahre alt», so Umgeher. «Man hätte wirklich viel Geld in die Wartung stecken müssen, um sie weiter zu betreiben.»
Mitte Dezember geht Austrians letzte Boeing 767 in die Wüste
Bis zum 1. Dezember fliegen die beiden letzten Boeing 767-300 ER abwechselnd auf der Strecke zwischen Wien und Washington D.C. Die Zahl der Cockpitcrewmitglieder ändert sich durch die Umschulung auf die Boeing 787 laufend, wie Michael Umgeher bestätigt: «Das ändert sich bei uns wöchentlich. Aktuell sind es ungefähr 30. Nächste Woche beginnt der nächste 787-Kurs.» Bis Ende des Monats würden es noch rund 13 Boeing-767-Piloten sein.
Sowohl für den Fan-Flug als auch für den Überstellungsflug der letzten Boeing 767 ist der Langstrecken-Flottenchef derzeit als Pilot eingeplant. Der 8. und 15. Dezember sind die angepeilten Termine für die Überstellungen der letzten beiden Flugzeuge nach Arizona.
Ab Januar schult auch Umgeher um auf die Boeing 787
Danach beginnt auch für Michael Umgeher ein neues Kapitel seiner Pilotenlaufbahn mit der Umschulung auf die Boeing 787-9. Am 11. Januar gehe es auch für ihn zum Type-Rating, das vier Wochen Theorie, vier Wochen 787-Flugsimulatortraining am Flughafen Wien und rund vier bis sechs Wochen Fliegen unter Aufsicht beinhalte, sagt er. «Ich freue mich darauf, aber gleichzeitig ist dies für mich natürlich auch eine große Herausforderung.»
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