Europa spielt für Air India eine Schlüsselrolle. Der Kontinent sei «ein Grundpfeiler unserer internationalen Netzwerkstrategie», erklärt Zentraleuropa-Chef Sachin Verma im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. Europa verbinde Indien mit wichtigen globalen Märkten, sowohl im Geschäfts- als auch im Freizeitreiseverkehr. Gleichzeitig lebe hier eine große indische Diaspora, zudem diene der Kontinent als wichtige Brücke zwischen Indien und Nordamerika. Entsprechend groß sind die Ambitionen der Airline.
Auch Deutschland, die Schweiz und Österreich spielen für Air India eine wichtige Rolle. Die Nachfrage aus Frankfurt und Zürich entwickle sich «sehr ermutigend», erklärt Verma. Mit dem weiteren Wachstum der Flotte prüfe die Airline deshalb sowohl höhere Frequenzen als auch neue Ziele in Europa. «Sobald zusätzliche Flugzeuge verfügbar sind, wollen wir dort weitere Kapazitäten einsetzen.»
Air India setzt auf Nonstopflüge und «indische Gastfreundschaft»
Im Wettbewerb mit europäischen Netzwerkairlines wie Lufthansa und den Golf-Anbietern sieht Verma zwei große Stärken. «Unsere größte Stärke sind Nonstopverbindungen und authentische indische Gastfreundschaft», erklärt er. Während viele Konkurrenten auf Umsteigeverbindungen setzten, ermögliche Air India direkte Verbindungen zu den wichtigsten indischen Drehkreuzen.
Gleichzeitig verweist der Manager auf den umfassenden Umbau der Airline unter dem Dach der Tata Group. «Neue Flugzeuge, bessere Zuverlässigkeit und ein Service auf Weltklasse-Niveau» sollten Air India zur «natürlichen Wahl» für Reisende machen, die sowohl Effizienz als auch Herzlichkeit suchten.
Konkurrenz von allen Seiten
Je nach Marktumfeld sieht die Airline unterschiedliche Wettbewerber. «Im Nonstopsegment konkurrieren wir vor allem mit europäischen Netzwerkairlines, im Umsteigesegment eher mit den Golfairlines», so Verma. Entscheidend sei jedoch das eigene Angebot: «Wir bieten direkte, zeitsparende Verbindungen nach Indien.»
Sachin Verma von Air India: Die Airline will sich neu positionieren. Air India
Vor allem Premiumreisende spielen für die Airline eine zentrale Rolle, «insbesondere in Märkten wie Deutschland und der Schweiz», erklärt Verma. Neue Kabinen, Lounges und Loyalitätsprogramme würden gezielt auf diese Kundengruppe ausgerichtet. Gleichzeitig wolle die Fluggesellschaft «beide Segmente mit hoher Qualität und der richtigen Balance bedienen».
Produkt der Fluggesellschaft soll einheitlicher werden
Ein zentrales Element der laufenden Transformation sei die Vereinheitlichung des Produkts. Aktuell gibt es sehr viele verschiedene unterschiedliche Kabinenvariationen auf verschiedenen Flugzeugtypen. Das will man bei Ari India angehen. «Konsistenz ist eine der wichtigsten Säulen unserer Transformation», erklärt Verma.
Die neuen Kabinen in den Airbus A350 und modernisierten Boeing 777 verfügten über «hochmoderne Business-Class-Suiten, Premium Economy und neu gestaltete Economy-Sitze». Auch die Serviceabläufe seien weltweit standardisiert worden. «Egal ob man ab Frankfurt, London oder New York fliegt: Das Produkt und das Serviceniveau von Air India sollen überall gleich sein.»
Indische Identität soll erhalten bleiben
Trotz aller Modernisierung will die Airline ihre indische Identität bewahren. «Darauf sind wir sehr stolz», sagt Verma. Air India habe schon immer für indische Wärme und Gastfreundschaft gestanden. Heute kombiniere man dies mit «globalen Standards bei Service und Effizienz».
Essen, Design und Service sollten weiterhin einen «Touch of India» behalten und gleichzeitig internationale Passagiere ansprechen. Das Echo auf die neuen Kabinen falle bislang positiv aus. Besonders gelobt würden die ruhige Kabine des Airbus A350, das neue Unterhaltungssystem und die vollständig flachen Business-Class-Suiten. «Viele sagen, es fühle sich wie eine komplett neue Airline an – und genau das ist unser Ziel», erklärt Verma.
Indische Airports als alternative zu Dubai und Co.
Zunehmend wichtiger werden laut der Airline Umsteigepassagiere. «Dank der geografischen Lage Indiens und unseres wachsenden Netzwerks nach Südostasien und Australien entwickeln sich Delhi und Mumbai zu attraktiven Drehkreuzen für Reisende aus Europa», erklärt Verma. Immer mehr Passagiere nutzten Indien als Umsteigepunkt in den asiatisch-pazifischen Raum. Gerade jetzt, da Emirates, Etihad und Co. es schwer haben, könnte das für Air India interessant werden.
Beim weiteren Ausbau in Europa sieht Air India allerdings auch Hürden. «Slots an großen europäischen Flughäfen sind definitiv eine Herausforderung, ebenso wie strenge regulatorische Vorgaben und der Wettbewerb», erklärt Verma. Dennoch verfolge die Airline eine langfristige Strategie und sei überzeugt, «nachhaltige Wege für weiteres Wachstum in Europa zu finden».
Air India will Wien und Zürich stärken
Innerhalb Europas würde man besonders gerne Wien und Zürich weiter stärken, so Verma. «Das sind dynamische Märkte mit wachsender Nachfrage im Geschäfts- und Freizeitbereich, die sehr gut zu unserer langfristigen Netzwerkvision passen.» Bei neuen Partnerschaften mit europäischen Airlines hält sich die Fluggesellschaft bedeckt «Wir sind grundsätzlich offen für Partnerschaften, die unseren Kundinnen und Kunden einen Mehrwert bieten», erklärt Verma. Der Fokus liege derzeit jedoch auf dem Ausbau des eigenen Netzwerks und der Verbesserung des Produkts. Gleichzeitig gebe es Gespräche über «erweiterte Interline- und Codeshare-Abkommen», um die Präsenz in Europa weiter auszubauen.
Als größte Herausforderungen des indischen Marktes nennt die Airline Infrastruktur, Treibstoffkosten und Kapazitätsengpässe. Gleichzeitig seien die Rahmenbedingungen hervorragend: «eine junge Bevölkerung, steigende Einkommen und zunehmende globale Vernetzung». Deshalb würden «die Chancen die Herausforderungen deutlich überwiegen».
Investitionen in Ausbildung und Weiterbildung
Auch der Fachkräftemangel beschäftigt Air India. «Wir investieren massiv in Ausbildung und Weiterentwicklung», erklärt Verma. Zusätzlich wolle man internationale Talente gewinnen und eine Unternehmenskultur schaffen, «die Können und Servicequalität belohnt.»