Ein Airbus A321 Neo in der Produktion in Toulouse: Braucht irgendwann einen Nachfolger.

Staatliche UnterstützungAirbus will Risiken des A320-Neo-Nachfolgers mit EU-Regierungen teilen

Der europäische Flugzeugbauer möchte sowohl einen Nachfolger für den A320 Neo als auch Wasserstoffflieger entwickeln. Für eines der Programme hätte Airbus gerne staatliche Kredit-Unterstützung.

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Am 15. Juni 2021 war der Streit offiziell beendet. Man habe mit den USA nach «fast 17 Jahren andauernden Streitigkeiten» endlich «eine Einigung in Sachen große Zivilflugzeuge» erzielt, teilte die EU-Kommission mit. Ziel sei es, gleiche Wettbewerbsbedingungen für die beiden Flugzeughersteller Airbus und Boeing zu gewährleisten.

Der vorangegangene Zwist hatte sich um Zölle, Strafzölle und verschiedene Formen von staatlicher Unterstützung für die weltgrößten Flugzeugbauer gedreht. Dabei sahen sich wechselseitig Airbus/Europäische Union und Boeing/USA benachteiligt.

Modell-Entwicklung kostet Milliarden

Diese Einigung auf die Probe stellen könnte aber, was Guillaume Faury nun der Zeitung Financial Times sagte. Der Airbus-Chef erklärte, man habe zwar - auch durchs volle Orderbuch - die Finanzkraft, sowohl einen A320-Neo-Nachfolger als auch Flieger mit Wasserstoffantrieb zu entwickeln. Für das A320-Neo-Nachfolgeprogramm werde man aber dennoch «möglicherweise etwas Unterstützung» von europäischen Regierungen brauchen.

Ein neues Flugzeugmodell zu entwickeln, verschlingt schnell etliche Milliarden. Für den Langstreckenjet Airbus A350 liegen die Schätzungen zwischen 11 und 13 Milliarden Euro.

Faury wünscht sich Staatskredite

Tatsächlich wird jedes neue Flugzeugmodell auf die eine oder andere Weise vom Staat unterstützt. So ist auch Airbus' Forschung etwa zu neuen, effizienteren Tragflächen teilweise eingebettet in bezuschusste Forschungsprogramme der EU - und die Erkenntnisse könnten beim A320-Neo-Folger Anwendung finden. Die Wasserstoffforschung wird von der EU besonders subventioniert. Auf der anderen Seite des Atlantiks forscht Boeing zusammen mit der US-Weltraumbehörde Nasa an künftigen Flugzeugen und Technologien.

All das sorgt bisher für wenig Aufregung. Allerdings schwebt Faury darüber hinaus etwas vor, das für mehr Wirbel sorgen könnte. Der Airbus-Chef warb im Gespräch mit der Financial Times für ein früheres Finanzierungsmodell, bei dem Regierungen Kredite für die Entwicklung neuer Flugzeuge bereitgestellt hatten und diese Darlehen bei Erreichen bestimmter Orderzahlen und damit Einkünfte zurückgezahlt werden mussten.

So lief es beim Airbus A380

Faury sagte, solch ein Finanzierungsmodell schaffe eine «größere Partnerschaft» zwischen Airbus und den Regierungen. «Wir müssen akzeptable Mechanismen finden, um Anreize für Investitionen des Privatsektors zu schaffen und die Risiken mit den Regierungen zu teilen, um den Entwurf und die Entwicklung neuer Flugzeugprogramme zu unterstützen, die die Dekarbonisierung der Luft- und Raumfahrt vorantreiben», so der Konzernchef.

Kredite ähnlicher Art hatte Airbus auch schon etwa für die Entwicklung des A380 erhalten. Als klar war, dass die Produktion eingestellt wird, erklärte der damalige Airbus-Chef Tom Enders 2019, dass man sich nicht in der Pflicht sehe, die staatlichen Kredite nach Ende der Auslieferungen weiter zu bedienen. Enders sagte, «dass das eine Risikopartnerschaft ist, und die Darlehen basieren auf dem Versprechen der kreditgewährenden Regierungen, dass ihr Geld bei fehlendem Erfolg des Flugzeugs in Gefahr ist». Zudem seien hohe Zinszahlungen geflossen und Arbeitsplätze sowie Technologie geschaffen worden.

Drei Staaten am Konzern beteiligt

So ist nicht nur spannend, wie das Echo auf Faurys Ideen aus den Vereinigten Staaten ausfällt, sondern auch aus Europa. Am Konzern beteiligt sind mit 10,9 Prozent der französische Staat, mit 10,8 Prozent der deutsche und mit 4,1 Prozent der spanische.

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