Stylisch in der Luft: Die undatierte Aufnahme zeigt Flugbegleiterinnen in der ersten Uniform von Austrian Airlines.

60 Jahre Austrian AirlinesAls sich Österreichs Politiker zusammenrauften

Nach dem Krieg startete Österreichs Luftfahrt bei Null. Am Anfang von Austrian Airlines vor 60 Jahren standen zwei konträre politische Lager.

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Die erste regelmäßige internationale Flugverbindung der Welt wurde am 1. April 1918 in Österreich eröffnet. Sie führte von Wien nach Kiew. Österreich war damit Pionier in der globalen Luftfahrt. Dabei wurde allerdings zunächst nur Post befördert. Das änderte sich aber fünf Jahre später.

1923 startete die Österreichische Luftverkehrs AG oder kurz Ölag ihren ersten Flug von Wien nach München. Sie entwickelte sich schnell zur viertgrößten Fluggesellschaft Europas. Doch die Nazi-Herrschaft bereitete ihr ein Ende. Nach der Besetzung Österreichs im Jahre 1938 musste Ölag den Betrieb einstellen. Sie ging in Lufthansa auf.

Eigene Lufthoheit zurück

Erst 1955 – zehn Jahre nach Kriegsende – erlangte Österreich seine Lufthoheit zurück. Es wurden damals gleich zwei Fluggesellschaften gegründet, die aber nie den Flugbetrieb aufnahmen. Die eine war die «schwarze» Air Austria, die der konservativen ÖVP nahe stand. Die andere war die «rote» (also SPÖ-nahe) Austrian Airways.

Trotz politischer Differenzen kamen sie später zusammen. 1958 schlossen sich die beiden Airlines zusammen und am 30. September 1957 wurde die Austrian Airlines gegründet. Der erste Linienflug führte am 31. März 1958 – wie schon der Jungfernflug der Ölag – von Wien nach London. Austrian Airlines hatte für den Betrieb vier Vickers Viscount 779 gechartert. Zwei Jahre später erwarb die österreichische Airline sechs eigene Vickers Viscount 837. Am 20. Februar 1963 folgte schließlich der ersten Jet, eine Caravelle VI-R mit 80 Sitzplätzen.

Erste Langstreckenverbindung 1969

1969 bot Austrian Airlines oder AUA wie sie die Österreicher liebevoll nennen, das erste Mal eine Langstreckenverbindung an: Wien - New York. Am 18. Juni 1971 wurden neun DC-9-32 geliefert, drei Monate später mottete Austrian Airlines die letzten Vickers Viscount 847 ein. Damit verfügte die Airline über eine reine Jet-Flotte.

Es folgen acht DC-9-80, die den Flugbetrieb der Airline so prägten, dass das 1978 eröffnete Hauptbüro in Wien eine stilisierte Heckflosse der DC-9 erhielt. 1985 beförderte Austrian Airlines erstmals zwei Millionen Passagiere im Jahr. 1997 schloss sich Austrian als eine der ersten Airlines weltweit einer Luftfahrt-Allianz bei, der Qualiflyer Group unter Federführung der Swissair.

Nähe zu Swissair

Es war kein guter Entscheid. Austrian Airlines verließ die Allianz bereits zwei Jahre später und schloss sich der Star Alliance an, nachdem es zum Zerwürfnis mit Swissair gekommen war: Die Schweizer hatten versucht sich an Austrian Airlines ohne deren Wissen zu beteiligen. Der Wechsel kam im richtigen Moment. 2001 meldete Swissair Insolvenz an.

Etwa zeitgleich übernahm Austrian Airlines Lauda Air, die sich auf Urlaubs- und Charterflüge spezialisiert hatte. Bis zum Jahr 2005 stieg die Airline zum Marktführer von Flügen von und nach Zentral- und Osteuropa auf. Finanziell stand Austrian Airlines aber nicht gut da: Seit der Gründung hatte die Fluggesellschaft mit einer dünnen Kapitaldecke zu kämpfen.

Harter Sparkurs

2006 wurde ein harter Sparkurs verschrieben, 500 Arbeitsplätze fielen weg und viele Langstreckenflüge – etwa nach Sydney und Shanghai – wurden gestrichen. Zugleich wurde die Flotte harmonisiert: Die Airbus-Langstreckenflieger, vier Airbus A340 und vier A330, wurden abgeschafft. Damit bestand die Langstreckenflotte ausschließlich aus Boeing 777 und 767.

Konzernchef Alfred Ötsch hatte die Selbstständigkeit von Austrian Airlines bei seinem Amtsantritt im April 2006 für unabdingbar gehalten, musste er zwei Jahre später seine Meinung ändern: Im Juni 2008 beauftragte die österreichische Regierung die Investmentbank Merrill Lynch mit einer Übernahme der Fluggesellschaft. Die deutsche Lufthansa konnte sich durchsetzen.

Lufthansa übernimmt

Nach Kritik am Verfahren, bei dem zum Schluss nur die Lufthansa übriggeblieben war, gab es heftige Kritik am Entscheid. AUA- Chef Ötsch schied vorzeitig aus dem Unternehmen aus. Die EU-Kommission genehmigte im Juli 2009 schließlich die Übernahme unter Auflagen. Dafür mussten beide Airlines Start- und Landerechte zwischen Wien und Brüssel sowie mehrere deutschen Städten aufgeben.

Im Jahr 2014 flog Austrian Airlines schließlich nach sechs Jahren wieder in die Gewinnzone. Heute fliegt die Airline mit 88 Flugzeugen weltweit 130 Destinationen an und wird in diesem Jahr wohl erstmals 12 Millionen Passagiere befördern. Das Langstreckennetz wird nach und nach wieder ausgebaut.

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