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30-jähriges Jubiläum

500 Mark, Flamingos und Flüge für KLM – wie Eurowings zu Lufthansa fand

Vor 30 Jahren entstand Eurowings. Aus einer kleinen Regionalairline wurde eine der 20 größten Fluggesellschaften Europas. Der Weg nach oben verlief nicht nur geradlinig.

Sie hatten dasselbe im Sinn, starteten aber an verschiedenen Ecken der Bundesrepublik. 1974 gründete Hans Rudolf Wöhrl in Franken ein Luftaxiunternehmen. Es wuchs nach und nach zu einer Regionalairline heran – unter dem Namen Nürnberger Flugdienst NFD.

Zwei Jahre später starteten in Dortmund Heinrich Hiby und Reinhard Santner ebenfalls ein Luftaxiunternehmen. Und auch das expandierte und wurde zur europaweit agierenden Regionalairline Reise- und Industrieflug RFG. Doch auch in diesem Markt brachte Größe finanzielle Vorteile.

Neuer Name, neues Flamingo-Logo …

Zum 1. Februar 1993 bündelten die beiden deutschen Fluglinien deshalb ihre Kräfte und fusionierten. Um den Wachstumssprung auf 1000 Mitarbeitende auch nach außen zeigen zu können, suchten sie einen neuen Namen. Und so schrieben die vereinigten NFD und RFG einen internen Wettbewerb aus. Ein Mitarbeiter sandte den Vorschlag Eurowings ein. Das passte. 500 Mark bekam der Sieger als Belohnung – umgerechnet rund 256 Euro.


Eine Fairchild Swearingen Metro von RFG. Bild: Eurowings

Auch beim Logo setzte Eurowings auf eine kostengünstige Lösung. «Schon damals hatte man offensichtlich Low-Cost in der DNA», sagt CEO Jens Bischof im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. Eine Gruppe von Studierenden entwarfen es. Es zeigte einen blauen und einen roten, stilisierten Flamingo. Es war eine Hommage an das NFD-Rufzeichen Flamingo und sollte zugleich Dynamik zeigen.

… aber noch kein Wunschcode

Die Flotte bestand beim Start aus ATR 42, ATR 72 und Fairchild Swearingen Metros. Damit steuerte die Fluglinie 32 Ziele in elf Ländern an. Nur ein Problem gab es noch. Der Wunsch-Iata-Code EW war von der australischen Cape York Air besetzt. Zuerst flog Eurowings deshalb unter den alten Codes VG und NS weiter. Erst zwei Jahre später wurde EW frei.

Die junge deutsche Fluglinie wuchs in den ersten Jahren rasant. Bald nahm sie auch Urlaubsflüge mit Airbus A310 und später A319 ins Programm auf. Doch im Ausland war sie noch wenig bekannt. Und so verlangten einige Flughäfen von den Besatzungen Barzahlung der Gebühren. Daher führten Eurowings-Mitarbeitende auch mal Aktentaschen mit Banknoten an Bord mit.

Flüge in Konkurrenz zu Lufthansa

Inzwischen ist Eurowings 30 Jahre alt und stolz darauf. «Es mag nicht nach viel klingen, weil gewisse Fluggesellschaften ja schon mehr als 100 Jahre alt sind», so Bischof. «Aber in einer turbulenten und krisenanfälligen Branche gibt es nicht viele Fluglinien, die sich in Deutschland seit 30 Jahren im Markt behaupten.» Neben Eurowings sind das nur noch Condor und Lufthansa.

Flugbegleiterinnen von Eurowings. Bild: Eurowings

Mit der heutigen Eigentümerin hatte die neue Regionalairline zuerst allerdings nichts zu tun. Im Gegenteil. Ab 1996 flog Eurowings neben den eigenen Linienstrecken und Urlaubsstrecken viel im Auftrag von KLM. Sie brachte Reisende von deutschen Regionalflughäfen als Zubringer nach Amsterdam. Damit wurde sie direkte Konkurrentin von Lufthansa. Auf dem Höhepunkt der Kooperation machte die noch junge Airline rund ein Drittel ihres Umsatzes mit KLM-Flügen. 13 Flugzeuge von Eurowings waren für die Niederländer im Einsatz.

Turboprops raus, Bombardier CRJs rein

Die Flotte von Eurowings wuchs dadurch auf 36 Flugzeuge und die Airline beförderte bereits mehr als zwei Millionen Gäste jährlich. Doch dann geriet KLM in finanzielle Schwierigkeiten und beendete die Kooperation. Ein herber Rückschlag.

Eurowings suchte sich einen neuen Partner und fand ihn in Lufthansa, die zuerst Flieger und Crews im Wet-Lease mietete und 2001 24,9 Prozent der Anteile der Fluglinie erwarb. Fortan flog Eurowings noch mehr für die neue Aktionärin. Die Turbopropmaschinen wurden ausgeflottet und durch Bombardier CRJ 200 ersetzt.

Deutschlands erste Billigairline

In jener Zeit kamen in Europa gerade die Billigairlines auf. Und so entschied sich Eurowings, eine eigene Lowcost-Tochter zu gründen – Germanwings entstand. Am 27. Oktober 2002 führte sie ihren ersten Flug durch. Damals entstand das Tarifmodel mit den Optionen Basic, Smart und Bizclass. Zugewiesene Sitzplätze gab es wie bei der Konkurrenz keine, alle Extras musste man separat bezahlen.

Airbus A319 von Germanwings. Bild: Eurowings/Jochen Tack

Sechs Jahre später übernahm Lufthansa Germanwings und baute sie aus, um Easyjet und Ryanair zu bekämpfen. Eurowings konzentrierte sich fortan wieder auf Regional- und Wet-Lease-Flüge. Die Flotte stellt sie von CRJ 200 auf CRJ 900 um. 2011 übernahm Lufthansa die Fluggesellschaft ganz.

Die dunkelste Stunde

Die Fluggesellschaft erlebte vier Jahre später ihre schwärzeste Stunde. Auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf zerschellte ein Airbus A320-200 von Germanwings in den französischen Alpen. Der Absturz von Flug 4U9525 war vom psychisch labilen Kopiloten absichtlich herbeigeführt worden. 150 Menschen starben damals. «Die Menschen und das Ereignis werden uns unvergessen bleiben», erinnert sich Bischof, der damals weltweiter Vertriebschef der Lufthansa Passage war. Es war auch der Anfang vom Ende der Marke Germanwings.

Lufthansa setzte fortan noch stärker auf Eurowings. Schon zuvor hatte der Konzern beschlossen, dass die Tochter bei der Umsetzung einer europäischen Expansion eine Schlüsselrolle spielen sollte. Die Flotte wurde damals ausgetauscht – mit größeren Airbus A320. 2015 führte die Airline ein neues Erscheinungsbild ein, das bis heute Bestand hat. Zwei Jahre später erfolgte ein erneuter und noch größerer Wachstumssprung: Eurowings übernahm Teile von Air Berlin und nicht weniger als 81 Flieger der untergegangenen deutschen Fluglinie.

Rasantes Wachstum, aber Probleme

Eurowings legte danach ein rasantes Wachstum hin – ihre Rolle fand sie aber lange nicht wirklich. Der Ausflug ins Langstreckengeschäft misslang und wurde wieder beendet. Im Billigsegment konnte sie nicht mit der Konkurrenz mithalten und flog nachhaltig Verluste ein.


Airbus A330 von Eurowings: Die Langstreckenflüge waren ein Flop. Bild: Eurowings

Eines ist Eurowings aber gelungen. Sie hat es geschafft, die Konkurrenz von den wichtigen Flughäfen von Lufthansa fernzuhalten. Inzwischen hat sie das Billigimage abgestreift und verkauft sich als preiswerte Alternative zu den Billigairlines, aber auch als Airline für Flüge, die nicht an den Drehkreuzen der Gruppe starten. Sie beschäftigt mehr als 4.000 Mitarbeitende und besitzt eine Flotte von rund 100 eigenen Flugzeugen.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie weitere Aufnahmen aus der 30-jährigen Geschichte von Eurowings. Wenn Sie in das Bild klicken, öffnet sich die Galerie im Großformat.