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Vorfall mit A350 von Thai Airways

Zwölf Kilometer vor Frankfurt nur noch 204 Meter hoch

Ein Airbus A350 von Thai Airways International flog den Flughafen Frankfurt im Januar viel zu tief an. Ein Zwischenbericht der Unfalluntersuchungsbehörde nennt erste Details.

Airbus

Airbus A350 von Thai Airways: Schwere Störung in Frankfurt.

Durchstartmanöver sind nichts Ungewöhnliches und auch nicht gefährlich. Schalten sich nach einem abgebrochenen Landeanflug Unfallermittlern ein, lief also etwas ziemlich schief. Das haben sie nach einem Vorfall am 1. Januar in Frankfurt getan. Nachdem ein aus Phuket kommender Airbus A350-900 von Thai Airways International den ersten Anflug abbrechen musste, leitete dass Bundesamt für Flugunfalluntersuchung BFU Ermittlungen ein.

Schon damals war bekannt, dass das Flugzeug weit vor der Landebahn zu tief gesunken war. Nach ersten Berichten befand sich das Flugzeug in etwa 13 Kilometer Entfernung zur Pistenschwelle in einer Höhe von rund 240 Metern – dort sollte es eigentlich mehr als doppelt so hoch fliegen. Am Freitag (28. März) veröffentlichte die BFU den ersten Zwischenbericht zu dem Vorfall, den sie als «Schwere Störung» einordnet.

Sinkrate doppelt so hoch wie üblich

Der Airbus A350 hatte die Freigabe zur Landung auf der Piste 07R bereits erhalten. Der zuständige Anflugslotse hatte die Piloten zuvor aufgefordert, auf eine Flughöhe von 3000 Fuß oder 914 Metern zu sinken. Von etwa dieser Höhe sollte das Flugzeug dann den weniger steilen Gleitpfad des Instrumentenlandesystems folgen.

Doch das passierte nicht. Der A350 behielt eine Sinkrate von zirka 2000 Fuß pro Minute bei und verlor zu schnell an Höhe. Nach Einfangen des Landesystem-Signals liegen korrekte Sinkraten für Passagierflugzeuge gewöhnlich in einem groben Bereich von 600 bis 800 Fuß pro Minute. Der Kopilot war bei der Landung der steuernde Pilot (Englisch: Pilot Flying). Er steuerte den A350 zu dem Zeitpunkt bereits per Hand ohne Autopilot. Es war 19:30 Uhr – draußen war es längst dunkel.

Warnsysteme schlugen im Cockpit Alarm

Neun Sekunden, nachdem der Airbus eine Höhe von 1900 Fuß (580 Meter) passierte, ertönten im Cockpit akustische Warnsignale. Das System wies die Piloten auf die zu schnelle Sinkrate sowie auf das Nichteinhalten des korrekten Gleitpfades hin. Laut Auswertungen des Flugdatenschreibers lag die Sinkrate zu diesem Zeitpunkt bei über 3000 Fuß pro Minute.

Fünf Sekunden nach der letzten Warnmeldung startete der Kopilot durch. Am tiefsten Punkt betrug die Höhe dabei 668 Fuß oder 204 Meter, wie die BFU anhand von Radardaten im Bericht schreibt. Der A350 war dabei noch annähernd 12 Kilometer vom Aufsetzpunkt entfernt. Beim zweiten und korrekten Anflug flog das Flugzeug an dieser Stelle zwischen Bischofsheim und Rüsselsheim am Main mehr als dreimal so hoch.


Radarauswertung: Profile vom ersten und zweiten Anflug des A350 von Thai Airways     (Grafik: Bundesamt für Flugunfalluntersuchung BFU)

Vier Piloten im Cockpit

Der zweite Anflug und die anschließende Landung erfolgten ohne weitere Vorkommnisse. Nicht im Zusammenhang mit dem Vorfall steht die Erkrankung eines Passagiers, der sich an Bord des Thai-Flugzeuges befand und am Boden von Rettungskräften übernommen wurde. Die Erkrankung kündigten die Piloten der Flugsicherung bereits vor dem Anflug an.

Eine Ursache für den Vorfall nennt die BFU in dem Zwischenbericht nicht. Der steuernde Erste Offizier hatte eine Erfahrung von 4000 Stunden – davon 1500 auf dem Airbus A350. Der hauptverantwortliche Flugkapitän hat insgesamt von 8000 Flugstunden in seinem Logbuch – davon ebenfalls 1500 auf dem Airbus A350. Neben dem Kapitän und dem Ersten Offizier befanden sich zum Zeitpunkt des Vorfalls noch zwei weitere Kopiloten im Cockpit.

 



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