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Militärcharter

Wo einst Condor-Gäste saßen, fliegen jetzt US-Soldaten

Die Vereinigten Staaten verlegen Truppen zu ihren Nato-Partnern nach Europa. Dabei kommen auch zivile Flugzeuge zum Einsatz - teilweise mit Ferienflieger-Vergangenheit.

Schon als es noch die Ukraine-Krise war und noch kein russischer Angriffskrieg, verlegten die Vereinigten Staaten Anfang Februar Soldaten und Soldatinnen nach Europa. Am 4. Februar landeten sie samt Fahrzeugen in Wiesbaden, viele flogen kurz darauf weiter nach Polen. All dies geschah in Militärflugzeugen der amerikanischen Luftwaffe.

Doch nicht immer funktioniert es so. Oft chartern die US-Streitkräfte auch zivile Flugzeuge, um Truppen zu verlegen. So kamen 200 Mitglieder der 3rd Infantry Division aus Georgia am 1. März in Nürnberg an – in einer Boeing 767-300 der Leasingfirma Atlas Air.

Boeing 767 einst für Condor unterwegs

Das Flugzeug mit dem Kennzeichen N664GT steht seit einem Jahr im Dienst von Atlas Air. Zuvor hatte die Boeing 767 von 2012 bis 2020 als D-ABUL für den deutschen Ferienflieger Condor Touristen transportiert. Bei Atlas Air sind die Militär-Transporte keine Ausnahme, sondern gehören zum regulären Angebot des amerikanischen Charterunternehmens.

«Wir bieten den Männern und Frauen, die die Vereinigten Staaten und ihre Interessen rund um den Globus verteidigen, eine unverzichtbare Lufttransportunterstützung», schreibt Atlas Air. Man biete Kapazität bei Nachfragespitzen, Zuverlässigkeitsstandards auf militärischem Niveau und sehr kurze Kündigungsfristen, so die Airline, die auch normalen Passagier- und Frachtcharter anbietet und die letzten beiden Boeing 747 erhalten wird.

Omni Air fliegt mit ehemaliger HB-JJF

Ende Februar zeigte die 3rd Infantry Division bei Facebook die Heimkehr anderer Soldatinnen und Soldaten in einem Jet der amerikanischen Charterairline Omni Air International. Man befördere «US-amerikanische und ausländische Militärs, Familienmitglieder des Militärs, Regierungsangestellte sowie Hilfskräfte bei Naturkatastrophen und humanitären Katastrophen», wirbt die Fluglinie auf ihrer Webseite.

Omni Air betreibt ebenfalls eine Maschine, die einst deutsche Fluggäste transportierte. Die Boeing 767-300 mit dem Kennzeichen N495AX gehörte zuvor zur Flotte der Schweizer Privat Air und flog als HB-JJF unter anderem in bunter Bemalung für Eurowings.

Soldaten oft wenig begeistert

Es gibt und gab noch weitere Airlines, die Militärcharter für die USA übernehmen. Eine lange Tradition von Truppentransporten in Charterfliegern hatte die 1948 gegründete World Airways, besonders im Vietnamkrieg. Doch 2014 stellte sie den Betrieb ein.

Und was denken die Soldaten und Soldatinnen über solche Flügen? Auf der Webseite Quora berichtet die Mehrzahl von ihnen über alte, enge, vollgestopfte Flugzeuge mit keinem oder schlechtem Service und Versorgung in Papiertüten. Aber natürlich gibt es auch einige positivere Berichte. Und ein Flugbegleiter schreibt von seinen Erfahrungen von Flügen zwischen Afghanistan und Frankfurt: «Die Truppen sind viel netter und benehmen sich besser als die anspruchsvollen, unausstehlichen, selbstbesessenen normalen Passagiere.»

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Charter- und Militärmaschinen beim Truppentransport.