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Lauda Air, Niki, Laudamotion

Wie Niki Lauda Airline um Airline gründete

Vor fünf Jahren starb Niki Lauda. Ein Blick zurück auf seine Karriere in der Luftfahrt, die 1979 mit der Gründung von Lauda Air begann.

Mit

Am 4. April 1979 machte Niki Lauda einen weitreichenden Schritt. Nur gerade 30-jährig und mitten in seiner Karriere als Formel-1-Fahrer gründete er zusammen mit dem österreichischen Itas Reisebüro Lauda Air. Er erwarb dafür die Bedarfsflugkonzession der Businesscharterairline Alpair.

Am 24. Mai 1979 nahm die neue Fluglinie den Betrieb mit zwei gebrauchten Fokker F27 mit je 44 Sitzplätzen auf. Der Iata-Code lautete anfangs OE, den gleichen Code nutzte später auch seine Laudamotion wieder. Eingesetzt wurden die Turbopropflugzeuge auf Touristikflügen. Aufgrund der geografischen Lage Österreichs waren somit Urlaubsziele in Spanien, Italien, Jugoslawien und Griechenland trotz langsamer Geschwindigkeit in akzeptablen Flugzeiten erreichbar.

Flüge mit BAC 1-11

Geflogen wurde speziell ab Wien, aber auch ab Salzburg und anderen Flughäfen in Österreich. Allerdings war der Druck durch Austrian Airlines sehr stark, die einen Mitbewerber nur ungern im Heimatmarkt sah. Lauda zog sich deshalb temporär wieder aus diesem Geschäft zurück und musterte die beiden Fokker F27 Anfang 1983 wieder aus.

Fortan widmete er sich zunächst der Bedarfsfliegerei und setzte Cessna Citation, Dassault Falcon 20 und Learjet 36A ein. Ende 1985 wurde aber der regelmäßige Flugbetrieb wieder aufgenommen, dieses Mal mit zwei von der rumänischen Tarom geleasten BAC 1-11. Nun liefen die Flüge sehr erfolgreich, sodass Lauda zwischen 1986 und 1988 noch je eine Boeing 737-200 und -300 in die Flotte aufnahm. Sie bekamen die Taufnamen Wolfgang Amadeus Mozart und Bob Marley. Die BAC 1-11 gingen zurück an Tarom. Der neue Iata-Code lautete LW, den heute Lauda Europe nutzt.

Auf die Langstrecke

Neben Touristikstrecken erwarb die Fluggesellschaft des Rennfahrers auch die Linienflugkonzession und wurde neben Austrian Airlines die zweite zertifizierte Linienfluggesellschaft Österreichs. Es stießen weitere gebrauchte Boeing 737 der Versionen -300 und -400 zur Flotte, zudem wurde bei Boeing eine Bestellung über sechs Boeing 767-300 mit je 244 Sitzplätzen platziert. Boeing vergab an den Neukunden Lauda Air den Kundencode Z9.

Die erste Boeing 767-300 ER mit dem Kennzeichen OE-LAU traf pünktlich zum Beginn des Sommerflugplanes 1988 in Wien ein und wurde auf den Namen des berühmten Wiener Komponisten Johann Strauß getauft. Das Modell eröffnete Lauda Air fortan ganz neue Möglichkeiten, Langstrecken ab Wien nach Bangkok, Hongkong und Sydney wurden eröffnet.

Condor stieg bei Lauda ein

Neu flog die Airline unter dem Iata-Code NG. Neben dem Aufbau der Boeing 767-Flotte bestellte sie laufend weitere Boeing 737. Für den Ausbau der Langstrecke wurden zudem vier Boeing 777-200 mit je 344 Sitzplätzen bestellt. Für Kurz- und Zubringerstrecken wurde bei Canadair eine Bestellung über sechs CRJ 100 mit je 50 Sitzen platziert.

Lauda Air avancierte somit nicht nur zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz von Austrian Airlines, sondern auch zur bedeutenden Größe im europäischen Luftverkehr. Möglich wurde dies durch eine enge Kooperation mit Lufthansa und Star Alliance. Die damals noch zum deutschen Konzern gehörende Condor erwarb im Herbst 1990 rund 25 Prozent an Lauda Air.

Der dunkelste Tag im Leben von Niki Lauda

In den 1990er-Jahren war Austrian Airlines noch eigenständig und Mitbegründer der Qualiflyer-Allianz unter der Federführung von Swissair und damit ein Mitbewerber von Lufthansa. Mit der aggressiven Expansion der Lauda Air hatte somit Lufthansa einen Fuß im österreichischen Markt und konnte so Einfluss auf die Entwicklung dort nehmen. Lauda Air beeinflusste somit den Geschäftsgang von Austrian Airlines massiv, die durch den dadurch entstandenen Konkurrenzdruck in Turbulenzen kam.

Der wohl schwärzeste Tag im Leben von Niki Lauda nach seinem verheerenden Formel-1-Unfall am 1. August 1976 war der Absturz der Boeing 767-300 mit dem Kennzeichen OE-LAV mit dem Namen Mozart am 26. Mai 1991 auf dem Weg von Hongkong über Bangkok nach Wien. Alle 223 Insassen kamen dabei ums Leben. Der Chef selbst half aktiv bei der Aufklärung des Absturzes mit und man fand die Ursache in einer fehlerhaften Schubumkehr des linken Triebwerks.

Ein Abschied …

Letztlich war der österreichische Markt zu klein für zwei Airlines dieser Größe, woran beide litten. Ab 1996 begannen sie auch auf politischen Druck hin eine partielle Kooperation und stimmten sich beim Streckennetz ab. Dies führte letztendlich zur strategischen Partnerschaft von Lauda und Austrian Airlines. Diese beteiligte sich mit 36 Prozent an Lauda Air, Niki Lauda behielt selbst noch 30 Prozent und die Lufthansa-Gruppe 20 Prozent der Anteile.

2001 wurde Lauda Air eine 99-prozentige Tochter von Austrian Airlines und Niki Lauda schied aus dem Unternehmen aus. Der neue Eigner führte die Fluglinie zunächst als Tochtergesellschaft weiter. Die Marke wurde aber Ende März 2013 aufgegeben und die Austrian-Tochter bekam den Namen Austrian My Holiday.

… eine Insolvenz …

Niki Lauda führte aber seine 1995 lancierte italienische Tochtergesellschaft Lauda Air Italy noch bis 2003 weiter. Zur Flotte gehörten bis zu sechs Boeing 767-300 und zwei CRJ 100. Der Flugbetrieb ging danach als Livingston Airlines mit neuen Eigentümern weiter. Austrian Airlines selbst wurde später Teil der Lufthansa-Gruppe.

Doch seine Rückkehr in den österreichischen Luftverkehrsmarkt ließ nicht lange auf sich warten. Die damalige deutsche Fluggesellschaft Aero Lloyd gründete im Frühjahr 2003 unter dem Namen Aero Lloyd Austria eine österreichische Tochtergesellschaft, um ab Österreich auch in Nicht-EU-Staaten fliegen zu können. Doch ihre Lebensdauer war nur sehr kurz, ging doch ihre deutsche Muttergesellschaft nur wenige Monate später in Konkurs und stellte den Flugbetrieb ein.

… und ein Neubeginn

Zwar wäre sie von dieser Insolvenz nicht direkt betroffen gewesen, denn die deutsche Aero Lloyd hatte nur eine Minderheitsbeteiligung, allerdings waren die beiden Airbus A320 von der Mutter gemietet und somit Teil der Insolvenzmasse. Niki Lauda trat genau hier auf den Plan und erwarb 78  Prozent an Aero Lloyd Austria Luftfahrt mit ihrer Betriebsgenehmigung und brachte sie bereits im November 2003 mit diesen beiden A320 wieder in die Luft.

Somit war Niki Lauda nur zwei Jahre nach dem Ausscheiden bei Lauda Air wieder in Österreich im Luftfahrtgeschäft tätig. Der Name Lauda war nun schon belegt. Somit benannte er das Unternehmen nach seinem Vornamen Niki, die Airline Flyniki war geboren. Das Unternehmen mit dem neuen Iata-Code HG und Icao-Code NLY wuchs schnell und bediente speziell touristische Märkte rund ums Mittelmeer, zu den Kanaren und nach Nordafrika.

Niki statt Lauda

Kooperierte Niki anfänglich mit dem Veranstalter Thomas Cook, so holte man bereits 2004 Air Berlin als Partner an Bord, die 24 Prozent an Niki übernahm. Damit schaffte sich die deutsche Fluglinie in Österreich ein Standbein und konnte auch Flüge ex Österreich in Nicht-EU-Staaten über diese Kooperation anbieten.

Später erhöhte Air Berlin den Anteil an Niki auf 49,9 Prozent und übernahm sie 2011 komplett. Niki Lauda schied zu diesem Zeitpunkt wieder aus dem Unternehmen aus und erhielt einen Sitz im Air Berlin Verwaltungsrat, der auch die Niki kontrollierte. Zur Niki-Flotte gehörten bis zu sieben Airbus A319, 29 Airbus A320, 14 A321 und sieben Embraer E190.

Das Ende von Air Berlin

Das Engagement von Niki Lauda in der Luftfahrt schien mit seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat von Air Berlin im Jahr 2013 besiegelt und es war auch in 2013 als letztmalig noch ein Jet in Lauda-Air-Farben für Austrian Airlines abhob. Was blieb, war eine sich gut entwickelnde Air-Berlin-Tochter. Doch der Mutter ging es nicht gut. Man schloss jedes Jahr mit hohen Verlusten ab, die von der Großaktionärin Etihad als Gesellschafter mitgetragen wurden.

Doch 2017 musste Air Berlin Insolvenz anmelden. Durch einen Kredit der Bundesregierung wurde der Betrieb bis Jahresende aufrechterhalten. Für die Tochter Niki hatte man jedoch schon vorgesorgt und diese aus Air Berlin herausgelöst und als Direktbeteiligung an die Mutter Etihad veräußert. Somit war Niki auch nicht direkt von der Insolvenz betroffen.

Lufthansa will Niki

Ab dem Sommerflugplan 2017 gingen vorab schon alle europäischen Touristikstrecken von Air Berlin an Niki über. Durch einen Flottentausch kamen weitere Airbus A321 hinzu, die dann bis zu 26 Jets umfasste beziehungsweise gegen A320 getauscht wurden, die die letzten Monate des Betriebes noch bei Air Berlin verbrachten.

Etihad versuchte, Niki mit dem größten europäischen Reiseveranstalter Tui und dessen Tuifly zu verschmelzen, die ja bereits 14 Boeing 737-800 für Niki betrieb. Allerdings scheiterte die Fusion. Etihad versuchte, Niki anderweitig zu veräußern. Im Oktober 2017 einigte sich Etihad mit Lufthansa über eine Übernahme von Niki, die mit einer Eingliederung in die in Österreich operierende Eurowings Europe geendet hätte.

Niki geht an IAG – und dann doch nicht

Allerdings wurde diese Fusion von der EU-Wettbewerbskommission nicht genehmigt. Daraufhin stellte Niki am 13. Dezember 2017 Insolvenzantrag und stellte den Flugbetrieb ein. Das Insolvenzverfahren wurde an jenes von Air Berlin gekoppelt. Nun war IAG um British Airways und Iberia am Zuge, die den Zuschlag bekam, Niki zu übernehmen und in ihre Tochter Vueling zu integrieren.

Doch eine Klage eines Inkasso-Dienstleisters für Fluggastrechte, das Insolvenzverfahren eines österreichischen Unternehmens müsse in Österreich und nicht in Berlin beim Air-Berlin-Insolvenzverwalter abgewickelt werden, verzögerte den Prozess. Mit Stattgeben dieser Klage und Neuauflage des Insolvenzverfahrens in Österreich war die Übernahme durch IAG nichtig und man musste von vorne anfangen.

Die Geschichte wiederholt sich

Niki Lauda war in der Zwischenzeit nicht untätig. Nach seinem Ausscheiden bei Air Berlin dauerte es nur drei Jahre, bis er Anfang 2016 Amira Air in Wien übernahm. Zur Flotte gehörten Cessna Citation, Canadair Challenger 300, Hawker und langstreckenfähige Bombardier Global Express. Niki Lauda benannte die Businesscharterairline in Laudamotion um. Nachdem Niki heimatlos war, zögerte Niki Lauda nicht lange und gab ein Angebot bei der neuen österreichischen Insolvenzverwaltung ab.

Er hatte Erfolgt und beschloss, diese durch die Erweiterung der Laudamotion-Betriebslizenz in sein neues Unternehmen zu integrieren. Fortan wechselten nun bis zu 14 ehemalige Airbus A320 und A321 der Niki und Air Berlin in die Laudamotion-Flotte. Die Niki- und Air Berlin-Logos wurden dabei mit großer Laudamotion-Aufschrift überklebt, der Rest der Bemalung inklusive dem Air Berlin/Niki-Hecklogo blieben zunächst bestehen, auch wenn das Laudamotion-Logo aus einem geschwungenen roten L bestand.

In Rekordzeit in der Luft

Nun war Eile geboten, immerhin hatten fast alle Mitbewerber bereits Flüge im Verkauf für die Sommersaison 2018. Niki Lauda hatte aber nun den Vorteil, über die ehemaligen Niki-Slots in Palma de Mallorca zu verfügen. Da es jedoch schon zu spät war, eine eigene Distributionsstruktur aufzubauen, ging man eine Kooperation mit Condor ein. Fortan wurde die Niki-Flüge mit dem Iata-Code OE über die Condor-Vertriebsplattform angeboten.

Auch der mit Condor verbundene Reiseveranstalter Thomas Cook ging eine Partnerschaft mit Laudamotion ein und übernahm den Vertrieb der Flüge. Zudem konnte Laudamotion eine Wet-Lease-Vereinbarung über den Betrieb von Airbus A320 im Auftrag von Eurowings abschließen. Somit schien alles geregelt und man konnte auf die Worte auch Taten folgen lassen und war ab März 2018 in Rekordzeit wieder aktiv und in der Luft.

Partner springen ab

Allerdings überraschte Niki Lauda erneut die gesamte Branche und gab bekannt, Ryanair würde sich mit 25 Prozent an Laudamotion beteiligen und erwäge gar eine Beteiligung von 49 Prozent oder mehr. Dies stieß erwartungsgemäß bei den gerade gewonnenen Partnern Condor, Thomas Cook und Eurowings auf wenig Gegenliebe. Immerhin wollte man nur ungern mit einer Fluggesellschaft kooperieren, an der ihr größter Konkurrent beteiligt war.

Ebenso wollte man auch nicht Ryanair dabei unterstützen, durch die Hintertür ihre eigenen Fluggäste abzugreifen. Somit kam es, wie es kommen musste. Nach nur wenigen Wochen kündigten nacheinander Thomas Cook, Condor und Eurowings ihre Kooperationsverträge, die allesamt bis zum 31. Mai ausliefen. Ab dem 1. Juni war Laudamotion somit auf sich allein gestellt und auf den neuen Partner und Gesellschafter Ryanair angewiesen. Eiligst wurde die gesamte Vertriebsplattform auf jene der Ryanair gehoben.

Lauda bleibt, wird aber maltesisch

Auch lieh Ryanair der Laudamotion bis zu zehn Boeing 737-800 und ließ damit ihre Flotte auf über 20 Flugzeuge anwachsen. Nach einem holprigen Start operiert Laudamotion nun stabil und hatte sich als österreichischer Ryanair-Partner am Markt platziert. Somit drehte Niki Lauda erneut ein sehr großes Rad. Mit der Konzentration auf die Großluftfahrt gab Laudamotion die Geschäftsreiseflugsparte Laudamotion Executive an Sparfell Aviation ab.

Der immer schlechter werdende Gesundheitszustand Niki Laudas sorgte dafür, dass er sich komplett aus dem Unternehmen zurückzog, er starb schließlich am 20. Mai 2019. Doch dies sollte nicht das Ende der Lauda-Luftfahrtaktivitäten in der Öffentlichkeit sein. Zwar wurde Laudamotion am 19. Oktober 2020 geschlossen, Ryanair gründete aber ein neues Tochterunternehmen namens Lauda Europe auf Malta, welches nahtlos den Betrieb übernahm mit dem Iata-Code LW, unter dem 1985 schon die BAC-1-11 von Lauda Air abgehoben waren.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Bilder der verschiedenen Airlines von Niki Lauda. Ein Klick aufs Foto öffnet die Galerie im Großformat.