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Wenn sich Trump als Luftfahrt-Experte versucht

Notre Dame mit Löschflugzeugen retten oder 737-Umtaufung: Für schwere Probleme hält der US-Präsidenten häufig einfach gedachte Lösungen parat. Für die Luftfahrt gab es schon öfter Tipps von Donald Trump.

The White House

Donald Trump lässt sich das Cockpit einer Boeing 787 zeigen: Früher war er einmal gegen das Modell.

Als in Paris die Kathedrale Notre-Dame abbrannte und die Einwohner unter Schock standen, wollte auch Donald Trump Trost spenden. Einen bizarren Lösungsweg, der die brennende Kirche vor der Zerstörung hätte retten sollen, lieferte der Präsident der USA gleich ungefragt mit: «Vielleicht könnten Löschflugzeuge benutzt werden, um das Feuer zu löschen. Es muss schnell gehandelt werden», schlug er vor – natürlich via Twitter.

Für seinen Lösch-Tipp erntete Trump später viel Spott. Und die französische Feuerwehr erklärte, dass bei einem Einsatz von Wasserbombern die Struktur der Kirche wohl zerstört worden wäre. Es war nicht nicht das erste Mal, dass sich Trump auf seiner Lieblings-Plattform als Kenner der Luftfahrt probierte. Eine Übersicht.

Make 737 Great Again

Einen Tag zuvor meldete sich Trump in Sachen Aviatik bei Twitter zu Wort. Seit den Abstürzen der beiden Boeing 737 Max 8 von Lion Air und Ethiopian Airlines darf das Modell bekanntlich nicht mehr fliegen. Boeing steckt seitdem in einer Krise, da die Finanzen und der Ruf des Flugzeuges leiden.

Sollte es nach Trump gehen, könnte der Hersteller die Probleme sehr einfach wieder in den Griff bekommen: «Ich würde die 737 Max reparieren, tolle Zusatzfunktionen hinzufügen und das Flugzeug unter einem neuen Namen vermarkten».

Fliegen soll wieder mehr zum Handwerk werden

Zu den tragischen Geschehnissen um die 737 Max 8 äußerte sich Trump bereits zuvor. Kurz nachdem erneute Probleme mit dem umstrittenen Flugsteuerungs-System MCAS an die Öffentlichkeit sickerten, nutzte Trump die Gelegenheit, um in zwei Tweets seine Meinung über den Automatisierungsgrad heutiger Flugzeuge los zu werden.

Die heutigen Flieger seien für Piloten zu komplex geworden und eher was für Computer-Wissenschaftler, urteilt Trump. Er verstehe nicht warum alles moderner, komplizierter und dadurch auch unnötig teurer werden soll: «Ich weiß ja nicht was Sie denken, aber ich will nicht Albert Einstein als Piloten. Ich will professionelle Besatzungen haben, die jederzeit einfach und schnell die Kontrolle über ihr Flugzeug bekommen können».

«Werde nicht mit 787 fliegen»

Bereits lange vor seiner Präsidentschaft zweifelte Trump an den Machenschaften des amerikanischen Flugzeugbauers. Wegen Problemen mit den neuartigen Batterien wurden 2013 der Boeing 787 Dreamliner weltweit mit einem Startverbot belegt. Der Langstreckenflieger war damals noch nicht lange im Betrieb.

«Ich denke Boeing sollte in den sauren Apfel beißen und die neuen Batterien in der 787 loswerden. Die Batterien werden immer ein Problem werden», twittere Trump und sagte dem Dreamliner wenige Tage später ganz ab: «Lithium-Ionen-Batterien sollten für Flugzeuge verboten werden. Ich werde nicht mit der 787 fliegen. Sie benutzt diese Akkus». Boeing bekam die Probleme in den Griff, einen Monat später durfte das Flugzeug wieder fliegen.

Eigene Airline ging pleite

Gänzlich unbefleckt ist Trump in Sachen Luftfahrt jedoch nicht ganz. So gab es innerhalb der Familie Berührungspunkte mit der Fliegerei: Sein älterer Bruder Fred Trump Junior war ehemaliger Linienpilot und mit einer Flugbegleiterin verheiratet. Aus Donald Trump wurde dennoch ein Immobilien-Unternehmer, der sich aber auch kurz als Airline-Chef ausprobierte: 1989 kaufte Trump von der kriselnde Eastern Air Lines die Shuttle-Operationen im Nordosten der USA.

Den Teil der Airline formte er zu einer Luxusanbieterin um. Im Inneren der Boeing 727 prangten Ahorn-Täfelungen, verchromte Sitzschnallen und goldene Amaturen. Doch das Konzept floppte, Trump Airlines wurde verkauft. Nach der Pleite wagte sich Trump geschäftlich nie wieder in die kommerzielle Luftfahrt.

Privater Boeing-Fan

Nur noch privat widmete sich der Milliardär der Fliegerei. Trump legte sich über die Jahre eine Flotte aus Geschäftsfliegern und Helikoptern zu. Darunter tummelt sich auch Großgerät: So kaufte der Milliardär eine gebrauchte Boeing 757 und ließ den Mittelstreckenflieger zum Privatflieger veredeln. Dieser löste eine Boeing 727 ab, das zuvor als Flaggschiff diente. In Anlehnung an das Flugzeug, das ihn heute als US-Präsidenten durch die Welt befördert, wird die 757 seit seinem Wahlkampf auch als Trump Force One bezeichnet.

Air Force One zu teuer

Es wundert also nicht, dass Donald Trump auch mit Themen aus der Luftfahrt versucht, gegen Gegner auszuteilen oder sich als Problemlöser zu zeigen. Oder beides zugleich. So wetterte er auf Twitter kurz nach Amtsantrit gegen Pläne des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama: «Boeing baut eine brandneue 747 als Air Force One für zukünftige Präsidenten. Die Kosten sind aber außer Kontrolle, mehr als 4 Milliarden US-Dollar. Bestellung stornieren!»

Trump verhandelte denn auch nach. Die altgedienten Regierungsflieger werden nun durch Flugzeuge ersetzt, die zuvor von einer Airline abbestellt wurden. Deren Lackierung soll auf Wunsch von Trump zudem amerikanischer werden. Bereits im Wahlkampf nutzte Trump den Dienstflieger, den er jetzt selber nutzt, um gegen die Klimapolitk von Obama zu kritisieren: «Interessant, wie Präsident Obama am sogenannten Earth-Day mit einer Boeing 747 fliegt».

Unbegründetes Eigenlob

Auch die gestiegene Sicherheit im Luftverkehr versuchte Trump auf Twitter zu seinen Gunsten zu nutzen. 2017 war statistisch das Jahr wenigsten Toten seit Beginn der systematischen Erfassung der Unfallstatistik. Der Präsident wollte sich dies selber auf die Fahnen schreiben:

«Seit ich im Amt bin, war ich sehr strikt bei der kommerziellen Luftfahrt. Gute Neuigkeiten – es wurde gerade berichtet, dass es 2017 null Tote gab, das beste und sicherste Jahr seit Anfang der Statistik». Der US-Präsident führt aber nicht aus, was genau er getan haben will, um die Sicherheit zu erhöhen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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