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Die Londoner Alternative

Was Southend anders machen will

Noch ein Flughafen für London? Die Besitzer von Southend im Osten der Metropole glauben, dass sie Passagieren und Airline mehr bieten können.

Auric Goldfinger fährt mit seinem goldenen Rolls Royce aufs Vorfeld. Auf dem Flughafen Southend wird die Luxuskarosse in eine Carvair von British United Air Ferries geladen. Die Maschine startet kurze Zeit später in Richtung Genf. Dicht auf Goldfingers Fersen ist James Bond in seinem Aston Martin. Er steigt in den nächsten Flieger und reist dem Bösewicht in die Schweiz nach.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Southend im James-Bond-Klassiker von 1964 einen Auftritt hatte. Der Flughafen war damals nach London Heathrow und Manchester der drittgrößte in ganz Großbritannien. Drei Jahre später stand er auf seinem Höhepunkt. Dann begann sein Abstieg und Southend versank in der Bedeutungslosigkeit. Bis 2008.

Southend will alles aus einer Hand bieten

Vor sechs Jahren kaufte der Mischkonzern Stobart den Airport an der Ostküste Englands, weil er sein ungenutztes Potenzial erkannte. Die Millionenstadt London wächst heute vor allem nach Osten – schön auf Southend zu. Die Metropole rückt also langsam näher. Optisch hat sich das Management schon einmal in die Hauptstadt verlegt. London Southend nennt sich der Flughafen, der eigentlich in der Küstenstadt Southend und fast 60 Kilometer von Londons Zentrum entfernt liegt.

Stobart investierte 120 Millionen Pfund (umgerechnet 150 Millionen Euro). «Wir haben alles von Grund auf neu gebaut», sagt Flughafenchef Roger Clements. So habe man einen idealen Flughafen mit kurzen Wegen erstellen können. Die Bequemlichkeit soll in Southend im Zentrum stehen. Es entstanden ein neuer Kontrollturm, ein neues Terminal, ein Flughafen-Hotel oder auch ein Bahnhof. von dem man in rund 50 Minuten direkt ins Zentrum von London gelangt «Alle Mitarbeiter in diesen Anlagen sind unsere Angestellte. So können wir ein einheitliches Kundenerlebnis sicherstellen», so Clements.

Vorteil der schnellen Wege

Der Durchbruch gelang Southend mit der Ansiedelung von Easyjet im Jahr 2011. Die Billigairline fliegt derzeit zwölf Ziele vom Flughafen aus an. Flybe bedient ach Destinationen, Aer Lingus fliegt nach Dublin. Neuester Zuwachs ist die schweizerische Regionalairline Skywork. Sie wechselte von London City nach Southend. Dabei standen vor allem Kostenüberlegungen im Vordergrund. «Doch der sechste Londoner Flughafen überzeugte uns auch wegen der schnellen Wege», sagt Geschäftsführer Martin Inäbnit.

Der Wechsel Skyworks nach Southend hatte offenbar Signalwirkung. «Seither fragten uns vier weitere Fluggesellschaften an, die sich überlegen von London City zu uns zu wechseln», so Clements. Neben tieferen Kosten, schnelleren Wegen hat der Airport auch den Vorteil, dass hier weniger Nebel liegt. Und so hofft Clements die Passagierzahlen weiter zu steigern. Von anfänglich 47’000 stiegen sie bis letztes Jahr auf knapp unter eine Million. Dieses Jahr wird Southend rund 1,3 Millionen erreichen.

Kapazität für fünf Millionen Passagiere

Das reicht dem Unternehmen aber nicht. «Wir haben Kapazität für fünf Millionen Passagiere» so Clements. Die Aussichten sind gut. Denn ein Damoklesschwert wurde kürzlich aus dem Weg geräumt. Die von der britischen Regierung eingesetzte Flughafenkommission zur Lösung des Kapazitätsproblems in der Hauptstadt lehnt das von Bürgermeister Boris Johnson unterstützte Vorhaben des Thames Estuary Airport in der Themsemündung aus Kostengründen ab. Sie empfahl stattdessen Heathrow oder Gatwick auszubauen. «Der Flughafen wäre eine Gefahr für uns gewesen», so Clements.

Sehen Sie Eindrücke aus London Southend in der oben stehenden Bildergalerie.

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