Stadtflughafen von Kyiv: Strategisch wichtig.

Kyiv-ZhulianyWarum ein kleiner Flughafen im Ukraine-Krieg so zentral ist

Vor der russischen Invasion der Ukraine arbeitete der Kyiver Stadtflughafen lediglich an seiner Rückkehr aus der Bedeutungslosigkeit. Doch im Krieg ist seine Verteidigung für das ganze Land essentiell geworden.

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Luftfahrt

Der Flughafen Kyiv-Zhuliany war nur noch die Nummer zwei. Zwar heißt er offiziell Kyiv International Airport, doch seit der große internationale Verkehr Ende der 1950er-Jahre zum damals neuen Flughafen Borispyl verlegt wurde, ist der Stadtflughafen zunehmend in der Bedeutungslosigkeit versunken. Nur regionale Fluglinien und Billigairlines setzten zuletzt auf ihn.

Im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine spielt der Airport jetzt aber eine zentrale Rolle. Der Grund: Es ist der einzige Flughafen, der tatsächlich in der Hauptstadt liegt. Würden die Russen ihn erobern, könnte sie direkt im Zentrum von Kyiv landen.

Keiner war verantwortlich

39 Tage lang hat das ukrainische Militär den Flughafen verteidigt – erfolgreich. Die Russen beendeten dann den Angriff auf die Hauptstadt. Wie die Verteidigung des Flughafens ablief, berichtet nun Sergei Kryvonos, General der ukrainischen Armee, der am Airport befehligte.

Laut Kryvonos kam er am 25. Februar in Zhuliany an. Dort habe er einen «wilden Haufen» vorgefunden: Grenzschutzbeamte, Offiziere und Soldaten der Nationalgarde, niemand hatte die Verantwortung. «Die Antwort auf meine Frage, was wir tun, war, dass wir auf die Landung der russischen Landungsstreitkräfte warten», so der General.

Landebahn blockieren

Da sich niemand sonst zuständig gefühlt habe, habe er das Kommando übernommen. Das Gute daran: Kryvonos hatte durch seine Arbeit bei Spezialeinheiten Wissen darüber, wie Flugplätze übernommen werden. 2014 etwa war er 47 Tage lang an der Verteidigung des Flughafens von Kramatorsk beteiligt gewesen.

Der wichtigste erste Schritt: Man musste die Landebahn blockieren. Dazu diente der ukrainischen Armee ein Privatjet. Man platzierte eine Gulfstream G650 so auf der Piste, dass keine Landungen möglich waren.

Vor dem Überfall geschützt

Es handelte sich dabei nicht um irgendein Flugzeug. Der Jet gehörte Viktor Medvedchuk, einem engen ukrainischen Putin-Vertrauten. Wiederholt war Medvedchuk von Experten schon im Vorfeld des Krieges als möglicher Präsident einer russischen Marionetten-Regierung gehandelt worden. Die Ukraine stellte ihn deshalb unter Hausarrest. Doch der Politiker konnte vorerst fliehen. Seinen Jet ließ er allerdings zurück.

Dass der Flieger zu einem so wichtigen Werkzeug der Verteidigung des Airports wurde, war bei all dem Schrecken zumindest eine kleine Genugtuung. Als die Piste blockiert war, konnte das Militär ein System zum Beschuss des Feindes schaffen. So gelang es, den Flughafen vor dem russischen Überfall zu schützen.

Große Pläne vor dem Krieg

Vor dem Krieg hatte das Flughafenmanagement noch große Hoffnungen für Zhuliany gehegt. Man wollte die Passagierzahlen verdoppeln. Möglich werden sollte das dank weiterer Modernisierung, unter anderem auch durch eine Verlängerung der Start- und Landebahn, den Bau neuer Rollwege, neuer Vorfelder und einer neuen Beleuchtung.

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