Letzte Aktualisierung: um 8:28 Uhr

Schwacher Aktienkurs

Warum beurteilt die Börse Lufthansa so skeptisch?

Der deutsche Konzern macht wieder Gewinn. Viel Gewinn. Doch an der Börse laufen seine Aktien schlecht. Warum eigentlich wird Lufthansa Group von der Börsengemeinde so kritisch beurteilt?

An Silvester 2017 konnten die Aktionärinnen und Aktionäre von Lufthansa Group gleich doppelt feiern. Nicht nur brach ein neues Jahr an, der Kurs ihrer Aktien war kurz zuvor auf einen Rekordwert von mehr als 22 Euro geklettert. Viel ist seither passiert. An der Deutschen Börse wird das Papier des Konzerns aktuell für nur noch 5.75 Euro gehandelt.

Seit dem Rekord hat Lufthansa Group also fast drei Viertel ihrer Marktkapitalisierung verloren. Weniger als sieben Milliarden Euro ist der ganze Konzern inzwischen wert. Wie wenig das ist, zeigt ein Vergleich des Börsenwerts mit der Flotte. Für jedes der 643 Flugzeuge, welche die Gruppe selbst besitzt,  zahlt man also im Durchschnitt nur gerade 11 Millionen Euro. Und der ganze Rest – Gebäude, Marken, Streckenrechte und so weiter gibts quasi kostenlos obendrauf.

Lufthansa-Aktie lief schlechter als Durchschnitt

Einzige Genugtuung ist, dass es der Konkurrenz von Lufthansa Group seit dem Ende der Corona-Krise mitunter noch schlechter besser lief. Seit Anfang 2022 sank der Aktienkurs des deutschen Konzerns um sieben Prozent, der der französisch-niederländischen Konkurrentin Air France-KLM aber um 52 Prozent. Im Durchschnitt verloren die Aktien von Fluggesellschaften im MSCI World Airlines Index allerdings nur rund zwei Prozent.

Doch es gibt auch andere Beispiele. British-Airways- und Iberia-Mutter IAG konnte in den letzten zweieinhalb Jahren um 17 Prozent zulegen und Ryanair um 8 Prozent. Und auch die Prognosen der Börsenfachleute für Lufthansa Group sind nicht gerade gut. So ist der Anteil der Analysten und Analystinnen zuletzt merklich zurückgegangen, welche die Aktie zum Kauf empfehlen. Die einflussreiche Investmentbank JP Morgan hat sogar eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen.

ITA-Einlenken, Tarifabschlüsse, Wirtschaftsflaute

Warum also beurteilt die Börse Lufthansa Group so negativ? Es dürfte ein Cocktail aus verschiedenen Elementen sein. Unter anderem musste der deutsche Konzern bei der Übernahme von ITA Airways deutlich größere Konzessionen machen als erhofft. Das reduziert die Attraktivität zumindest kurzfristig. Zuletzt musste er nach Streiks zudem diverse Tarifabschlüsse unterzeichnen, welche die Kosten erhöhen. Das sehen Investorinnen und Investoren nicht gerne.

Zudem gilt Deutschland als kranker Mann in Europa. Die wirtschaftliche Stimmung im Land ist gedrückt. Das Ifo Institut hat kürzlich zwar seine Wachstumsprognosen für Deutschland für das Jahr 2024 verdoppelt. Aber auch ein Plus von 0,4 Prozent ist nicht besonders imposant. 2025 erwartet es immerhin 1,5 Prozent. Die EU-Kommission ist sogar noch pessimistischer und erwartet für die BRD 2025 nur ein Konjunkturplus von 1 Prozent. Damit ist sie klar das Schlusslicht innerhalb der Europäischen Union.

Auch hausgemachte Probleme und Fehler

Zudem erholt sich der Luftverkehrsmarkt in Deutschland deutlich langsamer als anderswo in der Welt. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft BDL hielt kürzlich fest, dass die Bundesrepublik noch weit weg von den Zahlen vor der Pandemie liegt. Das Land wird bis zum Sommer nur 85 Prozent der Passagierzahlen von 2019 erreichen. Ein schwächelnder Heimmarkt ist nie gut für eine Fluggesellschaft.

Der Konzern hat aber auch Fehler in der Pandemie gemacht. Angesichts der gefährlichen Liquiditätslage hat man das Angebot mitunter zu stark heruntergefahren. Und das ermöglichte es der weniger radikalen Konkurrenz, Kundinnen und Kunden von sich zu überzeugen. Manch einer kam nicht mehr zurück. Zudem wurden wohl auch da und dort zu viele Stellen gestrichen, die nun mühsam wieder aufgebaut werden – was auf die Servicequalität drückt.