Airbus A321 LR von Tap: Die portugiesische Nationalairline fliegt damit auch nach Brasilien.

Lufthansa Group, Air France-KLM und IAGJetzt geht der Kampf um Tap in die entscheidende Phase

Die portugiesische Regierung hat drei Favoriten ausgewählt und den nächsten Schritt im Verkaufsprozess gestartet. Air France-KLM, IAG und Lufthansa Group müssen nun offenlegen, wie viel sie zahlen, wie sie Tap entwickeln – und wie sie den Staat am Erfolg beteiligen wollen.

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Tap gilt als letzter attraktiver Preis, den es in der europäischen Konsolidierung zu gewinnen gibt. Denn die portugiesische Nationalairline ist eine Macht im Verkehr nach Brasilien, dem klar größten und wichtigsten Markt in Südamerika. 24 Prozent beträgt ihr Marktanteil auf diesen Routen. Damit liegt sie mit großem Abstand vor allen anderen europäischen Konkurrentinnen (siehe Grafik).

SAS ist mit dem Einstieg von Air France-KLM vom Markt, ITA Airways mit dem von Lufthansa Group. Und Finnair und Lot sind wegen der russischen Luftraumsperre zumindest in nächster Zeit weniger attraktiv als früher, wie Wouter Dewulf, Professor für Luftverkehrsmanagement und -ökonomie an der Universität Antwerpen, kürzlich in einem Interview mit der Zeitung De Telegraaf sagte.

Jetzt folgen unverbindliche Offerten für Tap

Und bei Tap geht die Privatisierung nun in die entscheidende Phase. Am 19. Dezember hat die Regierung von Portugal die Vorauswahl der Kandidaten abgeschlossen. Und sie hat der staatlichen Holding Parpública den Auftrag erteilt, den drei ausgewählten Konzernen die Dossiers mit den konkreten Bedingungen für den Verkauf von vorerst 44,9 Prozent der Aktien der Fluggesellschaft zukommen zu lassen. Das passiert dieser Tage.

Air France-KLM, IAG und Lufthansa Group können jetzt ihre Bewerbungen konkretisieren und unverbindliche Offerten einreichen. Sie müssen dabei einen noch nicht bindenden Preis für den Minderheitsanteil an Tap nennen. Und sie müssen angeben, wie sie den Staat als bisherigen Eigentümer an künftigen Wertsteigerungen teilhaben lassen wollen.

Air France-KLM, IAG und Lufthansa müssen konkret werden

In der Fachsprache spricht man von einer Earn-Out-Klausel. Konkret soll ein Anteil des Kaufpreises für die 44,9 Prozent an Tap (weitere 5 Prozent sind für die Angestellten vorgesehen) zu einem späteren Zeitpunkt erfolgsabhängig bezahlt werden. Auch haben Air France-KLM, IAG und Lufthansa Group zu erklären, wie der Betrag bezahlt werden soll - ob in bar oder in der Form eigener Aktien.

Daneben haben die drei Konzerne aufzuzeigen, wie sie Tap weiterentwickeln wollen. Sie müssen Aussagen zu Synergien und zur Sicherung der Bedeutung des Drehkreuzes Lissabon machen. Die Frist für die Angebotsabgabe endet am 2. April.

Im Sommer wird der Käufer von Tap bestimmt

Parpública analysiert im nächsten Schritt die eingegangenen Offerten und übermittelt der Regierung innerhalb von 30 Tagen ihre Bewertung. Die aussichtsreichsten Interessenten lädt der Ministerrat anschließend ein, verbindliche Angebote abzugeben. Dafür ist eine Frist von bis zu 90 Tagen vorgesehen, die bei Bedarf verkürzt werden kann. Danach erstellt Parpública ein weiteres Gutachten zu den finalen Offerten.

Auf dieser Basis entscheidet die Regierung in Lissabon, ob sie das beste Angebot unmittelbar annimmt oder in Verhandlungen eintritt. Anschließend genehmigt sie die Vertragsentwürfe, die spätestens 15 Tage nach der Zustimmung des Käufers unterzeichnet werden müssen.

IAG werden die geringsten Chancen eingeräumt

IAG werden allgemein die kleinsten Chancen bei Tap eingeräumt. Der spanisch-britische Konzern, zu dem unter anderem Iberia gehört, ist bereits beim Übernahmeversuch von Air Europa gescheitert. Die Wettbewerbshüter der EU hatten zu viele Einwände und fürchteten eine Machtkonzentration bei einer vergrößerten Gruppe. Und die portugiesische Nationalairline ist die einzige verbliebene Alternative auf der iberischen Halbinsel im Markt zwischen Spanien und Südamerika. Die EU-Kommission könnte also erneut einschreiten.

Air France-KLM und Lufthansa Group sind somit die Favoriten. Der französisch-niederländische Konzern könnte ein weiteres starkes Drehkreuz in Europa gut gebrauchen. Der deutsche Mitbewerber hat sich in Richtung Südamerika mit ITA Airways (Marktanteil rund 5 Prozent) Richtung Südamerika bereits deutlich verbessert.

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