Der Kampf geht weiter. Seitdem greifen die US-Streitkräfte mehr als zuvor mutmaßliche Schmugglerboote direkt mit tödlicher Gewalt an. Gleichzeitig werden an der Grenze zu Mexiko zunehmend Drohnen und Counter-Drone-Systeme eingesetzt. Lateinamerika ist aber nicht nur Kokain. In Regionen wie Mexiko und Guatemala wird ebenso Schlafmohn kultiviert, um daraus Opiumpaste und schließlich Heroin zu produzieren.
General Atomics MQ-9 Reaper: Aufklärung aus der Luft
Eine wichtige Plattform im amerikanischen Arsenal ist die General Atomics MQ-9 Reaper. Die bewaffnete MALE-Drohne (Medium Altitude, Long Endurance) kann über viele Stunden in einem Einsatzgebiet verbleiben und verbindet elektrooptische und infrarote Sensoren mit einer Bewaffnung, zu der unter anderem AGM-114-Hellfire-Raketen und präzisionsgelenkte Bomben gehören. Die Reaper eignen sich damit für die Überwachung weitläufiger Gebiete, die Identifizierung verdächtiger Aktivitäten und für präzise Luft-Boden-Angriffe.
Die MQ-9 Reaper war aber nicht für die Mehrheit der seit 2025 durchgeführten Angriffe auf Drogenschmugglerboote verantwortlich. Die öffentlich verfügbaren Angaben des US-Southern Command nennen bei den tödlichen Angriffen vor allem die eingesetzten Joint Task Forces, machen aber nicht bei jeder Attacke Angaben zum konkreten Luftfahrzeug oder Waffensystem, um die Machos in Zentral- und Südamerika im Dunkeln zu lassen.
Verdeckte Schattenkrieger
Seit Beginn der militärischen Kampagne im September 2025 haben US-Kräfte mehr als 60 mutmaßliche Drogenschmugglerboote in der Karibik und sogar im östlichen Pazifik angegriffen. Dabei wurden nach damaligem Stand mehr als 210 Menschen getötet. Die US-Regierung bezeichnet die Betroffenen als «Narco-Terroristen» und die angegriffenen Boote als Teil entsprechender Schmuggeloperationen.
Das Vorgehen markiert einen deutlichen Unterschied zur klassischen US-Drogenbekämpfung, bei der die Küstenwache und andere Behörden traditionell auf Aufklärung, Verfolgung, Abfangen und Beschlagnahmung setzen. Southern Command spricht ausdrücklich von «lethal kinetic strikes» gegen Boote auf bekannten Drogenrouten.
Auch die Army setzt Drohnen ein
Neben der Reaper verfügt die US-Army mit der General Atomics MQ-1C Gray Eagle über eine bewaffnete Langstrecken-Drohne. Sie dient der Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung, kann aber auch selbst Waffen einsetzen. Je nach Konfiguration kann sie bis zu vier AGM-114-Hellfire-Raketen tragen. «Gray Eagles gewährleisten eine dauerhafte Präsenz in operativ relevanten Entfernungen für Sensoren, Nutzlasten und absetzbare Wirkmittel, ohne dabei US-Soldaten einem Risiko auszusetzen», lobt Denny Winningham, ein pensionierter Oberst der Army National Guard, das Gerät auf der Homepage von General Atomics Aeronautics.
Die Hellfire ist dieselbe Grundfamilie von Luft-Boden-Raketen, die auch vom Kampfhubschrauber Boeing AH-64 Apache eingesetzt wird. Die Rakete kann durch einen Laser auf das Ziel gelenkt werden. Die Gray Eagle verfügt über entsprechende elektrooptische und infrarote Sensoren sowie einen Laserzielbeleuchter. Die US-Army hat sogar demonstriert, wie eine Gray Eagle ein Ziel für eine von einem Apache abgefeuerte Hellfire laserbeleuchtet. Bemannte und unbemannte Fluggeräte operieren verstärkt Hand in Hand.
Northrop Grumman RQ-4 Global Hawk als Auge des Heeres
Für die großflächige Überwachung kommt darüber hinaus die Northrop Grumman RQ-4 Global Hawk zum Einsatz. Die unbewaffnete strategische Aufklärungsdrohne kann in großer Höhe über sehr lange Zeiträume operieren und verfügt über Sensoren für elektrooptische, infrarote, Radar- und elektronische Aufklärung. Ihre Aufgabe ist nicht der Angriff, sondern die Gewinnung eines möglichst umfassenden Lagebildes.
Weitere kleinere Systeme ergänzen das Arsenal. Die RQ-7 Shadow ist eine taktische Army-Drohne für Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung. Die RQ-21 Blackjack: Als kleinere maritime ISR-Drohne des US Marine Corps wird sie zur Überwachung und Aufklärung über See benutzt. Damit entsteht ein mehrstufiges System: Große Plattformen wie die Global Hawk liefern das strategische Lagebild, Systeme wie Reaper und Gray Eagle ermöglichen die länger andauernde Überwachung und Zielerfassung.
Operation Burnout: 23 Paletten Drogen auf einer C-5M
Ein spektakuläres Beispiel für den Einsatz militärischer Lufttransportkapazitäten war im Mai 2026 die Operation Burnout. Dabei ging es allerdings nicht um einen Luftangriff. Die US Air Force unterstützte die Drug Enforcement Administration DEA beim Transport einer außergewöhnlich großen Menge bereits beschlagnahmter Drogen.
Über drei Tage, vom 18. bis 20. Mai 2026, transportierte eine Lockheed Martin C-5M Super Galaxy des 433rd Airlift Wing rund 50 Tonnen beschlagnahmte Betäubungsmittel von der March Air Reserve Base in Kalifornien zur Wright-Patterson Air Force Base in Ohio. Mit einer Länge von 75,3 Metern, einer Spannweite von knapp 68 Metern und einer Höhe von 19,8 Metern ist sie das größte Militärtransportflugzeug im Bestand der US Air Force. Ihr maximales Startgewicht beträgt rund 381 Tonnen, die Nutzlast liegt bei bis zu etwa 129 Tonnen. Total handelte es sich um 23 Paletten, deren geschätzter Wert mit rund 5 Milliarden Dollar angegeben wurde und die anschließend in einer Verbrennungsanlage professionell entsorgt wurden.
Counterstrike der Los Capos
Der Kampf gegen die Kartelle beschränkt sich inzwischen allerdings nicht mehr auf Boote und Flugzeuge. Am 4. September 2026 teilte das US Northern Command mit, dass seit Jahresbeginn bereits mehr als 300 unbemannte Fluggeräte an der US-mexikanischen Grenze neutralisiert worden seien. Mehr als 100 dieser Fälle entfielen allein auf den August. Die US-Streitkräfte ordnen die Drohnen transnationalen kriminellen Organisationen zu und sehen sie unter anderem im Zusammenhang mit Schmuggel und der Überwachung amerikanischer Sicherheitskräfte.
Dabei kommen inzwischen auch spezielle Counter-Drone-Systeme zum Einsatz. Das US-Army-System Amp-Hel, ein leistungsstarkes Hochenergielasersystem, wurde erstmals am 24. August 2026 bei Grenzschutzoperationen eingesetzt. Bis zum 4. September waren damit elf mit Kartellen in Verbindung gebrachte Drohnen neutralisiert worden. Der Charakter des Konflikts verändert sich damit erneut: Die USA bekämpfen nicht nur die klassischen Schmuggelrouten zu Land und zu Wasser, sondern vermehrt auch die Aufklärungs- und Angriffsdrohnen der Kartelle.
Asymmetrischer Krieg ohne Ende?
Die amerikanische Strategie ist inzwischen weit über die klassische Strafverfolgung hinausgewachsen. Southcom beschreibt seine Aufgabe als Kampf gegen Narco-Terroristen und setzt dabei auf militärische Task Forces, Geheimdienstinformationen, Drohnen, Luft- und Seestreitkräfte sowie die Zusammenarbeit mit Partnerstaaten. Gleichzeitig baut Washington seine Kooperation mit Sicherheitskräften auf dem amerikanischen Subkontinent aus.
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